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Medizin

Luftverschmutzung fördert Demenzen durch Herz-Kreis­lauf-Erkrankungen

Donnerstag, 23. April 2020

Feinstaub in Neu Delhi /dpa

Stockholm − Eine erhöhte Konzentration von Feinstaub und Stickoxiden in der Außenluft hat in einem Stockholmer Stadtteil das Risiko älterer Menschen erhöht, an einer Demenz zu erkranken. Besonders gefährdet waren laut der Studie in JAMA Neurology (2020; DOI: 10.1001/jamaneurol.2019.4914) Senioren mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Vorgeschichte. Das Risiko war bereits bei einer Belastung der Luft unter den geltenden Grenzwerten erhöht.

Eine Reihe von Studien hat in den letzten Jahren gezeigt, dass Luftschadstoffe das Risiko auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Da den Erkrankungen meist eine Atherosklerose zugrunde liegt und diese im zerebralen Kreislauf das Risiko von Demenzerkrankungen erhöht, haben Forscher des Karolinska Instituts in Stockholm den Einfluss der Luftverschmutzung auf Demenzerkrankungen im Alter untersucht.

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Grundlage waren die Daten der „SNAC-K“-Studie, die ältere Bewohner des Stockholmer Stadtteils Kungsholmen beobachtet. Von den 2.927 Teilnehmern, die zu Beginn der Studie im Alter von im Durchschnitt 74 Jahren noch gesund waren, sind in den folgenden fünf Jahren 364 an einer Demenz erkrankt. Die Erkrankungswahrscheinlichkeit stieg mit der Feinstaub- und Stickoxidkonzentration an.

Giulia Grande und Mitarbeiter ermitteln für einen Anstieg des Feinstaubs (PM2,5) um 0,88 µg/m3 eine Zunahme der Demenzerkrankungen um 54 % (Hazard Ratio 1,54; 95-%-Konfidenzintervall 1,33 bis 1,78). Der Anstieg der Feinstaubkonzentration entspricht der Differenz zwischen dem 1. und 3. Quartil der Luftbelastung (Interquartilabstand). Für die Stickoxide betrug die Zunahme der Demenzerkrankungen im Interquartilabstand 14 % (Hazard Ratio 1,14; 1,01 bis 1,29).

Am meisten gefährdet waren Senioren, die unter einer Herzinsuffizienz oder unter einer ischämischen Herzerkrankung litten. Für Patienten mit Herzinsuffizienz ermittelte Grande eine Hazard Ratio von 1,93 (1,54 bis 2,43) für den Interquartilabstand des Feinstaubs und von 1,43 (1,17 bis 1,75) für den Interquartilabstand der Stickoxide. Für die ischämischen Herzerkrankungen betrugen die Hazard Ratios 1,67 (1,32 bis 2,12) und 1,36 (1,07 bis 1,71). Weitere Analysen bestätigten den Verdacht, dass das Demenzrisiko überwiegend auf kardiovaskuläre Vorerkrankungen der Senioren zurückzuführen waren.

Die Luftqualität im Stadtteil Kungsholmen ist übrigens für europäische Verhältnisse gut. Die PM2,5 beträgt weniger als 10 µg/m3 und liegt damit deutlich unter dem derzeit geltenden Grenzwert von 25 µg/m3. Dies bestätigt laut Grand die Vermutung, dass Feinstaub bereits in niedrigen Konzentrationen die Gesundheit gefährden kann. © rme/aerzteblatt.de

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Ferdinand Wolfbeißer
am Donnerstag, 23. April 2020, 18:37

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Bis es gelingt, der Verunreinigung der Atmosphäre mit Schadstoffen Herr zu werden, könne eine gezielte Anwendung von Antioxidantien Abhilfe schaffen.
LNS

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