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Ausland

SARS-CoV-2: Dänemark will Beschränkungen schrittweise lockern

Dienstag, 7. April 2020

Dänemarks Premierministerin Mette Frederiksen /picture alliance, Ritzau Scanpix

Kopenhagen – Nach Österreich will mit Dänemark ein weiteres Nachbarland Deutsch­lands seine Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie langsam wieder lockern. Die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen kündigte gestern Abend eine schrittweise Aufhebung der Beschränkungen an.

Nach Ansicht der Gesundheitsbehörden sei es „angemessen und gerechtfertigt, eine lang­same Öffnung zu beginnen“, sagte sie. Die Rück­kehr zur Normalität solle schrittweise er­folgen und sich über mehrere Monate erstrecken. Während kleine Kinder bereits ab dem 15. April wieder in den Kindergarten und die Grund­schule zurückkehren könnten, müss­ten die Schüler der Mittel- und Oberstufe bis zum 10. Mai warten.

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Bars, Restaurants, Friseur- und Massagesalons, Einkaufszentren sowie Diskotheken sollen in Dänemark nach wie vor geschlossen bleiben – auch Versammlungen von mehr als zehn Personen sind weiterhin verboten. Die Schließung der Grenzen soll demnach eben­falls verlängert werde, von Reisen ins Ausland wird weiterhin abgeraten.

In Dänemark wurden bislang mehr als 4.800 Corona-Infektionsfälle sowie rund 190 To­des­fälle registriert. Vor Dänemark hatte Österreich am Montag als erstes europäisches Land Pläne für die Rückkehr zu einer "neuen Normalität" vorgestellt.

Flächendeckende Tests in Altenheimen

Frankreichs Ge­sund­heits­mi­nis­ter Olivier Véran kündigte heute an, die Bewohner von Al­tenheimen flächendeckend auf SARS-CoV-2 testen zu lassen. Grund ist die hohe Todes­ra­te: In französischen Altenheimen und Pflegeeinrichtungen starben nach offiziellen Anga­ben schon mehr als 2.400 Menschen an der Lungenkrankheit COVID-19. Das ist knapp ein Viertel der insgesamt 8.911 Toten im Land.

Véran sagte, alle Bewohner und Mitarbeiter von Alten- und Pflegeheimen sollten „ab dem Auftreten des ersten bestätigten Falls“ von COVID-19 in ihrer Einrichtung getestet wer­den. Damit könnten Kranke isoliert und eine Ansteckung weiterer Bewohner verhindert werden. Der französische Verband der Altenheim-Betreiber hatte zuvor gewarnt, im Fall einer ungebremsten Ausbreitung des Coronavirus sei in den Einrichtungen mit „mehr als 100.000 Todesfällen zu rechnen“.

Japans Regierungschef ruft Notstand für Tokio aus

Japans Regierungschef Shinzo Abe hat wegen der Ausbreitung des Virus den Notstand für Tokio und sechs andere Provinzen ausgerufen. Die Maßnahme tritt morgen in Kraft und gilt bis zum 6. Mai für Tokio, die drei Nachbarprovinzen Chiba, Kanagawa und Saitma sowie Osaka, Hyogo und Fukuoka.

Damit dürfen die Behörden die Bürger anweisen, in ihren Häusern zu bleiben, sowie die Schließung von Schulen und anderen Einrichtungen verordnen. Eine harte Abschottung wie in Italien oder Frankreich ist das aber nicht.

Bürger können bei Missachtung weder belangt werden, noch können Firmen gezwungen werden, zu schließen. Doch dürften die Aufrufe der Behörden psychologischen Druck auf das Volk ausüben, sie zu befolgen.

3M soll in USA über Millionen Schutzmasken liefern

US-Präsident Donald Trump hat unterdessen eine Einigung mit dem Unternehmen 3M verkündet, das in den kommenden Monaten insgesamt 166,5 Millionen Schutzmasken für Gesundheitspersonal in den USA liefern soll. Monatlich solle 3M 55,5 Millionen zusätzli­che Masken „von hoher Qualität“ liefern, sagte Trump gestern bei einer Pressekonferenz des Corona-Krisenstabs des Weißen Hauses.

Vergangene Woche hatte Trump ein aus der Zeit des Korea-Kriegs stammendes Gesetz zur Industrieproduktion in Kriegszeiten ins Spiel gebracht, um die Produktion von 3M priori­tär für den Sicherheitsbedarf des Landes zu nutzen. Mit dem „Defence Production Act“ kann die US-Regierung Unternehmen verpflichten, Aufträge anzunehmen.

Das Unternehmen verteidigte seine Exportpolitik und warnte vor den „humanitären Fol­gen“, wenn es etwa seine Ausfuhren nach Kanada und nach Lateinamerika einstelle, wo es ein „wesentlicher Lieferant“ sei. Auch Kanadas Premierminister Justin Trudeau hatte auf den Fortbestand der Handelsbeziehungen gedrängt.

Die Einigung von Montag mit Washington erlaube es nun 3M, in den USA hergestellte Masken weiter nach Kanada und Lateinamerika zu exportieren, erklärte das Unterneh­men. Trump wiederum zeigte sich erfreut, dass die „3M-Saga“ ein „sehr glückliches“ Ende nehme.

In den USA sind zuletzt an einem Tag 1.343 Menschen nach einer Infektion mit dem Virus gestorben. Das geht aus den Daten der amerikanischen Universität Johns Hopkins hervor. Vorgestern waren es noch rund 1.200 Tote gewesen. Insgesamt sind demnach in den USA bislang rund 11.000 Menschen durch die Lungenkrankheit COVID-19 gestorben.

Die Zahl der bekannten Infektionen mit dem Virus SARS-CoV-2 lag heute Morgen der Johns-Hopkins-Universität zufolge bei rund 370.000. Die USA, ein Land mit 330 Millionen Einwohnern, haben damit die höchste Infektionszahl aller Länder. Die Fallzahlen lassen sich wegen der unterschiedlichen Testquote und erwarteten hohen Dunkelziffer jedoch nur begrenzt vergleichen.

Sorge um britischen Premierminister

Ernste Sorgen gibt es in Großbrittanien um Premierminister Boris Johnson, der wegen sei­ner Infektion mit SARS-CoV-2 auf die Intensivstation verlegt worden war und mit Sauer­stoff versorgt werden muss.

An ein Beatmungsgerät sei der 55-Jährige aber bislang nicht angeschlossen worden, wie der Staatssekretär für Kabinettsangelegenheiten, Michael Gove, heute im Radiosender LBC sagte. Außenminister Dominic Raab übernahm vertretungsweise die Amtsgeschäfte. Von Regierungen aus aller Welt gingen Genesungswünsche ein.

Johnson hatte seine Coronainfektion Ende März bekanntgegeben. Nach gut einer Woche in Quarantäne in seiner Dienstwohnung wurde der Premier gestern Abend ins Kranken­haus in London eingeliefert, da er weiterhin Symptome der Lungenkrankheit COVID-19 wie Husten und hohes Fieber zeigte.

Johnson ist der ranghöchste Politiker weltweit, der mit dem neuartigen Coronavirus infi­ziert ist. Die Verlegung eines Premierministers auf die Intensivstation während eines nationalen Ausnahmezustands ist zudem beispiellos.

Johnson war zu Beginn der Krise in die Kritik geraten, weil er restriktive Maßnahmen abgelehnt hatte. Anfang März hatte er erklärt, er schüttele allen Menschen immer noch die Hand. Dazu zählten bei einem Besuch in einem Krankenhaus auch COVID-19-Patienten. Inzwischen gilt im ganzen Vereinigten Königreich eine Ausgangssperre.

Bislang wurden in Großbritannien mehr als 50.000 Corona-Infektionen nachgewiesen, fast 5.400 Menschen starben. Auch Ge­sund­heits­mi­nis­ter Matt Hancock und Thronfolger Prinz Charles hatten sich infiziert. Beide sind aber inzwischen wieder genesen.

Spanien meldet wieder deutlichen Anstieg bei Corona-Toten

Im besonders hart von der Coronavirus-Pandemie betroffenen Spanien ist die Zahl der Todesfälle wieder deutlich angestiegen. Binnen eines Tages wurden 743 neue Corona-Tote gemeldet, wie das spanische Ge­sund­heits­mi­nis­terium mitteilte. Zuvor hatten rück­läufige Todeszahlen vier Tage in Folge die Hoffnung keimen lassen, dass Spanien das Schlimmste hinter sich habe.

Das Land hatte gestern 637 Corona-Tote binnen 24 Stunden gemeldet. Insgesamt sind in Spanien bisher bereits 13.798 Menschen an dem neuartigen Coronavirus gestorben. Auch die Zahl der Neuinfektionen stieg in Spanien wieder schneller an - um 4,1 Prozent nach 3,3 Prozent am Vortag.

Die Gesamtzahl der bestätigten Corona-Infektionen lag nach den Zahlen des Gesund­heitsministeriums nun bei 140.510. Experten des Ministeriums hatten bereits gewarnt, dass die Zahl der Todesfälle und Neuinfektionen vom Wochenende erst mit Verspätung gemeldet würden.

Israel schreibt Masken-Pflicht vor

Israel schreibt im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus das Tragen von Gesichts­masken in der Öffentlichkeit vor. Die Vorschrift gelte ab dem kommenden Sonntag, teilte die Regierung heute mit. Menschen könnten dann selbst hergestellte oder industriell pro­duzierte Masken tragen, um Mund und Nase zu bedecken.

Außerdem werden von heute Abend an bis zum Sonntagmorgen der öffentliche Nahver­kehr sowie der internationale Passagierflugverkehr eingestellt. Flüge dürften dann nur noch mit vorheriger Genehmigung der Regierung stattfinden.

Die Regierung genehmigte zudem die bereits zuvor angekündigten Einschränkungen zu Beginn des jüdischen Pessachfestes am Mittwochabend. Zum Auftakt des Pessachfestes kommen in Israel traditionell Familien zum großen Abendessen zusammen. Die Regie­rung hatte mehrfach die Sorge geäußert, dass Zusammenkünfte zum Pessachfest die Aus­breitung des Coronavirus massiv befeuern könnten.

Nach Angaben des Ge­sund­heits­mi­nis­teriums ist der Erreger SARS-CoV-2 mittlerweile bei 9.006 Personen in Israel nachgewiesen worden, 683 sind wieder genesen. 59 Menschen sind den Angaben zufolge nach einer Infektion gestorben.

China meldet erstmals seit Januar keine neuen Coronavirustoten

Zum ersten Mal seit Beginn der Coronavirus-Pandemie hat China keine neuen Todesopfer gemeldet. Nach Angaben der Nationalen Gesundheitskommission wurde heute erstmals seit drei Monaten kein neuer Todesfall mehr verzeichnet.

Nach dem Ausbruch im Dezember in der zentralchinesischen Millionenmetropole Wuhan hatte Peking am 11. Januar den ersten Toten gemeldet. Seitdem sind nach offiziellen An­ga­ben 3.331 Menschen auf dem chinesischen Festland an COVID-19 gestorben.

Zuletzt ging die Zahl der Toten jedoch stetig bergab. Auch die Zahl der Neuinfektionen geht seit Anfang März zurück, doch droht dem Land laut dem Ge­sund­heits­mi­nis­terium eine neue Welle von Infektionen, die aus dem Ausland eingeschleppt wurden. Auch am Dienstag meldeten die Gesundheitsbehörden 32 neue „importierte“ Fälle.

Zudem wurden 30 weitere Fälle von Infizierten registriert, die keinerlei Symptome auf­weisen. Infizierte ohne Symptome, die das Virus aber weitertragen können, werden erst seit einer Woche in der offiziellen Statistik aufgeführt. Ihre Zahl stieg demnach auf 1.033. © afp/dpa/kna/may/aerzteblatt.de

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