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Ausland

COVID-19: Ärzte verstärken Engagement in Krisenregionen

Freitag, 27. März 2020

/Hanoi Photography, stock.adobe.com

Berlin − Deutsche Ärzte engagieren sich vermehrt wegen der Coronakrise in Krisenregio­nen und helfen dort aus. Heute kündigten Ärzte ohne Grenzen und auch Thüringer Ärzte an, unter anderem Kollegen im stark betroffenen Italien bei der Patientenversorung zu unterstützen.

Ein Großteil der neuen Initiativen von Ärzte ohne Grenzen in Europa richte sich an beson­ders gefähr­dete Personen wie Obdachlose, Migranten und Geflüchtete, die auf der Straße oder in be­helfsmäßigen Lagern leben, sowie an Menschen in Alten- und Pflegeheimen, teilte die Organisation heute in Berlin mit.

„Was wir als Ärzte ohne Grenzen in einer solchen Situation einbringen können, ist unser Wissen rund um Epidemien und Katastrophen“, erklärte die Notfallkoordinatorin des Ein­satzes in Italien, Claudia Lodesani.

In Italien unterstütze ein Team von Ärzte ohne Grenzen unter anderem drei Kranken­häu­ser in der Lombardei bei der Infektionskontrolle sowie Hausärzte und ambulante Pfle­gedienste, die Menschen in Quarantäne zuhause betreuten. „Als wir in der Lombardei ank­amen, war es offensichtlich, wie traumatisiert viele der Krankenhaus­mitarbeiter wa­ren. Sie waren geschockt, wie schnell alles dramatisch geworden war“, berichtete Lode­sani.

Auch Ärzte aus Thüringen helfen im von der Corona-Pandemie besonders stark betroffe­nen Norditalien. Ein Team aus Ärzten und Pflegekräften werde in die Lombardei entsandt, teilte das Gesundheitsministerium heute mit.

„Wir können angesichts des Leidens in der Lombardei nicht still verharren. Gleichzeitig ist der Einsatz vor Ort für die Mediziner eine Möglichkeit, mehr über COVID-19 zu lernen“, sagte Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner. Sie sei stolz, dass man einen Beitrag zur Linderung der großen Not in Italien leisten könne.

„Ich kann unseren Beschäftigten, die sich ganz kurzfristig dazu bereit erklärt haben, gar nicht genug Respekt zollen“, erklärte der medizinische Vorstand am Universitätsklinikum Jena, Jens Maschmann. Das Thüringer Gesundheitsministerium und der Vorstand der Uni­klinik hätten zuvor geprüft, ob in Thüringen − wie in anderen Bundesländern − schwer erkrankte Patienten aufge­nommen und versorgt werden können.

„Angesichts der hohen individuellen Belastung, die ein Transport nach Deutschland für die Patienten mit sich bringen würde, haben die Experten des Jenaer Uniklinikums ent­schieden, stattdessen Hilfe vor Ort anzubieten“, hieß es in einer Mitteilung des Ministe­riums. Auch vier Beatmungsgeräte aus Thüringen sollen in Italien eingesetzt werden.

In Spanien hat Ärzte ohne Grenzen nach eigenen Angaben zwei temporäre Kranken­häu­ser errichtet, in denen Patienten mit milderen Verläufen behandelt werden können. In Frankreich konzentriere sich der Einsatz auf Obdachlose und Migranten in Paris und Um­gebung. Außerdem leisteten Teams in der Schweiz, in Belgien und Norwegen zusätzliche Hilfe.

Für das Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos sei ein Notfallplan auf­gestellt worden für den Fall, dass es dort einen Ausbruch der Krankheit geben sollte, so die Organisation. Auf der Insel Samos helfe ein Team unter anderem bei der Isolation einfacherer Fälle. Die Hilfsorganisation forderte „die Evakuierung der völlig überfüllten und unhygienischen EU-Flüchtlingslager auf Lesbos und Samos.“

In Afrika, wo nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen derzeit 43 Länder von der Corona-Pandemie betroffen sind, gehe es neben Maßnahmen zur Infektionskontrolle und dem Einbeziehen der Bevölkerung auch darum, Alternativen zu den breit angelegten Testver­fahren zu finden, die in diesen geschwächten Gesundheitssystemen nicht möglich seien. Die Organisation helfe in Südafrika, Burkina Faso, Kamerun, Mali, an der Elfenbeinküste und in Libyen beim Bekämpfen der Pandemie.

Außerdem weitete die Organisation ihr Angebot nach eigenen Angaben in mehreren Länder im Nahen Osten, in Asien und in Südamerika aus. In allen Einsätzen sei der Schutz des Gesundheitspersonals essenziell, so Ärzte ohne Grenzen. © kna/dpa/may/aerzteblatt.de

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