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Hackathon fördert digitale Lösungen für Krisenzeiten

Mittwoch, 1. April 2020

/natali_mis, stock.adobe.com

Berlin – Der Hackathon #WirVsVirus hat nach acht Tagen seine Gewinner gekürt. Aus rund 1.500 Projekten wurden diese Woche die 20 Besten ausgezeichnet. Sie sollen nun in ihrer Weiterentwicklung unterstützt werden – sowohl von den Organisatoren als auch von der Bundesregierung. Unter den Siegern waren neben vielen zivilen solidarischen Ideen auch sieben konkrete Lösungen für die Gesundheitsversorgung.

Die vorgestellten Webanwendungen „sichertest.de“ und „Digitales Wartezimmer“ ähneln sich in ihrem Ansatz. Beide bieten digitale Buchungssysteme für COVID-19 Testzentren, um überfüllte Wartezimmer zu verhindern und die Testzeit vor Ort zu verkürzen. Zunächst sollen vorab Fragen beantwortet werden, um die Notwendigkeit für einen Test einzu­schät­zen und symptombasierte Risikogruppen zu bilden.

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Auf „sichertest.de“ findet die Voranmeldung im Testzentrum per App, Telefon oder über den Browser statt. Patienten werden dann von dem Programm gleichmäßig auf nahegele­gene Zentren verteilt.

Die mobile App „Digitales Wartezimmer“ vergibt entweder bei hoher Notwendigkeit di­rekt einen Termin oder stellt eine Wartenummer aus. Je nach Risikogruppe, Symptomen und Auslastung der Testzentren nahe dem Wohnort erhalten Benutzerinnen und Benutzer dann eine Benachrichtigung über ihren Termin.

Verstaubte Materialspenden

Ob aus dem verstaubten Lager oder aus Staubkörnern 3D gedruckt – zwei weitere Sieger­projekte versuchen, den Mangel an Schutzausrüstung zu beheben. „RemedyMatch“ ist eine Plattform zur dezentralen Verteilung von Materialspenden. Potenzielle Spender, die beispielsweise Handschuhe in ihrem Firmenlager haben, kommen so mit Menschen aus Medizinberufen in Kontakt, die die Spende gebrauchen können. Jeder kann sich melden, denn auch für den Transport vom Spender zum Empfänger setzt man auf Freiwillige.

Inzwischen stehen in vielen privaten Kellern und Firmen auch 3D-Drucker. Deren Besitzer sind oft gut vernetzt und experimentierfreudig. Sie sind die Zielgruppe von „Print4Life“. Auf der Plattform können Gesundheitseinrichtungen ihren Bedarf an 3D-druckbarer Schutz­­­aus­rüstung melden. Diese Aufträge können dann von Besitzern eines 3D-Druckers angenommen und ausgeführt werden.

Kommunikation verbessern und entlasten

„IRIS“ ist ein Prototyp-Kommunikationstool für alle Gesundheitsberufe. Zur Registrierung benötigt es einen Heilberuflerausweis. Damit sollen Angehörige verschiedener Fachrich­tungen schnell untereinander kommunizieren können. Aber auch öffentliche Stellen be­kämen so ein direktes Sprachrohr für wichtige Informationen.

Die Entlastung der 116117 Hotline hat sich das Team von „coronav“ zum Ziel gesetzt. An­gelehnt an bestehende Apps, zum Beispiel von der Charite, wollen sie eine Leitstelle an­bieten – anders als bisherige Apps jedoch bundesweit und in einfacher Sprache. Nutzer ohne Symptome sollen sich selbstständig zuhause isolieren, andere werden an regionale Notfallnummern der Gesundheitsämter weitergeleitet.

Für die Kommunikation mit Menschen, die in Pflegeeinrichtungen wohnen, wurde die App „Videobesuch“ programmiert. Sie soll auch für technisch nicht selbstständige sowie audio-visuell eingeschränkte Personen nutzbar sein. Es benötigt lediglich einer einmali­gen Einrichtung durch das Pflegepersonal und eines Tablets, das in einem Gemein­schafts­raum aufgestellt wird.

Das Personal kann digitale Besuchszeiten festlegen und erhält einen Link, der mit Ange­hö­rigen geteilt wird. Diese tragen sich für einen Videobesuchstermin ein und können per Videoanruf auch beispielsweise die Enkelin in einer anderen Stadt zuschalten. Der Video­besuch startet dann automatisch zur verabredeten Zeit.

Code mit gesellschaftlichem Mehrwert

Mehr als 600 Mentoren sowie fachlich versierte Experten aus verschiedenen Bereichen haben sich seit der vergangenen Woche durch die eingereichten Projekte gearbeitet. Da­bei galt ein Zehn-Augen-Prinzip – jede Idee wurde also von mindestens fünf Personen gesichtet und bewertet. Es entstand eine Auswahl von fast 200 Konzepten, die in sechs unterschiedlichen Kategorien ausgezeichnet werden konnten.

Die jeweilige Jury für die Kategorien setzte sich aus 48 Experten aus Wirt­schaft und Poli­tik zusammen. Darunter in den zwei medizinischen Kategorien ein Internist, ein Vertreter der EU-Kommission, ein Abteilungsleiter des BMBF sowie Führungskräfte aus der Wirt­schaft.

Die Auswahlkriterien umfassten unter anderem den gesellschaftlichen Mehrwert, den Grad an Innovation und Kreativität, die Skalierbarkeit und die Verständlichkeit der Idee. Besonders Open Source Lösungen wurden gerne gesehen. Das bedeutet, dass der programmierte Code für alle einseh- und überprüfbar auf der Internetplattform GitHub veröffentlicht wurde.

Die 20 ausgewählten Projekte erhalten nun direkten Zugang zum sogenannten „Solucion Enabler“, einem Förderprogramm für 100 bis 150 Projektgruppen. Hierfür können sich auch andere Teams bis zum 2. April 2020 bewerben. Das Förderprogramm ist offen für alle Projekte des Hackathons sowie für externe Gruppen.

Gefördert wird hauptsächlich ideell durch systematische Vernetzung und Beratungen durch mehr als 1.000 Experten. Monetäre Unterstützung war zu Beginn des Hackathons nicht vorgesehen. Nun arbeiten die Initiatoren jedoch daran, an notwendigen Stellen Lebens­erhaltungs- und Umsetzungkosten für geförderte Teams finanzieren zu können. Auch sollen Projekte bei Crowdfundingkampagnen unterstützt werden.

Der größte Hackathon aller Zeiten

Laut Angaben der Initiatoren war es der mit Abstand größte Hackathon weltweit – mit mehr als 28.000 Teilnehmenden. Organisiert wurde er von Tech4Germany, Code for Ger­many, Impact Hub Berlin, ProjectTogether, SEND, Initiative D21 und dem Prototype Fund.

Sie erhielten Unterstützung von vielen tausend Freiwilligen und aus der Politik. Digital­mi­nisterin Dorothea Beer (CSU) und Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) waren Schirmherren der Veranstaltung. © jff/aerzteblatt.de

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