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Medizin

Berichte über neurologische Komplikationen bei COVID-19

Donnerstag, 2. April 2020

/sudok1, stock.adobe.com

Wuhan, Detroit und Boca Raton/Florida − Eine Infektion mit SARS-CoV-2 kann mit schweren neurologischen Komplikationen einhergehen. In einer Fallserie aus China in medRxiv (2020; doi: 10.1101/2020.02.22.20026500) wurden bei jedem 3. Patienten neurologische Symptome gefunden. Unter den Verstorbenen hatte in einer anderen Fallserie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2020; 368: m1091) jeder 5. eine hypoxische Enzephalopathie.

Viele virale Atemwegsinfektionen gehen mit neurologischen Symptomen einher. Bei der Influenza sind Kopfschmerzen häufig das erste Anzeichen auf eine Erkrankung. Auch bei Infektionen mit den anderen Coronaviren sind neurologische Begleitsymptome bekannt.

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Dies trifft sowohl auf die harmlosen Erreger (hCoV‐229E, OC43, NL63 und HKU1) als auch auf SARS‐CoV-1 und MERS‐CoV zu. Für die Erreger von SARS und MERS ist ein Eintritt in das Gehirn experimentell belegt. Er erfolgt über die Riechnerven, über welche die Nasenhöhle mit dem Gehirn verbunden ist.

Interessanterweise gehören Riechstörungen zu den bekannten Folgen einer überstan­denen Erkrankung mit COVID-19. Ob SARS-CoV-2 das Gehirn infiziert, ist nicht bekannt. Neurologische Symptome können auch eine indirekte Folge einer Infektion sein. Dass die Infektion das zentrale Nervensystem in Mitleidenschaft zieht, steht für Huijuan Jin von der Huazhong-Universität in Wuhan jedoch außer Zweifel.

Der Neurologe hat die elektronischen Krankenakten von 214 Patienten ausgewertet, die zu Beginn der Epidemie in Wuhan wegen COVID-19 in einer Klinik der Universität behandelt wurden. Bei 78 Patienten (36,4 %) wurden neurologische Symptome bemerkt. Am häufigsten waren Schwindel (36 Patienten, 16,8 %) und Kopfschmerzen (28 Patienten, 13,1 %). Daneben kam es bei 12 Patienten (5,6 %) zu Geschmacksstörungen und bei 11 Patienten (5,1 %) zu Riechstörungen.

Die neurologischen Störungen waren bei Patienten mit schweren Symptomen von COVID-19 häufiger (45,5 %) als bei Patienten mit mildem Verlauf (30,2 %). Bei 6 Patienten (2,8 %) kam es zu einem Schlaganfall (5 ischämische Insulte und 1 Hirnblutung).

Schwere Komplikationen wurden auch häufiger bei Patienten beobachtet, die eine COVID-19-Erkrankung nicht überlebt haben. Bei 23 von 133 Verstorbenen (20 %), deren Daten ein Team um Qin Ning von der Huazhong-Universität ausgewertet hat, hatten die Ärzte vor dem Tod eine hypoxische Enzephalopathie diagnostiziert.

In einer Vergleichsgruppe von 161 Patienten, die sich von der Erkrankung erholten, war diese schwere Komplikation nur in einem einzigen Fall aufgetreten. Ning vermutet deshalb, dass die Komplikationen für den tödlichen Ausgang zumindest mitverant­wortlich waren.

Aktuell machen 2 Fallberichte aus den USA auf die Problematik aufmerksam. Die Mitarbeiterin einer Fluggesellschaft im Alter von Ende 50 hatte sich nach 3 Tagen Husten, Fieber und Verwirrtheit an eine Klinik in Detroit gewandt. Die Ärzte tippten wegen der neurologischen Symptome zunächst auf eine Grippe. Nachdem der Test negativ ausfiel, wurde auch COVID-19 in Betracht gezogen. Der Test auf SARS-CoV-2 war positiv.

Wegen der schweren neurologischen Symptome wurde eine Computertomografie (CT) und eine Magnetresonanztomografie (MRT) veranlasst. Wie der Radiologe Brent Griffith von Henry Ford Health System in Radiology (2020; doi: 10.1148/radiol.2020201187) berichtet, wurde im CT eine symmetrische bilaterale Signalabschwächung in den medialen Thalami entdeckt.

Die Darstellung von Arterien und Venen waren in einer Kontrastmitteluntersuchung unauffällig. Im MRT wurden dann jedoch Hinweise auf Einblutungen gefunden. Die Ärzte diagnostizierten eine akute nekrotisierende hämorrhagische Enzephalopathie, die als seltene Komplikation von anderen Viruserkrankungen wie etwa der Influenza bekannt ist.

Der 2. Fall betrifft einen 74-jährigen Mann, der sich mit Husten und Fieber in der Notaufnahme einer Klinik der Florida Atlantic University in Boca Raton vorgestellt hatte. Wegen der zahlreichen Vorerkrankungen (COPD, Vorhofflimmern, Schlaganfall und Morbus Parkinson) wurde zunächst keine SARS-CoV-2-Infektion vermutet. Der Patient wurde nach Hause entlassen.

Erst als er einen Tag später mit verstärkten Atemwegssymptomen sowie Kopfschmerzen und Verwirrtheit erneut in der Notfallaufnahme erschien, wurde ein Abstrich durchge­führt, der positiv ausfiel. Wegen der zunehmenden neurologischen Symptome wurde ein CT veranlasst, das keine Hinweise auf eine Enzephalopathie lieferte. Auch eine Liquor­analyse war unauffällig.

Die Diagnose einer Enzephalopathie gründet sich laut dem Bericht in Cureus (2020; 12: e7352) allein auf die Symptomatik und ein EEG, wo eine bilaterale Verlangsamung über dem linken Temporallappen beobachtet wurde, die nach Einschätzung von Asia Filatov und Mitarbeitern auf eine fokale Dysfunktion des linken Temporallappens und eine mögliche Epileptogenität hinweist.

Der Patient ist inzwischen schwer an COVID-19 erkrankt mit einer nach Einschätzung der Ärzte ungünstigen Prognose. Die Mediziner raten bei Patienten mit zentralnervösen Symptomen, frühzeitig an die Möglichkeit einer SARS-CoV-2-Infektion zu denken. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #819847
Chris1991
am Samstag, 4. April 2020, 13:07

Chris1991

Alles psychisch oder was? Corona, Viren ...
Was hatte man den vermutet, woher all die psychisch Kranken kommen? Wir haben Herpes, Varizella Zoster, Toxoplasma Gondii, gut wäre generell bei psychischen Erkrankungen LTT Tests zu machen. Dann würden die meisten wohl gesund werden statt in der Psychiatrie behandelt zu werden. Gesprächstherapie gegen Viren? Was soll das bringen?
Avatar #766533
Hanibaal Dib
am Samstag, 4. April 2020, 07:28

Kommentar verständlich, aber...

dass bei einer respiratorischen Erkrankung eine post mortem festgestellte hypoxische Enzephalopathie kein starkes Argument für neurologische Komplikationen ist, stimmt. Trotzdem darf man dabei nicht die sich verhärtenden Hinweise außer Acht lassen, dass das Virus ins ZNS gelangen kann. Klar können die Allgemeinsymptome wie Kopfschmerzen und Verwirrtheit auch auf die erhöhten Temperaturen zurückzuführen sein, jedoch sollte der Fallbericht über die bilathamische Einblutung, wie man sie bspw. auch beim JE-Virus beobachten kann, zu denken geben.
Avatar #714511
gehirnakrobatik
am Freitag, 3. April 2020, 10:22

Was für ein absurdes Theater ...

neurologische Komplikationen bei Covid-19 Patienten. Da wird uns als häufige neurologische Komplikation verkauft, dass Patienten mit einem schweren Allgemeininfekt Kopfschmerzen und Schwindel haben. Im Ernst? Eine wahrlich bahnbrechende Erkenntnis. Dazu der Bericht aus Wuhan - 20% der an Covid-19 verstorbenen hatten eine hypoxische Enzephalopathie. Wir reden von Patienten, die an einem schweren Lungenversagen verstorben sind, deren Hauptproblem somit darin bestand, dass keine ausreichende Oxygenierung mehr stattfindet. Und O Wunder - 20% dieser Patienten haben eine hypoxische Enzephalopathie. Man ist fast versucht zu sagen - nur 20% ? Wir wissen schon seit Jahren, das selbst die Patienten, die ein Lungenversagen überstehen, in über 50% der Fälle kognitive Einschränkungen haben (Mikkelsen et al. 2012). Ein bisschen mehr Datenqualität und ein bisschen mehr kritisches Hinterfragen wäre somit inzwischen angebracht. Man bekommt zunehmend den Eindruck, jeder Artikel, in dem das Wort Covid-19 in Überschrift oder Abstract erscheint, sofort publiziert wird.
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