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Ausland

Zweites Flüchtlingslager in Griechenland unter Quarantäne

Montag, 6. April 2020

/picture alliance, Yorgos Karahalis, AP

Athen/Brüssel – Das Coronavirus SARS-CoV-2 hat das zweite Flüchtlingslager in Grie­chen­land erreicht. Der Krisenstab in Athen stellte das Camp von Malakasa rund 45 Kilo­me­ter nördlich der griechischen Hauptstadt für zwei Wochen unter Quarantäne, wie Mi­grationsminister Notis Mitarakis gestern im Staatsradio mitteilte.

Dort leben etwa 1.800 Menschen. Demnach wurde ein 53 Jahre alter Migrant aus Afgha­nis­tan positiv auf das Virus getestet. Seit vergangener Woche steht bereits das Lager von Ritsona rund 75 Kilometer nördlich von Athen unter Quarantäne – dort leben rund 3.000 Menschen. Eine Frau aus dem Camp war nach der Geburt ihres Kindes in einem Kranken­haus in Athen positiv getestet worden.

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In griechischen Lagern leben nach Angaben des Migrationsministers insgesamt rund 100.000 Menschen, etwa 40.000 davon harren auf den Inseln im Osten der Ägäis aus. Mitarakis versicherte in einem Interview des Nachrichtensenders Skai: „Wir wenden – wie alle anderen Staaten – die geeigneten Maßnahmen an.“

Bei Feststellung einer Infektion werde das Camp unter Quarantäne gestellt. In allen La­gern gelten bereits seit Wochen Ausgangsbeschränkungen. Es seien spezielle Container mit Isolierstationen eingerichtet worden, versicherte der Minister.

EU-Innenkommissarin Ylva Johansson äußerte sich besorgt über die Lage in den Flücht­lingslagern auf den Ägäis-Inseln. „Wir haben mit Griechenland einen Notfall-Aktionsplan erarbeitet, den die griechischen Behörden jetzt Schritt für Schritt umsetzen müssen. Er sieht vor, dass die verletzlichsten Personen aus den Camps geholt werden – und zwar jetzt, sofort“, sagte die EU-Kommissarin dem Spiegel. Alte und kranke Menschen sollten entweder in leere Hotels auf den Inseln oder auf das griechische Festland gebracht werden.

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Sylvia Gabelmann forderte Berlin und Brüssel zum Handeln auf. Die völlig überfüllten Lager auf den griechischen Inseln sollten evakuiert werden. Sollte sich das Coronavirus in den Hütten und Zelten dort ausbreiten, könnte dies für Tausende Menschen den Tod bedeuten, erklärte Gabelmann. „Die menschenver­achtende Ignoranz der EU – und allen voran der deutschen Bundesregierung – ist uner­träglich und stellt nichts anderes als eine unterlassene Hilfeleistung dar“, kritisierte die nordrhein-westfälische Politikerin.

Deutschland und einige andere EU-Staaten hatten sich bereit erklärt, mindestens 1.600 unbegleitete Kinder und andere Migranten aus den völlig überfüllten Lagern auf den Ägäis-Inseln aufzunehmen. Ein Sprecher von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) versicherte Ende März, dass Deutschland trotz der Coronakrise dazu stehe. © dpa/aerzteblatt.de

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