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Medizin

Studie: Maßnahmen gegen Ausbreitung von SARS-CoV-2 zeigen erste Wirkung

Samstag, 4. April 2020

picture alliance/xim.gs

Göttingen – Die Beschränkungen im öffentlichen Leben, die am 8. und 16. März in Kraft traten, haben die Ausbreitung von SARS-CoV2 in Deutschland abgeschwächt, eine wei­tere exponentielle Zunahme der Infektionen jedoch nicht verhindert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie in arXiv (2020; 2004.01105v1), die allerdings die Auswirkungen der „Kontaktsperre“ vom 22. März noch nicht berücksichtigt.

Eine Arbeitsgruppe um Viola Priesemann vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbst­organisation in Göttingen hat eine Computersimulation entwickelt, um die Aus­wir­kungen der Maßnahmen gegen COVID-19 zu analysieren und die weitere Entwicklung zu prognostizieren.

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Die Berechnungen beruhen auf einem SIR-Modell („Susceptible-Infected-Recovered“), das über einen zeitlichen Verlauf hin die Zahl der Infizierten, der Infizierbaren und der nicht mehr Infizierbaren darstellt. Letztere sind die genesenen Personen, die (wenigstens vorü­bergehend) immun sind und nicht mehr zur Ausbreitung der Infektion beitragen können.

Das Kernergebnis der Berechnungen ist die Ausbreitungsrate Lambda. Um das derzeitige exponentielle Wachstum zu beenden, muss Lambda auf unter 0 fallen.

Die ersten Maßnahmen, die ab dem 8. März ergriffen wurden und beispielsweise dazu führten, dass Fußballspiele ohne Fans stattfanden, haben Lambda von 0,41 auf 0,25 gesenkt. Einen zweiten Einschnitt gab es um den 16. März herum, als Kindergärten und Schulen sowie viele Geschäfte und öffentliche Einrichtungen geschlossen wurden.

Lambda ist nach den Berechnungen der Forschergruppe danach auf 0,13 gefallen. Beide Maßnahmen haben damit die Ausbreitung von SARS-CoV-2 abgeschwächt, das expo­nen­tielle Wachstum jedoch noch nicht beendet.

Priesemann hofft, dass dies mit der weitergehenden Kontaktsperre gelingt, die seit dem 22. März gilt. Ob die Maßnahmen wirken, werde sich in ihrem Modell frühestens am 8. April zeigen, schreibt die Forscherin. Damit die Erkrankungszahlen auf ein erträgliches Maß fallen, müsste die Isolation in den kommenden zwei bis drei Wochen weiter sorg­fältig eingehalten werden, meint Priesemann.

Im günstigen Fall gebe es dann nur noch „ein Dutzend oder einige Hundert“ neue Fälle pro Tag. Mit so wenigen Neuinfektionen könnten die Kontakte von jedem Erkrankten weitgehend identifiziert und isoliert werden. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #88255
doc.nemo
am Freitag, 10. April 2020, 10:49

Geht es irgendwann von vorne los?

Wie hoch ist eigentlich die natürliche Mutationsrate des Virus? Je länger es in der Bevölkerung kursiert, desto größter ist das Risiko, dass irgendwann ein Stamm entsteht, gegen den die bislang erworbene Immunität nicht mehr ausreicht - und dann geht das Ganze von vorne los, oder?
Avatar #667904
meerwind7
am Donnerstag, 9. April 2020, 23:29

FredW beschreibt immerhin eine legitime Herangehensweise, Hr. Dr. Schaetzler

... ob sie funktioniert oder wünschenswert wäre, ist ein andere Frage. Zudem gibt es schon ganz "natürliche" Ausbreitungsbrennpunkte lokalisierter Art in Form von Schulen und Schulklassen, wenn diese geöffnet wären. Die Politik bzw. Gesellschaft muss sich allerdings für einen Weg entscheiden - "flatten the curve" bis zu ausreichender Durchseuchung oder Nachverfolgung, Isolierung und Kleinhaltung bis zu einer Impfstoffentwicklung.
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Montag, 6. April 2020, 20:00

"FredW" wenn Sie jetzt noch Stimmen...

von bekannten Infektiologen oder von unbekannten Außerirdischen hören sollten, empfehle ich Ihnen zumindest den Besuch in einer psychiatrischen Ambulanz.
Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #811116
FredW
am Montag, 6. April 2020, 16:56

Immunisierung durch kontrolliertes Infizieren - ein Denkanstoß

Bisherige vorherrschende Strategie
Die entschleunigte Ausbreitung des Covid-19 ist gegenwärtig den
Einschränkungen des öffentlichen und wirtschaftlichen
Lebens zu verdanken. Die Funktion des Gesundheitssystems wird so
kurzfristig geschützt. In dem Maße wie die Einschränkungen gelockert
werden, wird sich die Seuche weiter ausbreiten und Opfer
fordern. Davon wird hier ausgegangen. Aufgeschoben ist nicht
Aufgehoben, das gilt hier leider für den Tod der potentiellen Opfer.
Alle bisherigen Maßnahmen verlängern die Dauer der Pandemie
und verschieben nur den Tod in den Risikogruppen um Monate.
Mehr kann man eigentlich ein Ziel nicht verfehlen.

Das Ziel - Ende der Pandemie
Aus wirtschaftlicher Sicht brauchen wir aber eine schnelle Immunisierung
der Bevölkerung in Hohe vn 60 bis 70 % innerhalb weniger
Monate, um die Ausbreitung der Seuche durch die sog. Herden-Immunität,
zum Stillstand zu bringen. Das wünschen sich auch die Risikogruppen.

Immunisierung durch aktive kontrollierte Infektion
Beide Ziele kann eine aktive Immunisierung durch Infizieren
von Kontingenten der Bevölkerung erreichen und zwar mit dem
aktiven Virus hermetisch abgeschirmt in Hotels, Kurorten etc.
Die Kontingente werden aus Freiwilligen aus den „Nicht-Riskiogruppen“
also aus nicht vorgeschädigten Individuen der Altersgruppen von
0 bis 45 Jahren zusammen gestellt (Mutter mit Kindern, junge Pfleger,
Ärzte etc.). Diesen kann das Virus, so hier vorausgesetzt, wenig anhaben.

Weiter so wie bisher, wo geht dann die Reise hin?
Hingegen wird die derzeitige Strategie der Einschränkungen
der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aktivitäten in
etwa 3 Monaten zu dem Zusammenbruch der öffentlichen Versorgung
mit Gütern des täglichen Bedarfs, aber später auch mit Wasser und Strom
führen - gefolgt von dem Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung.
Dies gilt besonders für Italien, Spanien, aber letztlich für alle europäischen Länder.
Der aktuell diskutierte Vorschlag - Stop und Go des Shutdowns
wird nicht funktionieren, sondern die Wirtschaft langsam „ruinieren“ und per
Definition dann auch langfristig die Risikogruppen der Seuche opfern
(konservativ geschätzt 2,3 Mio Opfer). Hiervon wird ausgegangen,
weil es viel zu lange dauern wird, die erforderliche Herden-Immunität
so zu erreichen oder einen wirksamen Impfstoff zu erhalten (etwa in 1 Jahr).

Wir können Deutschland auch nicht dauerhaft von dem Rest der Welt
abschotten, wenn sich dort die Schleusen der Seuche öffnen,
weil man die Beschränkungen im Ausland massiv lockert. Da helfen
auch keine Geldgeschenke, den mit denen kann man keine Güter
kaufen, die nicht mehr produziert werden oder
transportiert werden. Man wird in wenigen Monaten in
Ländern Europas an einer Lebensmittelrationierung nicht
vorbei kommen. Letztlich wird es auch zu dem Zusammenbruch der
öffentlichen Ordnung in vielen Ländern kommen.


Aktiv die Seuche steuern
Hingegen könnten die durch eine aktive Infizierung
Immunisierten ohne Beschränkung leben, arbeiten und
auch z.B. ohne Schutzkleidung im Gesundheitssystem
mitarbeiten. Sie würden für Umsatz im Einzelhandel,
Handwerk und allen übrigen Wirtschaftsbereichen sorgen.
Die aktive Immunisierung durch Infektion kann in Hotels,
Strandbädern, Kurorten erfolgen und zwar in Quarantäne.
Wobei in den Einrichtungen alle Beteiligten keinen
Kontaktbeschränkungen unterliegen. Gleichzeitig müssen
leider die Risikogruppen weiter geschützt werden, aber nicht mehr
z.B. vor den immunisierten Familienmitgliedern. Die
Volkswirtschaft wird an Fahrt gewinnen und ein Zusammenbruch
und eine langjährige Rezession vermieden.
So viel zu der Theorie des Vorschlages.

Das eine tun ohne das andere zu lassen
Der Beitrag ist ein Denkanstoß, auch neben dem
Mainstream nach Lösungen zu suchen,.
Ohne Zweifel – Schutzmasken nützen, der Zugang zu
Krankenhäusern und Altersheimen muss massiv eingeschränkt werden usw.
Das soll an dieser Stelle nicht bestritten werden, immunisierte
Individuen treffen diese Beschränkungen aber nicht.
Auch die Verfolgung der Bewegungsdaten von Infizierten kann nützen,
wird aber das Ziel der Immunisierung der großer Teile der Bevölkerung
nur in die Ferne rücken. Das Instrument funktioniert, wenn der
Grad der Ausbreitung gering ist und man die Pandemie
lokal noch zum Stillstand bringen kann. Was aber, wenn
man dann die Grenzen zum Ausland in Kürze wieder
öffnen muss und dort der Anteil der Infizierten beträchtlich
höher ist?
Avatar #812384
Rouressedly1983
am Montag, 6. April 2020, 13:12

Wenn sich jetzt jeder an Maßnahmen hält...

... sollten wir es auch irgendwann mal geschafft haben, dass sich die Sachen
komplett Normalisieren und man ohne Masken einkaufen darf.
LNS

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