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Ausland

US-Behörde lässt beschränkte Nutzung von Malariamitteln gegen COVID-19 zu

Montag, 30. März 2020

/dpa

Washington – Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat im Kampf gegen die Coronavirus-Pan­de­mie die Nutzung von zwei Malaria-Medikamenten in Notfällen erlaubt. Die FDA habe die Herausgabe oder Verschreibung von Chlo­roquin und Hydroxychloroquin „durch Ärzte an im Krankenhaus liegende jugendliche und erwachsene Patienten mit COVID-19“ ge­neh­migt, teilte das US-Ge­sund­heits­mi­nis­terium gestern mit.

Dies sei angebracht, wenn kein klinischer Test verfügbar oder machbar sei. Demnach wur­de kürzlich der nationale Medikamentenvorrat um die beiden Mittel Chloroquin und Hydroxychloroquin aufgestockt. Sie gelten als mögliche Mittel gegen die vom neuartigen Coronavirus ausgelöste Lungenkrankheit COVID-19.

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US-Präsident Donald Trump hatte das Malaria-Medikament Cloroquin als mögliches „Ge­schenk Gottes“ bezeichnet, obwohl Wissenschaftler vor den Gefahren nicht ausrei­chend geprüfter Behandlungen warnten.

Viele Forscher, unter ihnen auch Trumps Berater Anthony Fauci, der führende US-Experte für Infektionskranheiten, mahnten zur Vorsicht, solange kleine Studien nicht durch größe­re klinische Tests bestätigt seien. Zwei US-Einrichtungen, das Nationale Gesundheits­ins­ti­tut und die Behörde für Biomedizinische Forschung und Entwicklung, arbeiten derzeit an der Entwicklung solcher Tests.

Auch der Chef der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) hat davor gewarnt, Medikamente gegen das neuartige Coronavirus einzusetzen, deren Wirksamkeit bislang nicht nachge­wie­sen ist.

„Die Geschichte der Medizin ist voller Beispiele von Mitteln, die auf dem Pa­pier und im Reagenzglas funktionierten, aber nicht im Menschen, oder die sogar schäd­lich waren“, sagte Tedros Adhanom Ghebreyesus in Genf. Zudem könnten un­kontrollierte Versuche Engpässe bei Medikamenten kreieren, die Patienten mit anderen Diagnosen dringend bräuchten.

In Frankreich haben offenbar mehrere Menschen gefährliche Herzrhythmusstörungen be­kommen, nachdem sie ohne ärztliche Aufsicht ein angebliches Mittel gegen das Corona­virus eingenommen hatten. In einigen Fällen sei sogar die Einweisung auf eine Intensiv­station nötig gewesen, erklärte die regionale Gesundheitsbehörde in Bordeaux gestern Abend. Die Menschen hatten den Wirkstoff Hydroxychloroquin eingenommen.

Das Mittel wird eigentlich gegen Malaria eingesetzt. Er dürfe „in keinem Fall zur Selbst­me­dikation eingenommen werden“, sondern allenfalls unter Aufsicht eines Arztes, warnte die Gesundheitsbehörde. Sie verwies auf die starken Nebenwirkungen des Mittels, zu de­nen neben Herzrhythmusstörungen unter anderem auch neurologische Probleme gehö­ren. Eine Überdosis kann tödlich sein.

Hydroxychloroquin und der verwandte Wirkstoff Chloroquin gehören zu den Mitteln, die derzeit in mehreren europäischen Ländern gegen das Coronavirus getestet werden. Ein wissenschaftlicher Nachweis einer Wirksamkeit im Kampf gegen die durch das Virus aus­gelöste Lungenkrankheit COVID-19 steht jedoch aus.

Weltweit starteten am vergangenen Freitag in mehr als 45 Ländern Tests mit vier Medi­ka­­menten oder Kombinationen von Medikamenten, sagte Tedros. Die ersten Patienten wurden in Norwegen und Spanien in die Studie aufgenommen. Es handelt sich um die „Solidaritätsstudie“, die durch große Beteiligung schneller Ergebnisse bringen soll als herkömmliche klinische Studien.

Einige Experten befürchten, dass die Werbung des US-Präsidenten für die Malariamittel zu Versorgungsengpässen bei Patienten führen könnte, für deren Krankheiten sie bereits zugelassen sind, wie Lupus oder rheumatoide Arthritis. © afp/dpa/aerzteblatt.de

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