NewsPolitikHeinsberg-Studie zur Klärung von Ansteckungswegen beginnt
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Heinsberg-Studie zur Klärung von Ansteckungswegen beginnt

Dienstag, 31. März 2020

Stephan Pusch (re., CDU), Landrat des Kreis Heinsberg, Hendrik Streeck, Direktor am Institut für Virologie im Universitätsklinikum Bonn, und Ricarda Schmithausen, Oberärztin im Fachbereich One Health im Institut für Hygiene und öffentliche Gesundheit der Universitätsklinik Bonn. /picture alliance, Jonas Güttler

Heinsberg – „Wir sind der übrigen Bundesrepublik zwei Wochen voraus“. Das hat heute der Landrat des Landkreises Heinsberg, Stephan Pusch, bei der heutigen Pressekonferenz zum Start einer sero-epidemiologischen Studie betont, die erste belastbare Daten zur Verbreitung des SARS-CoV-2 Virus generieren soll.

In der „COVID-19 Case-Cluster-Study“ geht es unter anderem darum, die Dunkelziffer der inzwischen mit SARS-CoV-2-Infizierten und derjenigen, die bereits eine Infektion durch­ge­macht haben, genauer zu bestimmen. Denn derzeit weiß man noch nicht viel darüber, welche Verhaltensweisen innerhalb und außerhalb von Haushalten und Lebensgemein­schaften zu einer stärkeren Durchseuchung führen, aber auch nicht, welche eher vor Übertragung schützen.

Anzeige

Eine möglichst exakte Bestimmung der Durchseuchungsrate ist deswegen wichtig, weil man davon ausgehen kann, dass bei einem Durchseuchungsgrad von 60 bis 70 Prozent Infizi­erten in einer Population die Verbreitung von selbst verlangsamt ist oder gar ganz stoppt, da das Virus keine weiteren Überträger mehr findet.

Für diese Studie wurden 1.000 Personen aus der Gemeinde Gangelt im Kreis Heinsberg ausgewählt, an denen Datensätze mithilfe von 40 Medizinstudierenden der Universitäts­medizin Bonn erhoben werden. Dies sei in puncto Alter, Geschlecht, beruflicher Tätigkeit und Ausländeranteil eine repräsentative Stichprobe, erläuterte Hendrick Streeck, Direktor des Institutes für Virologie an der Universitätsklinik Bonn, auf der Pressekonferenz.

„Sie erheben Daten per Fragebogen, machen Abstriche, sammeln Spucke ein und nehmen eine Blutprobe“, erläuterte der Virologe. Dies erlaube es, per Abstrich die aktuell Infizier­ten zu ermitteln und im Blut nach Antikörpern zu fahnden. Bereits bestätigte Fälle, dieje­ni­gen, die in der Familie zusammen in Quarantäne leben und andere Alltagskonstellati­o­nen werden abgefragt.

„Wer hat sich nicht infiziert und warum“ Hendrick Streeck, Virologe

Der Kreis Heinsberg bildet quasi das bundesweite Infektionsgeschehen in der Nussschale ab – und dies mit einem Vorlauf von etwa 14 Tagen. Es lässt sich exakt sagen, dass dort die Verbreitung mit einer Karnevalsfeier vom 14. auf den 15. Februar begonnen hat.

Die erhobenen Daten sollen die vollständige Belastung des Kreises Heinsberg mit SARS-CoV-2 abbilden. Man wolle wissen, wer sich aus welchen Gründen wie infiziert hat, aber insbesondere wolle man auch wissen: „Wer hat sich nicht infiziert und warum“, formulier­te Streeck das Ziel der Studie.

Geklärt werden soll im Detail, ob und wie sich das SARS-CoV-2-Virus über die Luft, über Oberflächen, Gegenstände des täglichen Bedarfs, Lebensmittel, Wasser und gemeinsame Nutzung sanitärer Anlagen überträgt. Viele Menschen fragten sich derzeit, ob sie inner­halb der Familie etwa noch gemeinsame Türklinken anfassen dürfen, ihr Handy weiterge­ben könnten, was man noch gemeinsam essen dürfe. Das seien unter anderem die Fra­gen, auf die man Antworten erhalten wolle, so Streeck.

Darüber hinaus werden die Probanden bezüglich ihrer Vorerkrankungen und vorheriger Aktivitäten (Reisen, Tierkontakte, etc.) befragt. Ziel ist es, so bald wie möglich präzisere Präventionsempfehlungen als bisher aussprechen zu können. Insgesamt ist die Phase der Datenerhebung auf vier Wochen angelegt. Bereits Ende nächster Woche rechnen die Bonner Wissenschaftler mit ersten belastbaren Ergebnissen, die dann im weiteren Verlauf sukzessive ergänzt werden sollen.

Wichtige Pilotdaten

Wenn dann zu Ostern über politische Maßnahmen wie die Aufrechterhaltung der Kon­takt­­sperren oder womöglich deren Lockerung neu entschieden werden müsse, stünden die Daten zu den Ausbreitungswegen genau rechtzeitig zur Verfügung, betonte Landrat Pusch. Damit lieferte die Heinsberger Gemeinde wichtige Pilotdaten, denn auch aus Chi­na oder anderen Ländern stehen aus einer solchen Konstellation bisher keine wissen­schaftlichen Daten zur Verfügung.

Aus diesem Grund wundere es ihn auch, erklärte Streeck, dass das Robert-Koch-Institut diese Studie nicht schon früher initiiert habe und es freue ihn umso mehr, dass nun die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen sich entschlossen habe, das Vorhaben zu fi­nan­zieren.

Zusätzlich gebe es kleine, assoziierte Studien in Zusammenarbeit mit Hygieneexperten, die sich die Ansteckungswege in Alten- und Pflegeheimen, in Krankenhäusern und in Kindergärten genau anschauen wollten. Hier ginge es zum einen darum zu klären, wie viel Kinder zu der Ausbreitung betrügen. Zum anderen sei es entscheidend, in Bezug auf die vulnerablen Gruppen – eben die Alten und Kranken – zu verstehen, wie man diese besser schützen könne. © mls/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
LNS LNS LNS
Anzeige

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER