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Ärzteschaft

Keine Hinweise für fetale Schäden nach versehentlicher Rötelnimpfung in der Schwangerschaft

Dienstag, 31. März 2020

/Tobias Arhelger, stock.adobe.com

Berlin – Eine versehentliche Rötelnimpfung kurz vor der Empfängnis oder in der Früh­­schwangerschaft hat in Studien bislang nicht zu einer Rötelnembryopathie (CRS, conge­nital rubella syndrome) geführt. Eine transplazentare Infektion (congenital rubella infec­tion, CRI) ohne klinische Relevanz durch das Impfvirus kann jedoch beim Neugeborenen vorkommen. Das berichten Wissenschaftler des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) im Bulletin zur Arzneimittelsicherheit.

Eine Rötelinfektion ist in der Schwangerschaft bekanntlich hochgefährlich: Das Risiko der Übertragung einer Infektion mit dem Wildvirus auf den Fötus beträgt in den ersten 10 Schwangerschaftswochen bis zu 90 % – bei nicht immunen Schwangeren. Zu den Merk­ma­len eines dann drohenden CRS gehören ein- oder beidseitige Taubheit, Herz­vitien und Katarakt. Des Weiteren können Hepatosplenomegalie und Lernschwierigkeiten auftreten.

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Vor Einführung von Rötelnimpfstoffen in den späten 1960er-Jahren lag die CRS-Inzidenz laut den Autoren des Beitrags zwischen 10 und 400 pro 100.000 Lebendgeburten. Auf­grund von Schwankungen in der Impfquote beziehungsweise fehlenden Impfempfehlun­gen zirkuliert das Rötelnvirus noch immer in vielen Regionen der Welt, sodass weiterhin Fälle von CRS gemeldet werden.

Aufgrund des gut dokumentierten Risikos von Infektionen mit dem Rötelnwildvirus für CRS und weil das Impfvirus bekanntermaßen die Plazenta passiert, ist die Rötelnimpfung während der Schwangerschaft kontraindiziert. Es wird empfohlen, nach einer Röteln­im­pfung vorsorglich 1 Monat lang nicht schwanger zu werden.

„Bislang gibt es jedoch keine Hinweise auf eine Schädigung des Fötus durch das Röteln­impfvirus und eine versehentliche Verabreichung im Monat vor Empfängnis oder in der Frühschwangerschaft gilt nicht als Indikation für einen Schwangerschaftsabbruch“, be­richten die Autoren.

In einer Metaanalyse haben sie jetzt das verfügbare Wissen zur Rötelnimpfung kurz vor der Empfängnis oder in der Frühschwangerschaft zusammengestellt. Sie haben dabei nicht nur randomisierte kontrollierte Studien berücksichtigt, sondern auch Beob­ach­tungs­studien bis hin zu Fallserien und Einzelfallberichten. Insgesamt wurden 42 Studien in die Analyse einbezogen.

In keiner Studie wurde ein Fall eines bestätigten CRS identifiziert. Basierend auf der An­zahl von nicht gegen Röteln immunisierten Frauen, die den lebend attenuierten Röteln­impfstoff kurz vor der Empfängnis oder in der Frühschwangerschaft erhalten hatten, schätzen die Epidemiologen das maximale theoretische Risiko für ein CRS rechnerisch auf 0,099 Prozent.

„Es gibt keine Hinweise darauf, dass die kongenitale Rötelnembryopathie (CRS) durch rö­telnhaltige Impfstoffe verursacht wird“, ziehen sie ein Fazit. Die Daten bestätigten frühere Empfehlungen, dass eine versehentliche Impfung während der Schwangerschaft keine In­dikation für einen Schwangerschaftsabbruch sei.

„Das kongenitale Rötelnsyndrom wird durch die Impfung wirksam verhindert, sodass das Nutzen-Risiko-Verhältnis eindeutig zugunsten der Impfung ausfällt“, so die Autoren. © hil/aerzteblatt.de

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