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Politik

Behelfsmasken könnten laut RKI bei fehlendem Abstand sinnvoll sein

Freitag, 3. April 2020

Mund-und Nasen-Masken hängen an einem Verkaufsstand am Hackeschen Markt. Immer mehr Menschen nähen eigenständig Mund-und Nasen-Schutze. /picture alliance, Carsten Koall

Berlin – Über das Tragen von Masken in der Öffentlichkeit wird in der Coronakrise viel diskutiert. Nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI) könnte das vorsorgliche Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes − in der derzeitigen Situation zumeist eine textile Be­helfsmaske − dazu beitragen, das Risiko einer Ansteckung anderer Personen zu verrin­gern.

„Behelfsmasken bieten keinen Schutz für den Träger, könnten aber helfen, Tröpfchen zu­rückzuhalten und andere Menschen vor Ansteckung zu schützen“, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler heute in Berlin.

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Es ist zu vermuten, dass Behelfsmasken das Risiko verringern, indem sie die Geschwin­dig­­­keit der Tröpfchen, die durch Husten, Niesen oder Sprechen entstehen, reduzieren. Ein solcher Fremdschutz ist bisher nicht wissenschaftlich belegt, sei aber „plausibel“, so Wieler.

Der RKI-Präsident betonte, dass Menschen mit Atemwegssymptomen auch weiterhin zuhause bleiben und „auch nicht mit Behelfsmaske in den Supermarkt gehen sollten“. Aber nicht jeder, der mit SARS-CoV-2 infiziert sei, bemerke das auch. Deshalb könnte das vorsorgliche Tragen von Behelfsmasken das Risiko reduzieren, andere anzustecken.

Dies gilt dem RKI zufolge insbesondere für öffentliche Räume, in denen der Sicherheits­abstand nicht eingehalten werden kann, zum Beispiel öffentlichen Verkehrsmitteln, Su­permärkten und gegebenenfalls am Arbeitsplatz.

Behelfsmasken

Im Netz kursieren zahlreiche Schnittmuster und Faltanleitungen für einen selbstge­mach­ten Mundschutz − auch Community Mask genannt. Das sei besonders vor dem Hintergrund der Knappheit medizinischer Masken eine kluge Idee, sagte kürzlich auch der Virologe Christian Drosten dem NDR. Die Schutzeigenschaften hängen aber stark von Material und Nutzung ab. Fest gewebte sind besser geeignet als leicht gewebte Stoffe. Eine wissen­schaftlich nachgewiesene Schutzwirkung haben die Masken nicht. Es wird aber vermutet, dass sie das Risiko einer Ansteckung verringern, weil sie den Tröpfchenauswurf reduzieren und das Bewusstsein für achtsamen Umgang mit sich und anderen unterstützen können. Hygienevorschriften und Abstandsregeln sollten trotzdem eingehalten werden.

Für die optimale Wirksamkeit einer Behelfsmaske sei es wichtig, dass sie korrekt, das heißt enganliegend, sitzt, bei Durchfeuchtung gewechselt wird, und dass sie während des Tragens „nicht ständig zurecht gezupft wird“, so Wieler.

Abstand halten bleibt wichtigste Regel

Abstand zu halten, bleibe für die Bevölkerung aber weiterhin die wichtigste Maßnahme zum Schutz vor SARS-CoV-2, betonte der RKI-Präsident. Das schlimmste was passieren könnte, wäre, sich durch das Tragen der Maske in einer falschen Sicherheit zu wiegen und sich nicht mehr an die anderen Regeln zu halten. „Dann würde die Maske sogar schaden“, warnte Wieler.

Die Regeln zum Husten und Niesen, zur Händehygiene und zum Mindestabstand sollten deshalb auch mit Masken weiterhin eingehalten werden. Außerdem gebe es keine hinreichenden Belege dafür, dass ein Mund-Nasen-Schutz oder eine selbstgenähte Maske den Träger selbst vor einer Ansteckung schütze. © nec/aerzteblatt.de

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Avatar #811116
FredW
am Montag, 6. April 2020, 17:04

So beschafft man Beatmungsgeräte, Schutzmasken und -kleidung

Metier des Einkaufs
Einkauf ist ein Job für „besondere“ Persönlichkeiten und ausschließlich ein Beziehungsgeschäft von Individuum zu Individuum. „Am besten ist man Pate der Kinder des chinesischen Parteisekretärs der Provinz, in der man die Objekte der Begierden einkaufen will“. Deutschland hat dabei den besten Groß- und Außenhandel der Welt, auf gleicher Höhe mit Holländern, Engländern und Israel. Deutschland ist eigentlich für Einkauf von allem, was man braucht, auch medizinischen Schutzmasken oder Beatmungstechnik bestens personell – mit Profis – ausgestattet.

Fehlbesetzung
Die Bundesministerien, Krankenhäuser, Gesundheitsämter sind leider eine erschreckende Fehlbesetzung, vollständiges Scheitern garantiert. Mehr nicht an dieser Stelle. Man würde auch nicht auf die Idee kommen, sich im Gesundheitsamt Zähne ziehen zu lassen. Die Einkaufs- und Verkaufsorganisationen der Autokonzerne sind auch nicht die erste Wahl für den Einkauf von medizinischem Gerät. weil im Ausland schwerpunktmäßig verkaufsorientiert und vom internationalen Auftreten her vornehm gestrickt, weil Sie ja auch verkaufen wollen.

Profis des Einkaufs im Handels
Prädestiniert sind zuerst die gewieften deutschen Importeure für Handel und Industrie. Man sollte sich vom Präsidenten des Bundesverbandes des Groß- und Außenhandels Dr. Holger Bingmann Empfehlungen für 100 Importeure unterschiedlicher Importbranchen holen und gleichzeitig mit dem Nonfood-Einkauf der Giganten wie Metro, Markant, Rewe oder Edeka und den Fachhandelseinkaufs-Kooperationen Kontakt aufnehmen, die über eine erdrückende Einkaufmacht auch in Fernost verfügen, auch mehr als Donald Trump aufbieten kann. In Zeiten wie diesen sind Personen mit Hemdsärmeln und Ellenbogen gebraucht, die gewohnt sind, Druck auszuüben. (Lieferst du mir keine medizinischen Schutzmasken, dann fahre ich deinen Export-Umsatz mit Spielzeugen, Textilien und brauner Ware in Zukunft in Grund und Boden). Wir können auf diese Weise sicher, so viele Schutzmasken kaufen, wie wir brauchen.

Rätsel der Industrie
Wenn schon Industrie einkaufen soll, eher Firmen wie Siemens oder Bosch, diese haben international größtes Ansehen im Bereich medizinischer und verwandter Technologie und den besten Ruf für Technik in aller Welt. Auch sie können sicher wirksamen Druck auf die ausländischen Lieferanten und Behörden ausüben, wenn Sie Ihre Marktbedeutung ausspielen, weil Ihr Knowhow und Ihre Technik im Ausland begehrt wird.
Es ist gleichzeitig rätselhaft, warum die Branchen beheimatete Industrie diese trivialen Geräte und Materialien nicht schon längst selber in großer Stückzahl produzieren können. Knowhow und Kapazitäten sind vorhanden. Die Materialien kann man wie oben geschildert sicher beschaffen, wenn man denn will. Es ist zu befürchten, es fehlt schlicht an der notwendigen Anzahl von konkreten Aufträgen zur Entwicklung und Produktion. Vereinzelte Meldungen können darüber nicht täuschen, es fehlt überall an der notwendigen Koordination durch das Ge­sund­heits­mi­nis­terium. Man verschläft regelmäßig den richtigen Zeitpunkt zu agieren.

Unangebrachte Geduld
Herr Spahn braucht darum für den Bereich der Beschaffung Praktiker und Verantwortliche des Handels und der Industrie an seiner Seite, die die notwendigen Beschaffungs- und Produktionsaktivitäten unbürokratisch direkt erfolgversprechend umsetzen können. Er sollte sich sofort ein leistungsfähiges Team zusammen stellen. Gefährlich dass sich gerade die Vertreter aus deutscher Industrie und deutschem Groß- und Außenhandel aus falschem politischem Kalkül oder krisenbedingter Zurückhaltung mit der notwendigen Kritik an dem ministeriellen Einkaufsmissmanagement zurückhalten. Das kostet in Kürze Menschenleben.
Avatar #823922
Anna Physiotherapeutin
am Sonntag, 5. April 2020, 16:46

Behelfsmasken senken das Risiko ? Argumentation ist nicht plausibel !

Avatar #79783
Practicus
am Sonntag, 5. April 2020, 00:34

Naja

seit vielen Jahren steht im Pandemiebericht, dass die Ausstattung in D mit Schutzausrüstung (FFP1- und 2-Masken, Einmal-Schutzkittel, Hanschuhe, Überschuhe) unzureichend ist. Aber weil der Pandemieplan auf dem Papier so toll ist und die simulierten Szenarien immer so wunderbar funktionieren, braucht man sich um die "Hrdware" ja nicht zu kümmern - die Chinesen liefern doch sooo zuverlässig just in Time...
Wo Mund-Nasenschutz auf der Straße getragen ird, ist die Ausbreitung langsamer und die Fallzahlen niedriger - Singapur, Honkong, Japan, Taiwan, Südkorea...
Ich fürhte, das Tragen von Schutzmasken wird nur deshalb relativiert, weil es die nicht aureichend gibt!
Avatar #601646
Krankenhausarzt
am Samstag, 4. April 2020, 21:15

Masken, ach was, das machen nur die dummen Chinesen...

Wer einen Regenmantel anhat wird weniger nass.Eigentlich banal.
Totalversagen der Verantwortlichen: RKI, Spahn, Drosten etc, etc,...
Kostet einigen Menschen den Tod.
Auch und vor allem den Gesundheitsarbeitern in Kliniken und Pflegeheimen.
Unentschuldbar.
Avatar #716714
Lukas Vogler
am Freitag, 3. April 2020, 22:42

Behelfsmasken könnten laut RKI bei fehlendem Abstand sinnvoll sein

Das Tragen von MNS kann unter bestimmten Umständen sinnvoll sein, wie oben ausgeführt. Allerdings setzt das eine korrekte Handhabung voraus, ohne die die bereits ohnehin geringe Schutzwirkung wieder zunichte gemacht wird. Dabei ist vor allem das Abnehmen und Entsorgen der Maske nicht trivial und seinerseits risikobehaftet, sodaß bei nicht korrekter Handhabung der erhoffte Schutz im Handumdrehen wieder aufgehoben wird. Darüber hinaus tritt rasch ein Gewöhnungseffekt ein und man wird risikofreudiger, da man sich leicht in falscher Sicherheit wiegt.
Siehe auch: https://www.lgl.bayern.de/downloads/arbeitsschutz/arbeitsmedizin/doc/merkblatt_mns_atemschutz.pdf
Avatar #552459
Neckartaler
am Freitag, 3. April 2020, 21:48

MundNasenSchutz doch wirksam

In der englischsprachigen Literatur finden sich doch Arbeiten über die Wirksamkeit von MNS:
https://www.hse.gov.uk/research/rrpdf/rr619.pdf
Reduktion der Viruslast hinter der Maske bis zum 10 fachen mit MNS. Experimentell getestet. Immerhin !
https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/184819
Kein Vorteil von N95-Masken (entspricht FFP 2,3 ) bei Grippe-Infizierungen bei Krankenschwestern in Toronto.
Das spricht für das Tragen MNS zum Eigenschutz. Oder ist das politisch z.Zt. nicht opportun wegen mangelnder Verfügbarkeit von Schutzkleidung ?
LNS

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