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Politik

Bund und Länder wollen Freiwillige für den Öffentlichen Gesundheits­dienst

Donnerstag, 26. März 2020

/dpa

Berlin − Bund und Länder haben sich darauf verständigt, den Öffentlichen Gesundheits­dienst im aktuellen Pandemiefall bundesweit zügig aus anderen Verwal­tungen sowie mit Freiwilligen zu verstärken. In einer Telefonkonferenz haben sich der Kanzleramtschef so­wie die Länder darauf geeinigt, dass die Gesundheitsämter vor allem bei der Nachver­fol­gung von Kontakten von infizierten Patienten unterstützt werden sollen.

Aus einem Beschlussprotokoll, das dem Deutschen Ärzteblatt vorliegt, geht hervor, dass die Länder „darauf hinwirken“, dass die Ämter aus anderen Verwaltungsbereichen künftig unterstützt werden sollen. Bayern hatte dies schon vor einer Woche beschlossen und 400 Verwaltungsbeamte in die Gesundheitsämter abgeordnet.

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„Das Ziel muss sein, schrittweise pro 20.000 Einwohner mindestens ein Kontaktnach­ver­folgungsteam aus fünf Personen kurzfristig in den Einsatz bringen zu können“, heißt es in dem Protokoll. Zusätzlich sollen die rund 11.000 Bewerber, die sich beim Robert-Koch-Institut vor rund einer Woche auf Stellen als „Containment Manager“ beworben haben, ge­beten werden, sich bei ihrem regionalen Gesundheitsamt zur Unterstützung zu melden.

Laut dem Protokoll sollen auch die Testkapazitäten noch einmal erhöht werden. Dies solle „etwa durch den Einsatz von High-Throughput-Test-Automaten (sogenannten Roche-Automaten und auch andere Hersteller) oder den Einsatz weiterer Labore, etwa aus dem Bereich der Veterinärmedizin“ geschehen, heißt es. Die Länder sollen dazu Standorte und Einsatzbereiche an das RKI melden. Der Bund wird beauftragt, entsprechende Auto­maten „abhängig von der Marktlage“ zu beschaffen.

Auch wurde in der Telefonkonferenz darüber gesprochen, eine bundesweite Übersicht über die intensivmedizinischen Kapazitäten zu verstärken. Die Länder sollen die Kranken­häuser in ihrer Region auffordern, sich an dem Erfassungssystem zu beteiligen.

Dieses System wird von der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) betrieben, die mit Unterstützung des Bundesgesundheits­ministe­ri­ums und des RKI bereits 5.600 freie Betten im System ausweisen kann.

SPD-Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis begrüßte die Festlegungen von Bund und Ländern: „Das ist in ein richtiger Beschluss von Bund und Ländern, um die wichtige Nach­verfolgung von Corona-Infizierten zu verbessern und die Testkapazitäten auszubauen“, so die Gesundheitspolitikerin. „Ich erwarte von den Kommunen nun, dass sie alles tun, um freiwerdendes Personal in den Gesundheitsämtern einzusetzen.“

Dabei sieht sie vor allem die hohe Bewerberzahl beim RKI, die sich als „Containment Ma­nager“ beworben hatten, als ein positives Zeichen von „großartigem Engagement unserer Zivilgesellschaft.“ Mattheis mahnt auch an, für die Zukunft den ÖGD besser auszustatten.

„Es rächt sich leider, dass in den vergangenen Jahren bei der Daseinsvorsorge insgesamt, speziell beim Öffentlichen Gesundheitsdienst gespart wurde.“ Es müsse nach der Krise daran gearbeitet werden, dass diese Strukturen dauerhaft gestärkt werden. © bee/aerzteblatt.de

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