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Ausland

Stockholm baut COVID-19-Lazarett

Freitag, 3. April 2020

Schwedens oberster staatlicher Epidemiologe Anders Tegnell. /picture alliance, TT NEWS AGENCY

Berlin – Steigende Infektionenszahlen in Stockholm drängen die schwedische Hauptstadt dazu, ein Lazarett für COVID-19-Patienten zu errichten. Das teilte die Stadtregierung ges­tern mit. Schweden bleibt trotz immer höherer Fallzahlen bei einer ganz eigenen Strate­gie und setzt auf den Schutz von Risikogruppen statt Ausgangs­sperren.

Allein in Schwedens Hauptstadt wurden nach Angaben der städtischen Gesundheits­be­hörden bis gestern 179 Todesfälle registriert. 143 Menschen würden aktuell mit einer Coronavirus-Infektion auf Intensivstationen behandelt. In Schweden gab es insgesamt gestern 4.400 Corona-Positive und fast 200 Tote. Heute waren es knapp 5.500 Infizierte und rund 80 Tote mehr. Experten gehen jedoch von einer sehr hohen Dunkelziffer aus.

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Trotzdem bleiben Ausgangsbegrenzungen aus. Stockholm reagiert anders: Am komm­en­den Wochenende soll ein erstes Feldlazarett für Coronavirus-Patienten eröffnet werden − in einem Messezentrum im südlich von Stockholm gelegenen Vorort Alvsjo. Es werde nach Behördenangaben zunächst für 140 Patienten vorbereitet. Die Kapazität könne aber bei Bedarf auf mehr als 600 gesteigert werden.

Das Leben in Schweden geht weiter

Geöffnete Schulen und Spielplätze, gefüllte Restaurants, Fitnessstudios und Geschäfte – Schweden erinnert an ein Deutschland vor drei Wochen. Versammlungen sind auf maxi­mal 50 Personen beschränkt, es gibt ein Besuchsverbot in Pflegeheimen. Menschen über 70 Jahren und Vorerkrankte sollen zuhause bleiben. Allen anderen wird empfohlen, draußen mehr Abstand zu halten und möglichst von zu Hause zu arbeiten.

Auch werden in Schweden derzeit nur Menschen mit schweren Symptomen und Mitarbei­ter im Gesundheitswesen auf das Virus getestet. Laut Informationen der Deutschen Welle geschah das bisher bei rund 37.000 Personen.

Hinter diesem Umgang mit der Pandemie stehen die Empfehlungen von Schwedens obers­tem staatlichen Epidemiologen Anders Tegnell. Er hält wenig von strengen Verboten und setzt auf die in seinem Land bewährte Freiwilligkeit. Diese funktioniere auch bei­spielsweise bei Impfungen, so der Arzt.

Er rechnet mit solch steigenden Zahlen in ganz Europa aber will auf seinem Kurs bleiben, berichtete die Deutsche Welle. Mit seinem Sonderweg hat Schweden international wie auch unter Schweden viel Kritik auf sich gezogen. Ob die Strategie aufgeht, wird sich zeigen. © afp/aerzteblatt.de

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