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COVID-19: Viele Schwerstkranke haben lebensgefährliche Herzmuskelschäden

Donnerstag, 26. März 2020

/freshidea, stock.adobe.com

Wuhan − Kardiovaskuläre Erkrankungen erhöhen nicht nur das Risiko, dass eine Infektion mit SARS-CoV-2 zu einer schweren COVID-19-Erkrankung führt. Eine kardiale Schädigung, die in China bei vielen Patienten bei der Aufnahme beobachtet wurde, steigert laut einer Studie in JAMA Cardiology (2020; doi: 10.1001/jamacardio.2020.0950) auch deutlich das Risiko auf einen tödlichen Ausgang.

Laut der bisher größten Übersicht aus China haben viele COVID-19-Patienten eine arterielle Hypertonie (12,8 %) oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen (4,2 %). Das Sterberisiko dieser Patienten war mit 10,5 % bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und 6,0 % bei Blut­hochdruck ebenfalls deutlich höher als bei Patienten ohne Begleiterkrankungen, von denen laut den chinesischen Zahlen nur 0,9 % an COVID-19 sterben.

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Die jetzt von Shaobo Shi von der Renmin Klinik an der Universität Wuhan vorgestellten Daten von 416 Patienten deuten auf einen weiteren kardialen Risikofaktor hin. Bei insgesamt 82 Patienten war das hochempfindliche Troponin I (hs-TnI) bei der Aufnahme in die Klinik deutlich erhöht (über der 99. Perzentile). Die Konzentration lag im Durchschnitt bei 0,19 µg/l gegenüber 0,006 µg/l bei den übrigen 334 Patienten. hs-TnI ist ein Marker für eine kardiale Schädigung.

Troponin I ist Bestandteil der Herzmuskelzelle, das bei einer Zerstörung ins Blut gelangt. Die bei den Patienten nachgewiesenen Werte deuten deshalb auf eine Schädigung des Herzmuskels hin. Ob dies eine direkte Folge der Infektion oder ein Zeichen für den kritischen Zustand der Patienten ist, kann die Studie nicht klären.

Auffällig ist, dass die Patienten mit den erhöhten hs-TnI-Werten häufiger an Bluthoch­druck (59,8 versus 23,4 %), Diabetes 24,4 versus 12,0 %), Koronarer Herzkrankheit (29,3 versus 6,0 %), chronischen Herzkrankheiten (14,6 versus 1,5 %), aber auch häufiger an Krebs (8,5 versus 0,6 %) oder einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung COPD (7,3 versus 1,8 %) litten. Auch zerebrovaskuläre Erkrankungen (15,9 versus 2,7 %) und chronische Nierenerkrankungen (6,1 versus 2,7 %) waren deutlich häufiger.

Die kardiale Schädigung zeigte eine deutlich verschlechterte Prognose an. Von den 82 Patienten mit erhöhtem hs-TnI starben 42 (51,2 %) in der Klinik. Bei den Patienten mit niedrigem hs-TnI Betrug die Sterberate nur 4,5 % (15 von 334 Patienten).

Der Pathomechanismus für die Beschädigung des Herzmuskels ist nicht geklärt. Eine Virusinfektion des Herzmuskels wurde bei Verstorbenen bisher nicht nachgewiesen, berichtet Shi. Andererseits sei bekannt, dass das MERS-CoV eine akute Myokarditis auslösen kann. Bei SARS war ebenfalls aufgefallen, dass viele Patienten in den Kliniken eine Hypertonie entwickelten. © rme/aerzteblatt.de

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