NewsPolitikKrankenhausverband sieht viele Löcher im Corona-Schutzschirm
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Krankenhausverband sieht viele Löcher im Corona-Schutzschirm

Dienstag, 31. März 2020

/upixa, stockadobecom

Berlin – Der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD) hat den Schutz­schirm der Bundesregierung für die Krankenhäuser in der Corona-Pandemie kritisiert. Der Schirm sei „voller Löcher“ und lasse die die Krankenhäuser im Gewitter der Coronakrise ohne wirklich wirksame Unterstützung im Regen stehen.

Im COVID-19-Krankenhausentlastungsgesetz, das Bundestag und Bundesrat in der ver­gangenen Woche verabschiedet haben, sind zahlreiche Maßnahme vorgesehen, die den Krankenhäusern Einnahmeausfälle durch die Coronakrise refinanzieren sollen.

Anzeige

In dem Gesetz heiße es, die Bundesregierung stelle durch gesetzliche Maßnahmen zügig sicher, dass die durch die Pandemie entstehenden wirtschaftlichen Folgen für die Kran­kenhäuser ausgeglichen würden und kein Krankenhaus dadurch ins Defizit komme.

„Wir müssen leider sagen, dass diese Aussagen mit dem jetzt vorliegenden Gesetz nicht im Entferntesten erfüllt werden“, kritisiert der VKD. „Wenn unsere bisher noch einigerma­ßen intakte Krankenhauslandschaft am Ende erhebliche Lücken aufweisen wird, sollte die Öffentlichkeit wissen, warum das so ist.“

Erlöseinbruch von drei Milliarden Euro pro Monat

Der VKD nennt vor allem drei Gründe. So hätten die Krankenhäuser auf Bitten der Bun­des­regierung unverzüglich planbare Eingriffe verschoben, um Betten für die Behandlung von COVID-19-Patienten freizumachen. „Aus der Praxis wird aktuell ein Rückgang um durchschnittlich 35 Prozent berichtet“, erklärt der VKD.

„Bei einem Umsatzvolumen der Branche von rund 100 Milliarden Euro ist dies ein poli­tisch veranlasster Erlöseinbruch gegenüber dem Vorjahr von rund drei Milliarden Euro pro Monat, der bei einer Entwicklung ab Mitte März bis Ende September auf rund 20 Milliarden Euro anwächst.“

Im Krankenhausentlastungsgesetz ständen zwar durchaus erhebliche Summen, die aber bei genauer Betrachtung an die schon jetzt absehbaren Erlöseinbrüche in dieser Höhe und die zusätzlichen Kosten bei Weitem nicht heranreichten.

Nicht ausreichend sei zudem die Refinanzierung der Ausgaben für zusätzlich bereitge­stellte Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeit. „Obwohl dem Bundesministerium für Gesundheit bekannt war, dass ein funktionsfähiger Beatmungsplatz Selbstkosten von 85.000 Euro pro Platz erfordert, wurden zunächst 30.000 Euro angeboten“, schreibt der VKD. „Nach flächendeckenden Protesten wurden in die Überarbeitung des Gesetz­entwurfs 50.000 Euro aufgenommen.“ Auch das reiche jedoch nicht aus.

„Das Gesetz ist ein Trojanisches Pferd“

Wie unter anderem auch die 1. Vorsitzende des Marburger Bundes, Susanne Johna, hätte der VKD ein „Garantiebudget auf Basis des Budgets 2019“ als Lösung bevorzugt. Denn ein Schutzschirm sei nicht eine kleinteilige, bürokratische Vermessung der drohenden Versor­gungskrise.

„Dieses Gesetz ist aus Sicht der Praxis kein Schutzschirm, sondern ein Trojanisches Pferd“, kritisiert VKD-Präsident Josef Düllings. „Man kann ja Verständnis dafür haben, dass in die­sen Zeiten vieles mit heißer Nadel gestrickt werden muss. Aber man wird den Eindruck nicht los, dass das Ziel einer kalten Strukturbereinigung auch in der Krise weiterverfolgt wird.“ © fos/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

3. Juni 2020
Berlin – In einer überarbeiteten Fassung seiner Studie zur Infektiosität von Kindern in der Coronakrise hält das Forscherteam um den Berliner Virologen Christian Drosten an seiner grundlegenden
SARS-CoV-2: Drosten bleibt bei Aussagen zur Ansteckungsgefahr durch Kinder
3. Juni 2020
Erfurt – Auf dem Weg zu mehr Lockerungen von Anti-Corona-Maßnahmen löst Thüringen wie angekündigt seinen zentralen Krisenstab unter Leitung des Innenministeriums auf. Die Koordinierung der Maßnahmen
Thüringens Ge­sund­heits­mi­nis­terium übernimmt Krisensteuerung
3. Juni 2020
Berlin – Die vier Justizminister der Grünen in den Bundesländern bestehen darauf, den Einsatz der geplanten Corona-Warn-App per Gesetz zu regeln. So müsse sichergestellt werden, dass die App lediglich
Grüne Justizminister beharren auf Gesetz für Corona-Warn-App
3. Juni 2020
Berlin – In Berlin gibt es wieder mehr neue Infektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2. Gestern wurden 6.873 bestätigte Fälle registriert, das sind 35 mehr als am Vortag und 23 mehr als am Tag davor,
Kalayci sieht Negativtrend bei Coronainfektionen
3. Juni 2020
Berlin – Die Bundesregierung hat die Aufhebung der weltweiten Reisewarnung für 29 europäische Länder ab dem 15. Juni beschlossen. Das sagte Bundesaußenminister Heiko Maas heute nach einer
Reisewarnung wird für 29 europäische Länder aufgehoben
3. Juni 2020
Göttingen – Wegen eines Ausbruchs von SARS-CoV-2 nach dem Zuckerfest will die Stadt Göttingen alle Bewohner einer Wohnanlage auf das Virus testen lassen. Das seien bis zu 700 Personen, hatte
Göttingen bereitet Hunderte SARS-CoV-2-Tests in Wohnanlage vor
2. Juni 2020
Berlin – Die Zahl der COVID-19-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung ist über die vergangenen Wochen in Deutschland deutlich zurückgegangen. Laut DIVI-Intensivregister wurden Stand heute 689
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER