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Forscher spielen Szenarien für SARS-CoV-2 durch

Freitag, 27. März 2020

/Naeblys, stock.adobe.com

London – Ohne Gegenmaßnahmen hätte die Coronavirus-Pandemie dem Imperial College in London zufolge in diesem Jahr bis zu 40 Millionen Menschen weltweit das Leben kos­ten können. Das geht aus einer Studie hervor, die gestern Abend veröffentlicht wurde.

Die Forscher spielten dabei in einem mathematischen Modell mehrere Szenarien durch. Im schlimmsten Fall hätten sich demnach sieben Milliarden Menschen, also beinahe die gesamte Menschheit, innerhalb dieses Jahres mit dem Erreger SARS-CoV-2 infiziert.

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Daher fordern die Forscher weltweit frühe Maßnahmen zur Unterdrückung der Pandemie, wie sie in vielen Ländern bereits ergriffen wurden. Nur so sei eine Überforderung der Gesundheitssysteme zu verhindern.

„Schnelle, entschiedene und kollektive Maßnahmen von allen Ländern sind notwendig, um die Folgen dieser Pandemie zu begrenzen“, sagte Azra Ghani, eine der Autorinnen der Studie. Entscheidend seien Tests, die Isolierung Infizierter und soziale Distanzierung.

Um die Bedeutung dieser Maßnahmen deutlich zu machen, spielen die Forscher drei Sze­narien durch. Würden alle Länder harte Maßnahmen zu einem Zeitpunkt ergreifen, bei dem es erst 0,2 Corona-Tote pro 100.000 Einwohnern gibt, könnten 95 Prozent der Todes­fälle verhindert und 38,7 Millionen Menschenleben gerettet werden, heißt es in dem Be­richt.

Würden die Maßnahmen erst bei einer Zahl von 1,6 Toten pro 100.000 Einwohner einge­führt, sinke die Zahl der geretteten Leben jedoch auf 30 Millionen. Das bedeutet aber auch, dass die Forscher noch in diesem Jahr mit mindestens knapp zwei Millionen Toten weltweit rechnen. Allein in Europa und Zentralasien erwarten sie 280.000 Sterbefälle durch die Coronavirus-Pandemie.

Mit schwächeren Maßnahmen wie einer Strategie zur Verlangsamung der Pandemie und Abschirmung der älteren Bevölkerung seien 20 Millionen Tote durch die Lungenkrank­heit COVID-19 zu erwarten, hieß es in dem Bericht.

Besonders hart dürfte es in diesem Szenario Länder mit niedrigem Durchschnittsein­kom­men treffen, dort rechnen die Experten damit, dass die maximale Auslastung der Gesund­heitssysteme dann um ein 25-faches übertroffen werden könnte. Doch auch in reichen Ländern würden es sieben Mal mehr Patienten geben, als behandelt werden können.

Die Forscher warnen aber auch, dass die Maßnahmen zur Unterdrückung der Pandemie hohe wirtschaftliche und soziale Kosten haben wird, vor allem in Ländern mit niedrigen und mittleren Durchschnittseinkommen.

Die Studie des Imperial College in London ist auch Grundlage eines Papiers des Bundes­innenministeriums zur Corona-Pandemie. Darin heißt es auch, dass Testausweitungen sinnvoll sein könnten. Das wird derzeit diskutiert.

Bund und Länder streben einem Bericht der BILD zufolge eine Ausweitung der Testkapazi­täten für Infektionen mit dem Virus an. Dies wollten die Sprecher einzelner Ministerien in einer gemeinsamen Pressekonferenz allerdings nicht bestätigen. Ebenso wollten weder das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium noch das Bundesinnenministerium die Studie oder das Strategiepapier kommentieren.

Die Kapazitäten für Corona-Tests könnten in Deutschland nach Überzeugung des Bonner Virologen Hendrik Streeck deutlich erweitert werden. Zwar fehlten für die klassi­schen Tests viele Materialien – dafür könnten kreative Lösungen helfen, sagte der Virolo­giepro­fessor in Düsseldorf. Er glaube, es sei möglich, die Kapazitäten sehr hoch zu fah­ren.

Das massenhafte Testen in Südkorea habe gezeigt, dass es darüber möglich sei, die Zahl der Neuinfektionen auf ein Minimum zu drücken. Allerdings seien dort auch Handydaten ausgelesen worden, um Kontaktketten nachzuverfolgen. Dies sei in Deutschland nicht möglich.

Die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesund­heitsdienstes sieht hingegen in Deutschland keine Möglichkeit für eine massive Aus­wei­tung von Coronavirus-Tests.

„Flächendeckende Corona-Tests wie in Südkorea sind in Deutschland undurchführbar“, sagte Ute Teichert dem Nachrichtenportal t-online.de. „Dafür haben wir zu wenig Perso­nal und zu wenig Laborkapazität.“ Der öffentliche Gesundheitsdienst sei „runtergespart“ worden, sagte Teichert. Die Politik habe weggesehen. © dpa/may/bee/aerzteblatt.de

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MITDENKER
am Samstag, 28. März 2020, 10:54

Die Magie der Zahlen

Folgendes: "Ohne Gegenmaßnahmen hätte die Coronavirus-Pandemie dem Imperial College in London zufolge in diesem Jahr bis zu 40 Millionen Menschen weltweit das Leben kos­ten können." halte ich - sorry - für eine absurde Hochrechnung mit einem ausgeprägten Panikfaktor. Derartige Befürchtungen gab es schon immer, hinterher wurde dann korrigiert, wie hier:
https://www.welt.de/wissenschaft/schweinegrippe/article5487594/H1N1-Virus-Sterberate-viel-geringer-als-befuerchtet.html

Also munter weiter Panik-Szenarios veröffentlichen, damit die Weltwirtschaft und damit unsere Lebensgrundlagen zunehmend in Gefahr geraten. Ganz zu schweigen von der permanenten Einschränkung der Grundrechte weltweit.
LNS
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