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Medizin

COVID-19: Positive Erfahrungen mit Serumtherapie in China

Montag, 30. März 2020

/dpa

Shenzhen − An einer Klinik in China haben 5 Patienten mit schwerer COVID-19 das Plasma von Menschen erhalten, die von der Krankheit genesen sind. Nach dem Bericht im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2020; DOI: 10.1001/jama.2020.4783) haben alle 5 Patienten überlebt.

Die Serumtherapie, für deren Entwicklung Emil von Behring 1901 den 1. Nobelpreis erhalten hat, wurde während der Spanischen Grippe erfolgreich eingesetzt. Nach einer Meta-Analyse, die allerdings erst 9 Jahrzehnte später veröffentlicht wurde, konnte die Case-Fatality-Rate um 21 %-punkte gesenkt werden.

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Auch die Erfahrungen bei der ersten SARS-Epidemie waren positiv. An einer Klinik in Hongkong waren damals 80 Patienten behandelt worden, von denen 33 die Klinik lebend verließen. Bei der Influenza A H1N1/2009 („Schweinegrippe“) wurde die Sterblichkeit in einer (nicht randomisierten) Vergleichsstudie sogar um 80 % gesenkt.

Während der Ebola-Epidemie in Westafrika wurden 2 in die USA repatriierte Patienten mit Erfolg behandelt. Auch für MERS, das in arabischen Ländern weiterhin schwelt, wurde ein Behandlungsprotokoll entwickelt.

Es liegt deshalb nahe, die Behandlung auch bei Patienten mit COVID-19 zu versuchen. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat in den letzten Tagen grünes Licht gegeben und in Deutschland plant beispielsweise die Medizinische Hochschule Hannover, die Behand­lung durchzuführen.

An der 3. Volksklinik in Shenzhen wurden jetzt 5 Patienten behandelt. Allen wurden 400 ml Blutplasma transfundiert, das am gleichen Tag per Apherese aus dem Blut von rekon­vales­zenten Patienten gefiltert worden war. Die Spender hatten sich seit mindestens 10 Tagen von COVID-19 erholt und in ihrem Blut waren hohe Konzentrationen von IgG-Antikörpern nachgewiesen worden (Titer mindestens 1:1.000), die in Labortests SARS-CoV-2 neutralisierten (Titer mindestens 40).

Die 5 Empfänger der Plasmaspenden waren im Alter von 36 bis 65 Jahren schwer an COVID-19 erkrankt. Alle hatten in den 10 bis 22 Tagen der Klinikbehandlung bereits verschiedene antivirale Wirkstoffe und Steroide erhalten, ohne dass es zu einer Bess­erung gekommen war. Alle wurden mechanisch beatmet. Bei einem Patienten wurde eine extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) durchgeführt.

Wie das Team um Yingxia Liu von der Technischen Universität in Shenzhen berichtet, normalisierte sich die Körpertemperatur bei 4 von 5 Patienten innerhalb von 3 Tagen, die Organfunktionen (im SOFA-Index) verbesserten sich ebenso wie die Lungenfunktion (Anstieg des PAO2/FIO2 von 172 bis 276 auf 284 bis 366).

Bei allen Patienten kam es zu einem Rückgang der Viruslast. Bei einem Patienten fiel der Test bereits einen Tag nach der Infusion negativ aus, bei 2 weiteren dauerte es 3 Tage und die letzten beiden Patienten waren bei der Kontrolle am Tag 12 virusfrei.

Parallel dazu kam es zu einem Rückgang der entzündlichen Biomarker (CRP, Procalcitonin und Interleukin 6) und zu einer Verbesserung der radiologischen Befunde. 3 Patienten konnten mittlerweile aus der Klinik entlassen werden. Bei einem konnte die ECMO beendet werden. Er wird zusammen mit dem 5. Patienten aktuell (25. März) noch beatmet.

Natürlich kann eine Fallserie die Effektivität der Serumtherapie bei COVID-19 nicht beweisen. Für eine Wirksamkeit spricht allerdings, dass nach der Infusion des Plasmas bei den Patienten Antikörper-Konzentrationen gefunden wurden, die für eine Neutrali­sierung ausreichen sollten, und parallel die Viruslast bei den Patienten zurückging. © rme/aerzteblatt.de

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