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Ärzteschaft

Testkapazitäten der Labore reichen aus

Dienstag, 31. März 2020

/picture alliance, Daniel Bockwoldt

Berlin − Bei Einhaltung der Richtlinien des Robert-Koch-Instituts (RKI) für die Testung auf SARS-CoV-2 werden die Testkapazitäten der Labore in Deutschland auch künftig ausrei­chen. Dies betonten Vorstandsmitglieder der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) heute auf einer Web-Pressekonferenz.

Der fachärztliche Berufsverband ALM hat 200 Mitgliedslaboratorien, die rund 80 Prozent der deutschen Laborkapazitäten für die Medizin stellen. Erforderlich für ausreichende Testungen sei aber auch, dass die Lieferkette seitens der Hersteller für Testreagenzien und Laborverbrauchsmaterial funktioniere, betonte ALM-Vorstand Evangelos Kotsopou­los.

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Da die entsprechenden Unternehmen ihre Produktion aber ebenfalls nach oben fahren würden, sehe er hier vorerst keine drohenden Engpässe. Er wies aber darauf hin, dass es nicht nur auf die materiellen Ressourcen der Labore ankomme, es gehe auch um die Res­source Mensch: „Unsere Fachkräfte im Labor arbeiten momentan schon im Dreischichtbe­trieb – und sie haben mit den gleichen Herausforderungen zu kämpfen, wie wir alle.“

Zahl der Tests steigt wöchentlich

Seit Anfang März führt der ALM eine Datenerhebung zu den in 97 teilnehmenden Labo­ren durchgeführten Tests auf SARS-CoV-2 durch. Diese Analyse stelle einen großen Teil der SARS-CoV-2-Labordiagnostik in Deutschland dar und werde mit weiteren Daten im RKI zu einem repräsentativen Gesamtbild zusammengeführt, erklärte Michael Müller, 1. Vorsitzender des ALM.

Insgesamt sind seit Beginn der Erhebung in den beteiligten Laboren rund 723.000 Tests durchgeführt worden. Die Zahl der durchgeführten Tests steigt der Erhebung zufolge Woche für Woche an – lag die Zahl in Kalenderwoche (KW) 10 noch knapp über 36.000, weist die Analyse für KW 13 bereits 314.000 Tests aus.

Gleiches gilt für die Rate der Tests, die positiv ausfallen – sie stieg von 5,2 Prozent in KW 11 auf 8,9 Prozent in KW 13.Die Testkapazität für die laufende Woche liegt laut ALM mit rund 93.000 Tests pro Tag nochmals höher als in der Vorwoche. „Das zeigt, dass die La­bore ihre Kapazitäten weiter erhöht haben“, betonte Müller.

Noch keine Immunitätsbescheinigung durch Antikörper-Test möglich

Große Hoffnung liegt derzeit auch auf neuen Antikörper-Tests, die anzeigen könnten, ob eine Person bereits immun gegen SARS-CoV-2 ist. Das ist allerdings derzeit noch Zu­kunfts­musik, wie Jan Kramer, Facharzt für Laboratoriumsmedizin und Innere Medizin und Vorstand im ALM klar stellte.

„Es gibt bisher keine belastbaren Daten, ob ein Antikörper-Nachweis mit sicherer Immu­ni­tät gleichzusetzen ist und wie lange dann Immunität bestehen würde”, sagte er. Daher sei dringend davon abzuraten, alleine aufgrund eines Antikörpernachweises auf die em­pfohlenen Schutzmaßnahmen im Umgang mit möglichen oder gesicherten COVID-19-Patienten zu verzichten.

Die Antikörpertestung, so Kramer, könnte aber eine wichtige Säule für die zweite Phase der Coronakrise werden: „Antikörper-Testungen können bei Patienten, die aufgrund schon länger bestehender Symptome in der PCR aus Nasen-Rachen-Abstrich bereits negativ getestet wurden, Infektionen im Nachhinein nachweisen. Auch zur Aufklärung von Infektionsketten können Antikörper-Tests im medizinischen Labor beitragen.“

Diese offenen Punkte sollen nun im klinischen Einsatz in Zusammenarbeit mit verschie­de­nen Herstellern und wissenschaftlichen Einrichtungen geklärt werden und dann in offiziellen Empfehlungen resultieren. Vom Einsatz von Antikörper-Schnelltests in der Arztpraxis sei bis dahin auf jeden Fall noch abzuraten.

Vom Berufsverband Deutscher Laborärzte (BDL) hieß es heute, dass für großflächige Co­ronavirus-Tests in der Bevölkerung momentan keine Möglichkeiten bestehen. „Die wün­schenswerte „flä­chendeckende“ Testung ist derzeit illusorisch“, sagte der BDL-Vorsitzende Andreas Bob­rowski.

Die Testmaterialien wie Entnahmesets und Reagenzien für die Labore würden von Tag zu Tag knapper. Auch die Lieferzeiten der ebenfalls erforderlichen PCR-Geräte seien derzeit extrem lang. Bei PCR-Tests werden Abstriche aus Nase oder Rachen genommen und im Labor mit Hilfe dieser Geräte auf Viren-Erbgut untersucht.

Tests müssten derzeit nach medizinischen Notwendigkeiten priorisiert werden, wozu das Robert-Koch-Institut Kriterien erarbeitet habe, sagte Bobrowski. Damit Haus- und Fach­ärzte weiterhin diese „wichtige medizinische Priorisierung“ durchführen und gezielt Hilfe leisten könnten, brauche es ausreichend Schutzkleidung und Atemschutzmasken für die Mediziner, sagte der BDL-Vorsitzende.

Wer getestet wird, entscheiden im Moment Krankenhäuser und Ärzte selbst. Nach Angaben von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) liegt die Kapazität in Deutschland zur Zeit bei rund 300.000 bis 500.000 Tests pro Woche. © nec/dpa/aerzteblatt.de

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