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Coronakrise: Gefahr für Frauen in gewalttätigen Beziehungen steigt

Freitag, 3. April 2020

/dpa

Berlin – Häusliche Gewalt nimmt während der COVID-19-Pandemie zu. Darauf weist die Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) hin. Doch die meisten Frauenhäuser seien schon ohne Coronakrise hoffnungslos überfüllt. Bisher existiere in Deutschland kein flä­chendeckendes Netz von Beratungsstellen und Zufluchtsorten für Frauen, die häusli­cher Gewalt ausgesetzt sind, kritisiert die Kammer.

„Die Coronakrise führt zu deutlich häufigeren Konflikten in den Familien. Ungewohnte Enge und Ausgangsperren sowie finanzielle Existenzängste können Streit in den Familien eskalieren lassen. Manche führen zu Gewalt gegen Frauen und Kinder“, mahnt Dietrich Munz, Präsident der BPtK. Deshalb müssten zusätzliche Zufluchtsorte geschaffen werden, damit Frauen vor häuslicher Gewalt geschützt werden können.

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Verdreifachung der gemeldeten Fälle

Auch Terre de Femmes wies gestern darauf hin, dass durch die Isolation aufgrund der Coronakrise die Gefahr für Frauen in gewalttätigen Beziehungen drastisch steige. Berich­te aus China bestätigen der Hilfsorganisation zufolge bereits diese Entwicklung: Lokale Polizeidienststellen verzeichneten im Februar eine Verdreifachung der gemeldeten Fälle im Vergleich zum Vorjahr.

Ähnliche Zustände würden auch in den USA, Italien und Frankreich festgestellt. In Berlin sei die Kriminalität im Bereich häusliche Gewalt bereits um mehr als zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, berichtet Terre de Femmes.

Die Bundes­psycho­therapeuten­kammer fordert deshalb zusätzliche öffentliche Mittel, mit denen ungenutzte Hotels und Ferienwohnungen angemietet werden können, um Frauen mit ihren Kindern während der Coronakrise sicher unterbringen zu können.

„Die Frauen, die den Mut finden, einen Ausweg aus eskalierender Gewalt in ihren Famili­en zu suchen, dürfen nicht abgewiesen werden“, sagt BPtK-Präsident Munz. Dafür müss­ten die Beratungsstellen und Frauenhäuser verlässlich finanziert werden und die Mitar­bei­terinnen als systemrelevant eingestuft werden.

„Es ist wichtig, dass Frauen jetzt schnell und unbürokratisch Schutz und Beratung be­kommen. Gemeinsam können Bund, Länder und Kommunen viel dafür tun“, betont auch Bun­des­fa­mi­lien­mi­nis­terin Franziska Giffey vor kurzem. „Dass einzelne Kommunen dafür bereits leerstehende Wohnungen oder Hotels anmieten, zeigt, was alles möglich ist.“

Seit Januar 2020 unterstützt der Bund den Ausbau von Frauenhäusern und anderen Hilfs­einrichtungen mit dem Bundesinvestitionsprogramm „Gemeinsam gegen Gewalt an Frau­en“, heißt es aus dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Das Volumen hierfür liege bei 120 Millionen Euro in den nächsten vier Jahren.

Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“

Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist rund um die Uhr und in 17 Sprachen für betroffene Frauen, deren soziales Umfeld und für Fachkräfte erreichbar: 08000 116 016.

Das bundesweite Beratungsangebot bietet auch Online-Beratung und sofort-Chats an: www.hilfetelefon.de. Anrufende müssten aufgrund geringerer personeller Besetzung mit Beraterinnen während der Coronakrise allerdings eventuell mit Wartezeiten rechnen. Darauf weist das BMFSFJ hin. © PB/aerzteblatt.de

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