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Ausland

Russland schickt Flugzeug mit Coronahilfe in die USA

Mittwoch, 1. April 2020

Vereinbarten Hilfe: Russlands Präsident Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump. /picture alliance, Susan Walsh, AP

Moskau – Russland hat wegen der dramatischen Lage in den USA dorthin Hilfe im Kampf gegen die Corona-Pandemie geschickt. In der Nacht sei ein Flugzeug gestartet, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. An Bord der Militärmaschine sind demnach me­di­zinische Ausrüstung und Schutzmasken. Das Ministerium veröffentlichte ein Video, das die beladene Maschine und ihren Start von einem Flugplatz in der Nähe der Hauptstadt Moskau zeigt.

Kremlchef Wladimir Putin und sein US-Kollege Donald Trump hatten diese Hilfe vorges­tern am Telefon vereinbart. Ein Kremlsprecher hatte die Vorbereitungen für den Flug bestätigt und gemeint, angesichts der schwierigen Lage in den USA gebe es keine Alter­nativen zum gemeinschaftlichen Handeln. Die Beziehungen zwischen Moskau und Wa­shington sind seit Jahren angespannt.

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Russland hat bereits Italien mit Schutzausrüstungen, mobilen Versorgungsstationen und Mitteln für Desinfektionen geholfen. „From Russia with Love“ stand auf den russischen Flug- und Fahrzeugen. Das Hilfsangebot war angesichts der politischen Spannungen zwi­schen Moskau und dem Westen eine kleine Sensation.

In den USA spitzt sich die Coronakrise weiter zu. Dort gibt es inzwischen mehr bestätigte Fälle als in jedem anderen Land der Welt. Heute morgen lag die Zahl der bestätigten In­fektionen nach Angaben der John-Hopkins-Universität bei fast 190.000, die Zahl der To­ten bei mehr als 4.000. In Russland sind vergleichsweise wenige Infektionen bekannt geworden.

46 weitere Tote wegen Corona in der Türkei

In der Türkei spitzt sich die Lage ebenfalls zu. Binnen Tagesfrist sind weitere 46 Men­schen verstorben, wie Ge­sund­heits­mi­nis­ter Fahrettin Koca über Twitter bekanntgab. Da­mit stieg die Gesamtzahl der offiziell erfassten Todesopfer durch die Lungenkrankheit COVID-19 in der Türkei auf 214.

Die offizielle Zahl der Infizierten lag am Abend bei 13.531 – 2.704 mehr als noch am Vortag. Bisher wurden in dem Land mit 83 Millionen Einwohnern rund 92.000 Tests durchgeführt. Die Türkei hatte am 11. März ihren ersten Coronavirus-Fall gemeldet.

Italien verlängert Ausgangsverbote bis 13. April

Italiens Regierung verlängert die strengen Ausgangsbeschränkungen für die 60 Millionen Bürger wegen der Corona-Krise bis zum 13. April. Das kündigte der italienische Gesund­heitsminister Roberto Speranza am Mittwoch in Rom im Senat an.

Diese Verlängerung hatte die Regierung bereits Anfang der Woche in Aussicht gestellt. Seit 10. März dürfen sich die Menschen im Land nicht mehr frei bewegen. Schulen sind zu, viele Fabriken ebenfalls. Die Beschränkungen galten bisher bis 3. April.

Italien ist das am schwersten in Europa von der COVID-19-Krankheit betroffene Land. Die Zahl der Menschen, die positiv auf das Virus SARS-CoV-2 getestet wurden, liegt über 105.000, mehr als 12.000 Menschen sind gestorben.

Mediziner klagen gegen Pariser Regierung

In Frankreich steht der Umgang der Regierung mit der Pandemie in der Kritik. Ärztever­bände, Infizierte oder andere Betroffene haben beim Gerichtshof der Republik Klage ge­gen die Regierung eingereicht, wie französische Medien übereinstimmend berichteten.

Eine Online-Petition, die die Klage der Ärztevertretung C-19 unterstützt, wurde bis heute mehr als 366.000 Mal unterzeichnet. Das Kollektiv, das Hunderte Mediziner vertritt, wirft Premierminister Édouard Philippe und der ehemaligen Ge­sund­heits­mi­nis­terin Agnès Buzyn vor, viel zu spät auf die Pandemie reagiert zu haben.

Der Gerichtshof der Republik ist als einzige Institution in Frankreich in der Lage, Minister für Handlungen zu verurteilen, die in Ausübung ihres Amtes begangen wurden. Das Kollektiv ist der Ansicht, dass die Regierung sich nicht rechtzeitig um Schutzmasken oder ausreichend Tests gekümmert hat.

„Die Idee ist, Druck auf die Regierung auszuüben“, sagte der Psychologe Lucien Cavelier aus Marseille der Zeitung La Provence. Er ist Mitglied von C-19 und hat die Online-Peti­tion kurz nach Einreichung der Klage vor rund anderthalb Wochen gestartet.

In Frankreich sorgt vor allem für Unverständnis, dass am 15. März die erste Runde der Kommunalwahlen stattfand und Millionen von Bürgern zur Stimmabgabe aufgerufen worden waren.

Auch ein Interview der früheren Ge­sund­heits­mi­nis­terin Agnès Buzyn in der Zeitung Le Monde erregte Aufsehen. Darin erklärte sie, die Mitte-Regierung von Premier Philippe bereits frühzeitig vor der Ausbreitung des Virus auch mit Blick auf die Wahlen gewarnt zu haben. Sie gab dann im Februar ihren Ministerposten auf, um bei den Kommunalwahlen für den Pariser Bürgermeisterposten zu kandidieren.

Die Ärzte Philippe Naccache, Emmanuel Sarrazin und Ludovic Toro haben sich den Be­rich­ten nach im Namen von C-19 am 19. März an den Gerichtshof der Republik gewandt und werfen der Regierung vor, sich der Gefahr bewusst gewesen zu sein. In Frankreich gelten seit gut zwei Wochen strenge Ausgangsbeschränkungen im Kampf gegen das Coronavirus.

Kehrtwende vollzogen

Unterdessen hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eine Kehrtwende vollzogen. Der Pro-Europäer und Verfechter des Freihandels wirbt neuerdings für den Grundsatz „Made in France“. Der Staatschef will Frankreich wieder unabhängig von China machen – zumindest was medizinisches Material wie Schutzmasken und Beatmungsgeräte betrifft. Er reagiert damit auch auf anhaltende Kritik an seinem Krisenmanagement.

Ziel Macrons ist eine „vollständige Unabhängigkeit“ Frankreichs von China bis zum Ende dieses Jahres, wie er diese Woche beim Besuch des größten französischen Herstellers von Profi-Schutzmasken sagte, der Kolmi-Hopen-Gruppe bei Angers. Bis Ende April soll die französische Produktion von Schutzmasken nach Macrons Worten auf „mehr als zehn Millionen“ Stück pro Woche ausgeweitet werden – rund dreimal so viele wie vor der Corona-Krise. Auch die heimische Produktion dringend benötigter Beatmungsgeräte für Lungenkranke soll angekurbelt werden.

Das Ausmaß des Problems zeigt eine andere Zahl: Rund 40 Millionen Profi-Masken pro Woche brauchen alleine das französische Gesundheitspersonal sowie Pflegekräfte in Altenheimen, wie der Elysée-Palast schätzt. Frankreich hat deswegen in der Corona-Krise eine Milliarde Atemschutzmasken aus China bestellt. Zwölf Millionen dieser Masken sollten am Mittwoch mit Hilfe einer „Luftbrücke“ aus der Volksrepublik eintreffen.

Viele Tote, trotzdem gute Signale aus Spanien

Ungeachtet eines Rekordwerts bei der Zahl der Corona-Toten in Spanien sprechen die dortigen Gesundheitsbehörden von „sehr guten Nachrichten“. Binnen 24 Stunden seien 864 neue Todesfälle gezählt worden, so viele wie noch nie an einem einzigen Tag, teilte das Ge­sund­heits­mi­nis­terium in Madrid mit.

„Wir stellen aber fest, dass der Druck auf Krankenhäuser und Intensivstationen nachlässt, das sind sehr gute Nachrichten“, sagte die Sprecherin der Behörde für Gesundheitliche Notfälle (CCAES), María José Sierra. Seit dem 15. März bekämpft Spanien die Krise mit einer strengen Ausgangssperre.

Heute war bereits der fünfte Tag in Folge mit mehr als 800 Toten. Die Gesamtzahl der Todesopfer kletterte damit auf 9.053. Zudem durchbrach die Zahl der Infektionen die Marke der 100.000. Es gab hier einen Anstieg um 8.000 auf gut 102.000.

Gleichzeitig wurden knapp 3.500 Patienten, die wegen einer Infektion mit dem Virus SARS-CoV-2 an COVID-19 erkrankt waren, innerhalb eines Tages als geheilt entlassen. Von den bisher mehr als 51.000 Infizierten, die in Spanien in Krankenhäusern behandelt werden mussten, sind damit bereits mehr als 22.500 Menschen wieder gesund. © afp/dpa/kna/aerzteblatt.de

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