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Ärzteschaft

Labormediziner für Priorisierung von SARS-CoV-2-Testungen

Donnerstag, 26. März 2020

/picture alliance/dpa

Berlin – Stationär und ambulant tätige Laborärzte, die COVID-19-Testungen durchführen, arbeiten derzeit am Limit. Der Berufsverband Deutscher Laborärzte (BDL) schätzt, dass derzeit rund 40.000 SARS-CoV-2-Tests am Tag durchgeführt werden – mit steigender Ten­denz. Sollte die Zahl der Testanforderungen weiterhin in dem bisherigen Umfang anstei­gen, werde in den in den nächsten Tagen mit Engpässen in den medizinischen Laboren zu rechnen sein.

„Die Anamnese in den Hausarztpraxen muss daher dringend intensiviert werden“ sagte der Vorsitzende des BDL, Andreas Bobrowski, bei einer Pressetelefonkonferenz des Ver­bandes. „Wir bitten die Allgemeinmediziner, ihre Testanforderungen an die Labore konse­quent am konkreten medizinischen Bedarf zu orientieren.“ Risikopatienten mit schweren Krankheitssymptomen müssten Vorrang bei den SARS-CoV-2-Testungen haben.

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Bobrowski verwies diesbezüglich auf die Kriterien des Robert-Koch-Instituts (RKI), um eine Entscheidung zwischen zwingend notwendigen Aufträgen und nachrangigen Unter­suchungswünschen differenzieren zu können.

Zudem gelte es, vorhandene Testkapa­zitä­ten für medizinisches Personal in Kliniken, Kranken­häusern und Praxen, für Sicherheitsor­gane und weitere besonders gefährdete Personen zu sichern, um die Versorgung aufrecht erhalten zu können. Öffentliche Signale wie „alle Verdachtsfälle testen!“ seien derzeit nicht leistbar.

Bobrowski betonte, dass die medizinischen Laboratorien sehr flexibel auf die COVID-19-Pandemie reagiert hätten: „Die personellen Kapazitäten wurden verdoppelt, hier besteht kein Engpass. Aber wir werden bald nicht mehr genügend Reagenzien, Extraktionsmate­rialien und Testkits zur Verfügung haben. Auch PCR-Geräte sind derzeit nicht kurzfristig lieferbar.“

Zur schnellen Kapazitätsausweitung hätten die Labormediziner deutschlandweit inner­halb kurzer Zeit eigenhergestellte SARS-CoV-2-Tests etabliert, um die rasch ansteigenden Aufträge zu bewältigen. „Derartige „inhouse“-Tests haben den Vorteil, dass sie flexibel adaptierbar sind – zum Beispiel wenn das Virus mutiert“, sagte Thomas Lorentz.

Wie schon der Berufsverband der Akkreditierten Medizinischen Labore in Deutschland (ALM) und der Berufsverband der Ärzte für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepi­demiologie (BÄMI) warnt auch der BDL vor Schnelltests zum Nachweis von SARS-CoV-2.

Denn die derzeit vermarkteten Schnelltests suchten nicht nach Erregern, sondern nach Antikörpern, die erst mit einer Latenzzeit nach Infektion nachweisbar sind. Das heißt: Ein Antikörper-Schnelltest kann noch negativ ausfallen, obwohl die Testperson bereits hoch infektiös ist, was aber mit der PCR erfasst wird.

Nach Angaben von Matthias Orth, Marienhospital Stuttgart, eignen sich Antikörpertests um den Durchseuchungsgrad der Bevölkerung nach SARS-CoV-2-Infektion zu ermitteln. Orth wies auch auf ein Sicherheitsproblem bei der Verwendung von Point-of-care-Tests in Räumen ohne entsprechende Virus-Schutzmaßnahmen hin.

„Die Probenentnahme erfolgt in unmittelbarer Nähe des Patienten. Das bedeutet eine hohe Gefährdung des testenden Personals mit dem SARS-CoV-2-Virus.“ Entsprechende Erfahrungen habe man mit Schnelltests auf das Norovirus gemacht. © zyl/aerzteblatt.de

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