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Medizin

Liraglutid hilft adipösen Jugendlichen beim Abnehmen

Montag, 20. April 2020

/Racle Fotodesign, stockadobecom

Minneapolis − Der GLP-1-Rezeptor-Agonist Liraglutid, der bereits bei adipösen Erwachsenen als unterstützende Maßnahme zu einer Lifestyle-Therapie zugelassen ist, hat in einer Phase-3-Studie stark adipösen Jugendlichen geholfen, ihren Body-Mass-Index zu senken, wie die jetzt im New England Journal of Medicine (2020; DOI: 10.1056/NEJMoa1916038) publizierten Ergebnisse zeigen.

Zu den Wirkungen von Liraglutid, einem Analogon eines körpereigenen Darmhormons, gehört eine Verlangsamung der Magenentleerung, was das Sättigungsgefühl nach den Mahlzeiten fördert. Der 2009 zur Behandlung des Typ-2-Diabetes zugelassene Wirkstoff kann deshalb auch zur Unterstützung einer Diät eingesetzt werden. Für Erwachsene mit einem BMI von 30 kg/m2 (beziehungsweise 27 kg/m2, wenn gewichtsbedingte Begleiterkrankungen vorliegen) ist das Mittel seit 2016 zugelassen.

Die Adipositas beginnt heute häufig bereits im Kindes- und Jugendalter. Die meisten Kinder, die vor der Pubertät adipös sind, bleiben es im Erwachsenenalter, und es ist zu befürchten, dass die kardiometabolischen Folgen (Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ- 2-Diabetes) bei ihnen frühzeitig auftreten.

Die Behandlung der Adipositas gestaltet sich im Jugendalter schwierig. Eine Lebensstil­modifikation, die die Gewichtsentwicklung normalisieren könnte, gelingt in der Regel nicht, und eine bariatrische Operation wird wegen der dauerhaften Folgen auf den Stoffwechsel meist vermieden.

Der Hersteller, der Liraglutid seit dem letzten Jahr zur Behandlung des Typ-2-Diabetes im Kindesalter einsetzen darf, hat in einer Phase-3-Studie untersuchen lassen, ob Liraglutid in diesem Alter auch eine Gewichtsreduktion erzielt.

An der Studie nahmen an 32 Zentren in 5 Ländern (ohne deutsche Beteiligung) sowie 252 Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren teil, deren Body-Mass-Index (BMI) auf das Äquivalent von 30 kg/m2 von Erwachsenen angestiegen war und die bei einer 12-wöchigen Lifestyle-Therapie keine Gewichtsreduktion erzielt hatten.

Die Patienten führten die Lifestyle-Therapie weiter fort, erhielten allerdings zusätzlich täglich eine subkutane Injektion mit Liraglutid oder Placebo. Die Liraglutid-Dosis wurde beginnend mit 0,6 mg langsam auf 3,0 mg erhöht, was bei 103 von 125 Patienten gelang (eine scheinbare Titration wurde auch in der Placebogruppe durchgeführt, bei 124 von 126 Teilnehmern mit Erfolg).

Der primäre Endpunkt war die Veränderung des BMI nach 56 Wochen. In der Placebogruppe, also unter alleiniger Lifestyletherapie, kam es erwartungsgemäß zu einer weiteren Zunahme des Körpergewichts um 2,25 kg, während die zusätzliche Behandlung mit Liraglutid das Gewicht um 2,26 kg senkte. Der Bauchumfang ging um 4,35 cm zurück gegenüber einer Zunahme um 1,42 cm in der Placebogruppe.

Beim „Standard Deviation Score“ des BMI, der Alter und Geschlecht berücksichtigt, kam es in der Liraglutidgruppe zu einem Rückgang um 0,23 Punkte oder 8,32 %, während es in der Placebo-Gruppe minimale Veränderung gab. Wie Aaron Kelly vom Center for Pediatric Obesity Medicine an der Universität von Minnesota in Minneapolis und Mitarbeiter berichten, war die Differenz von 0,22 Punkten mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,08 bis 0,37 Punkten signifikant.

Bei 51 von 113 Teilnehmern der Liraglutidgruppe (43,3 %) gegenüber 20 von 105 Teilnehmern der Placebo-Gruppe (18,7 %) kam es zu einer Verringerung des BMI um mindestens 5 %. Eine Reduktion um mindestens 10 %, die in Diätstudien als klinisch relevanter Erfolg gewertet wird, erreichten in der Liraglutidgruppe 26,1 % gegenüber 8,1 % in der Placebogruppe.

Nach dem Absetzen von Liraglutid kam es zu einem stärkeren Anstieg des Körper­gewichts, so dass die Patienten mittelfristig wieder das Gewicht der früheren Placebogruppe erreichen. Die Behandlung mit Liraglutid muss deshalb bei den meisten Patienten langfristig fortgesetzt werden, schreibt Kelly.

Die häufigsten Nebenwirkungen von Liraglutid waren Übelkeit, Erbrechen und Durchfälle. Die gastrointestinalen Nebenwirkungen traten in der Liraglutid-Gruppe bei 81 von 125 Patient auf (64,8 %) gegenüber 46 von 126 Patienten (36,5 %) in der Placebogruppe.

Sie waren die wichtigsten Anlässe zu einem vorzeitigen Abbruch der Behandlung, zu dem es in der Liraglutidgruppe bei 13 Patienten (10,4 %) kam gegenüber keinem einzigen in der Placebogruppe. In der Liraglutid-Gruppe kam es zu einem Suizid, der nach Einschätzung der Prüfärzte jedoch nicht im Zusammenhang mit der Studienbehandlung stand. © rme/aerzteblatt.de

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