NewsÄrzteschaftDEGAM aktualisiert COVID-19-Em­pfehlungen für Hausärzte
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

DEGAM aktualisiert COVID-19-Em­pfehlungen für Hausärzte

Montag, 30. März 2020

/dpa

Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) hat ihre Handlungsempfehlungen für den Umgang mit der COVID-19-Pandemie in der hausärztlichen Praxis aktualisiert.

Bei Atemwegssymptomen empfiehlt sie nunmehr neben Influenza oder Erkältungs­krank­heiten differenzialdiagnostisch immer auch an eine SARS-CoV-2-Infektion zu denken. Von einem begründeten Verdachtsfall sei auszugehen, wenn bei einem Patienten akute respi­ratorische Symptome vorlägen und der Patient Kontakt zu einem bestätigten COVID-19-Fal bis maximal 14 Tage vor Erkrankungsbeginn hatte.

Anzeige

Ein begründeter Verdacht auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 bestehe ebenfalls bei klini­schen Hinweisen auf eine virale Pneumonie im Zusammenhang mit einer Häufung von Pneumonien in einer Pflegeeinrichtung oder einem Krankenhaus.

Die DEGAM erinnert daran, dass zum Schutz von Patienten und Praxismitarbeitern keine SARS-CoV-2-Tests ohne Schutzausrüstung durchgeführt werden dürfen. Falls dies nicht umsetzbar sei, sollte der Hausarzt ein Schild vor der Praxis aufhängen: „Praxis führt keine Testungen durch.“

Angesichts der derzeit begrenzten Verfügbarkeit von Schutzausrüstung empfiehlt die Fach­­gesellschaft Testungen wann immer möglich über regionale Teststationen, die Tele­fonnummer 116 117 und das Gesundheitsamt durchführen zu lassen. Als Alternative schlägt die DEGAM Selbsttests als pragmatisches und ausreichend zuverlässiges Ver­fah­ren vor. In diesen Fällen führen die Patienten den Rachenabstrich selbst durch.

Neben den begründeten Verdachtsfällen, die sofort dem Gesundheitsamt gemeldet wer­den müssen, gebe es auch noch andere Patienten, bei denen die Abklärung einer SARS-CoV-2-Infektion differenzialdiagnostisch sinnvoll sein könne, wenn dadurch das weitere Management des Patienten beeinflusst werde, ergänzt die DEGAM.

Eine solche individuelle Vorgehensweise empfehle sich beispielsweise bei schwerer Er­krankten, die ambulant betreut werden können oder müssen und akute respiratorische Symptome entwickeln.

Zudem sei eine Abklärung bei Patienten mit erhöhtem Risiko, zum Beispiel einer Immun­suppression, sinnvoll. Gleiches gelte für Patienten, die eine Tätigkeit in Pflege, Arztpraxis oder Krankenhaus ausübten. Dem Gesundheitsamt müssten Hausärzte diese Fälle aber nur bei Nachweis einer Infektion melden.

Das individuelle Vorgehen in der Praxis sollte der Hausarzt von der Fallschwere abhängig machen. Bei schweren Erkrankungen ist den Empfehlungen zufolge eine Einweisung in die Klinik ohne vorherigen Test möglich.

Schutz der Mitarbeiter hat Vorrang

Bei Symptomen einer Atemwegserkrankung müssen Mitarbeiter – solange kein relevanter Personalmangel vorliegt – immer getestet und aus der Versorgung herausgenommen wer­den. Liegt dagegen ein relevanter Personalmangel vor, bestehen andere Möglichkei­ten.

Nach einer Exposition gegenüber SARS-CoV-2 und bei Symptomfreiheit darf nur mit Mund-Nasen-Schutz gearbeitet werden. Die Versorgung besonders vulnerabler Patienten­gruppen sollte vermieden werden. Bestehen dagegen Symptome einer Atemwegserkran­kung muss umgehend auf SARS-CoV-2 getestet werden. Bis das Ergebnis vorliegt, muss der Mitarbeiter während der gesamten Anwesenheit bei der Arbeit Mund-Nasen-Schutz tragen.

Zur Entlastung der Praxis während der COVID-19-Pandemie empfiehlt die DEGAM, das Praxisteam vor Infektionen zu schützen und möglichst wenige Infektpatienten direkt in der Praxis zu behandeln. Zu diesem Zweck sollte das Praxisteam die Patienten schon am Telefon filtern. © nec/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

30. Mai 2020
Alexandria/Köln – Krebskanke sind Risikopatienten für Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 und für schwere Verläufe der dadurch verursachten Erkrankung COVID-19. Die American Society
„Wir werden uns noch lange mit dieser Situation auseinandersetzen müssen“
29. Mai 2020
Berlin – Flüchtlinge in Sammelunterkünften sind besonders gefährdet, sich mit SARS-CoV-2 zu infizieren und an COVID-19 zu erkranken. Das ist das Ergebnis einer Studie unter Leitung des Epidemiologen
Hohes Risiko für SARS-CoV-2-Infektionen bei Geflüchteten in Sammelunterkünften
29. Mai 2020
Berlin – Nach der Vorlage der Rechtsvorordnung zur Erstattung von weiteren Tests auf das Coronavirus SARS-CoV-2, haben erste Verbände ihre Stellungnahmen abgegeben. So erklärte die Kassenärztliche
Coronakrise: Weiter Kritik an Kostenübernahme für zusätzliche Tests
29. Mai 2020
Berlin – Die gesetzlich vorgesehenen Ausgleichszahlungen für die Krankenhäuser reichen nicht aus, um die Erlösausfälle und Zusatzkosten durch die COVID-19-Pandemie zu kompensieren. Dadurch hat sich
Pandemie bringt viele Krankenhäuser in wirtschaftliche Schieflage
29. Mai 2020
Berlin − Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert-Koch-Institut (RKI) rund 560 Infektionen mit SARS-CoV-2 binnen eines Tages gemeldet. Zwar hatte das RKI am frühen Freitagmorgen die
RKI meldet 560 Neuinfektionen in Deutschland
29. Mai 2020
Berlin – Politiker von Grünen und Linken fordern eine gesetzliche Grundlage für die geplante Corona-Warn-App der Bundesregierung. Ein solches Gesetz solle einen Missbrauch der App ausschließen, ihren
Grüne und Linke wollen gesetzliche Grundlage für Corona-Warn-App
29. Mai 2020
Berlin – Die Nachverfolgung der Infektionen mit SARS-CoV-2 ist für die Gesundheitsämter nach eigenen Angaben derzeit beherrschbar. Auch der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER