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Politik

Leopoldina plädiert für Einsatz von Mund-und Nasen-Schutz sowie Corona-App

Freitag, 3. April 2020

/picture alliance, Britta Pedersen

Berlin – Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina beschäftigt sich derzeit mit Hochdruck mit der Frage, wie ein nachhaltiges „Wiederhochfahren“ des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft angesichts der COVID-19-Pandemie gelingen kann. Dazu hat eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe der Leopoldina heute eine zweite Ad-hoc-Stellung­nahme zur Pandemie veröffentlicht.

Darin betont sie ausdrücklich, dass nach ihrer Ansicht die bundesweit gültigen politi­schen Maßnahmen zur Kontaktbeschränkung zunächst weiterhin Bestand haben müssen, legt aber Empfehlungen vor die Zukunft vor.

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Um die geltenden Maßnahmen im Anschluss an die Osterzeit differenziert lockern zu können, empfehlen die Experten in dem neuen Papier mit dem Titel „Coronavirus-Pande­mie – Gesundheitsrelevante Maßnahmen“ eine flächendeckende Nutzung von Mund-Na­sen-Schutz, eine kurzfristige Verwendung mobiler Daten sowie den Ausbau der Testkapa­zi­täten.

Das heute vorgelegte Papier ergänzt somit die Leopoldina-Ad-hoc-Stellungnahme „Coro­na­virus-Pandemie in Deutschland: Herausforderungen und Interventions­möglichkeiten“ vom 21. März und konzentriert sich im Gegensatz zu dieser auf gesundheitsrelevante Maß­nahmen, die zu einer schrittweisen Normalisierung des öffentlichen Lebens beitra­gen können.

Die gesundheitspolitischen Empfehlungen der ersten Leopoldina-Stellungnahme haben jedoch nach wie vor Gültigkeit und werden in dem neuen Papier unter Berücksichtigung der zwischenzeitlichen Entwicklungen ergänzt.

Neu ist jedoch die Empfehlung der Leopoldina, dass eine schrittweise Lockerung der Ein­schränkungen mit dem flächendeckenden Tragen von Mund-Nasen-Schutz einhergehen sollte, und zwar im gesamten öffentlichen Raum. Konkret nennen die Experten Betriebe, Bildungseinrichtungen sowie den öffentlichen Nah-und Fernverkehr.

Ein Mund-Nasen-Schutz reduziere die Übertragung von Viren durch eine Reduktion der Tröpfcheninfektion. Da sich eine große Zahl unerkannt Erkrankter ohne Symptome im öffentlichen Raum bewege, verringere er die Ausbreitung der Infektion und senke somit mittelbar das Risiko für den Einzelnen, sich selbst anzustecken.

Voraussetzung sei natürlich die flächendeckende Verfügbarkeit von schützenden Masken. Der derzeit herrschende Mangel sollte durch selbst hergestellten Mund-Nasen-Schutz, Schals und Tücher überbrückt werden. Diese sollten Mund, Nase, Kinn und die Seiten­rän­der möglichst vollständig abdecken. FFP2/3-Masken sollten dem medizini­schen Bereich, der Pflege und besonderen Berufsgruppen vorbehalten sein.

Als „hilfreich“ für die Identifizierung von infizierten Personen bewertet die Leopoldina zudem eine kurzfristige Verwendung mobiler Daten, die ortsunabhängig den räumlichen und zeitlichen Kontakt von Personen abbilden. Schnellstmöglich sollten digitale Werk­zeu­ge wie eine entsprechende App für Mobiltelefone verfügbar gemacht werden, in de­nen Personen freiwillig und unter Einhaltung von Datenschutz sowie Persönlichkeits­rechten anonym diese Daten teilen.

Ferner sollten die Testkapazitäten in Deutschland auf eine akute Infektion durch den Einsatz von neuen validierten Schnelltests ausgebaut werden. Durch eine möglichst gezielt breite Testung könnten Ausbreitungsherde besser eingegrenzt und Quarantäne­maßnahmen passgenau verhängt werden, betonen die Experten.

Zur Erhöhung der Testkapazität könnten nach ihrer Ansicht für eine Überbrückungszeit auch veterinär­medizinische Untersuchungseinrichtungen und weitere Forschungsinsti­tutionen einbe­zogen werden. Darüber hinaus müssten serologische Tests (Antikörper­tests) validiert, etabliert und hinsichtlich ihrer Kapazitäten ausgebaut werden.

Eine repräsentative und randomisierte Testung der Bevölkerung hinsichtlich akuter Infek­tionen und Immunität sei dringend notwendig, mahnt die Wissenschaftsakademie. Sie sei die Voraussetzung für eine realistische Abschätzung der epidemiologischen Situ­ation (re­lativer Anteil Infizierter, Erkrankter, schwer Erkrankter, Intensivfälle, Verstor­bener, Immuni­tät).

Bei der Registrierung von Neuerkrankten müssten zudem deren Risikofaktoren (Alter, Vorerkrankungen, Rauchen etc.) umfassend und standardisiert elektronisch erfasst werden. © ER/aerzteblatt.de

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