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Medizin

Herzrhythmus­störungen: Ultraschall lokalisiert die Auslöser

Dienstag, 31. März 2020

/screenshot, youtube, Columbia Engineering

New York − US-Forscher haben eine Methode entwickelt, um mit einem konventionellen Ultraschallgerät den Ausgangspunkt von Herzrhythmusstörungen zu ermitteln. In einer randomisierten Studie in Science Translational Medicine (2020; doi: 10.1126/scitranslmed.aax6111) war das „Electromechanical Wave Imaging“ zuverlässiger als die Analyse eines 12-Kanal-EKGs.

Das Herz ist eine elektromechanische Pumpe. Damit sich die Myokardzellen zusammen­ziehen können, müssen sie elektrisch aktiviert werden. Diese elektrischen Impulse kommen beim gesunden Herzen vom Sinusknoten, der normalerweise den Takt bestimmt. Sie werden über ein Reizleitungssystem spezialisierter Zellen wellenartig über den gesamten Herzmuskel verteilt. Wenn die Impulse die Muskelzellen erreicht haben, kommt es zu einer Kontraktion.

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Bei Herzrhythmusstörungen wird der Sinusrhythmus unter Umständen durch andere Taktgeber ersetzt. Die Wege der elektrischen Impulse ändern sich. Dies wird im EKG sichtbar, dessen Analyse häufig erlaubt, den Ort eines pathologischen Taktgebers zu ermitteln.

/youtube, Columbia Engineering

Dieser Taktgeber kann auch durch eine Analyse der Herzmuskelbewegungen identifiziert werden. Da die Impulse zu anderen Zeitpunkten bei den einzelnen Herzregionen ankommen, verändern sich auch die Kontraktionsmuster. Dies zeigt sich in der Echokardiographie an der Verdickung und Verdünnung bestimmter Areale. Mit einem Algorithmus kann daraus die zeitliche Abfolge der kardialen Aktivierung rekonstruiert werden. Diese Methode bezeichnen ihre Entwickler an der Columbia University als „Electromechanical Wave Imaging“ (EMI).

In einer randomisierten Doppelblindstudie hat ein Team um Elisa Konofagou untersucht, ob sich mit der EMI-Methode die Taktgeber von Herzrhythmusstörungen besser ermitteln lassen als durch die Analyse eines 12-Kanal-EKGs.

An der Studie nahmen 55 Patienten mit Vorhof-Tachykardien, Vorhofflattern, vorzeitigen ventrikulären Komplexen oder akzessorischen Bahnen wie dem Wolff-Parkinson-White-Syndrom teil, bei denen eine Katheterablation geplant war.

Bei der Ablation werden die störenden Taktgeber zerstört, was vielfach die Herzrhyth­mus­störung beseitigt. Die genaue Lage der Taktgeber wird zwar bei der Katheter­untersuchung vor deren Zerstörung ermittelt. EKG oder EMI können jedoch wichtige Hinweise geben und damit die Dauer der Katheterintervention verkürzen.

Wie Konofagou berichtet, gelang es mit der EMI in 96 % der Fälle, den Ursprungsort der Arrhythmie korrekt vorherzusagen. Die Trefferrate des 12-Kanal-EKG lag dagegen nur bei 71 %. Der Unterschied war statistisch signifikant.

Die Untersuchung kann laut Konofagou mit konventionellen Ultraschallgeräten für die Echokardiografie durchgeführt werden und erfordert keine lange Einführung, wie die Forscher in ihrem Video zeigen.

Als nächster Schritt ist eine klinische Langzeitstudie geplant. Dort soll geprüft werden, ob die EMI-Vorhersage verwendet werden kann, um die Ablation präziser auf einen Ort zu konzentrieren und dadurch Kollateralschäden in dem umgebenden Gewebe zu vermeiden. © rme/aerzteblatt.de

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Chris1991
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