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Nicht alle ADHS-Kinder sind hyperaktiv

Donnerstag, 9. April 2020

/Bernd Libbach, stock.adobe.com

München – Einige Kinder mit einer Aufmerksamkeitsdefizit/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) zeigen keine Hyperaktivität, sondern sind im Gegenteil eher „still und verträumt“. Darauf weist die Stiftung Kindergesundheit hin. ADHS werde bei diesen Kindern häufig erst sehr spät oder gar nicht diagnostiziert.

ADHS mit den drei Kernsymptomen Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität gehört zu den häufigsten psychischen Störungen im Kindes und Jugendalter. In Deutschland sind laut der KiGGS-Studie etwa 2,3 Prozent der Mädchen und 6,5 Prozent der Jungen im Alter von 3 bis 17 Jahren von der Diagnose ADHS betroffen.

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„Mit einer Häufigkeit von rund vier Prozent liegt die Häufigkeit der ADHS-Diagnosen bei uns im internationalen Mittelbereich und ist keineswegs überhöht“, erläutert Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit.

Bei der Mehrzahl der von ADHS betroffenen Kinder und Jugendlichen dominiert die Hyperaktivität und Impulsivität. Anders bei der hypoaktiven Form der Störung: Hier stehen Konzentrationsschwäche und die gestörte Aufmerksamkeit im Vordergrund. „Die Kinder übersehen Details, machen Flüchtigkeitsfehler, haben Probleme beim Organi­sieren und Planen von Aufgaben, sind verträumt, ablenkbar und vergesslich“, berichtet die Stiftung.

Diese Form komme auch bei Jungen vor: Es dominiere dann nicht so sehr die Verhaltens-, sondern die Lernstörungen. Besonders häufig seien Lese-, Rechtschreib- und Rechen­schwächen. „Das erfolglose Üben mit ständig sich wiederholenden Enttäuschungen führt häufig zu psychischen Beeinträchtigungen mit oft großem Leidensdruck“, berichtet die Stiftung.

„ADHS ist keine Störung, die einfach wieder verschwindet“, warnt die Stiftung Kindergesundheit. Ohne angemessene und gezielte Behandlung bestehe das Risiko lebenslanger Konsequenzen. „Notwendig sind ganzheitliche Therapien, die je nach Situation des Kindes sowohl die medikamentöse Behandlung als auch psychoedukative und psychotherapeutische Maßnahmen und entsprechende Rahmenbedingungen in den Regeleinrichtungen der Betreuung, Bildung und Ausbildung umfassen.

Das Ziel der Behandlung ist, den betroffenen Kindern und Jugendlichen zu ermöglichen, dass sie uneingeschränkt über ihre vorhandenen Fähigkeiten verfügen können“, sagte Koletzko. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #749369
Ambush
am Freitag, 24. April 2020, 23:11

Mädchen und Frauen mit ADHS ecken auch an, nur viel subtiler

...nur viel subtiler als der 10-jährige hyperaktive Klassenkasper oder Zappelphilipp, der im Klassenzimmer randaliert. Siehe dazu https://www.discovermagazine.com/mind/under-diagnosed-and-under-treated-girls-with-adhd-face-distinct-risks
Avatar #749369
Ambush
am Freitag, 10. April 2020, 16:15

Auf dass es in der Zukunft besser werde

Nun gibt es ja Prognosen von namhaften ADHS-Wissenschaftlern wie Russel Barkley, wonach sich das ADHS-Spektrum früher oder später als das zentrale Thema in der Psychiatrie insgesamt herausstellen wird mit um die 50% Anteil an ADHS bei den Patienten in der Psychiatrie (die Patienten haben nicht nur ADHS, sie haben auch ADHS). Das deckt sich auch mit der Studie aus Schleswig-Holstein mit Ergebnis 59% ADHS unter den Patienten in der Psychiatrie https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0043-119987?device=mobile&innerWidth=412&offsetWidth=412

...es ist auffällig, dass diese Studie außer durch Ambush nahezu nirgendwo Erwähnung findet. Kann es sein, dass da der Semmelweis-Reflex eine Rolle spielt? 😉

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Semmelweis-Reflex

Was in der Vergangenheit war, es sei vergessen, sofern man sich von Seiten der Ärzteschaft bemüht, es in der Zukunft besser zu machen.

Die Umwälzungen und Veränderungen, die eine Anerkennung der tatsächlichen quantitativen Dimension von ADHS durch die Ärzteschaft in Deutschland zur Folge hätten, die wären so gravierend, dass die Entwicklung dort hin überhaupt nur in Trippelschritten (vielleicht im Verlauf mit Beschleunigung der Entwicklung) aber definitiv nicht in Form einer Art „Revolution“ wohl möglich ist. Sehr viele und immer mehr zuvor gegenüber ADHS ignorante Ärzte erahnen mittlerweile auch die wahre Dimension von ADHS oder sind sich dessen sogar vollumfänglich bewusst, aber ziehen daraus keine wirklichen oder nur kosmetische Konsequenzen auf der Handlungsebene. Die Ärzteschaft scheut Revolution und chaotische Veränderungen, Evolution statt Revolution, das ist das, was möglich ist in der Realität der ärztlichen Versorgungslandschaft. Bis zu 10% ADHS in der Gesamtbevölkerung und um die 50% Anteil von ADHS an der Gesamtzahl der Psychiatrie-Patienten, das ist die wahre Quantität von ADHS. Die schärfste Waffe für die Interessen der ADHS-Betroffenen in Deutschland und der wirksamste Katalysator bei der Evolution hin zu einer vollumfänglichen Anerkennung von ADHS durch die Ärzteschaft auch auf der Handlungsebene, das ist die Freiheit des Internets. Auch wenn im Internet bekanntlich viel wirrer Unsinn verbreitet wird, die Präsenz von ADHS im Internet steigt jeden Tag rapide an. Schauen wir mal, wie die Situation für ADHS in Deutschland um 2030 aussehen wird… das Internet wird man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in Deutschland nicht abstellen können, was in China geht ist in Deutschland auf ganz lange Zeit undenkbar und daher wird die Lobby der ADHSler weiter mobil machen können… die Situation in Deutschland ist das eine, die Situation in anderen Ländern in nahe oder fern ist eine weitere Baustelle… neben manchen leuchtentenden Beispielen (die Menge an ADHS-Forschung, die in der Türkei betrieben wird, hat quasi schon den Charakter von Staatsraison) ist da insbesondere in asiatischen kulturell eher konfuzianistisch geprägten Gesellschaften noch ganz viel Weg zu gehen… ADHS wird wohl weltweit ein gesellschaftlicher Battleground bleiben und zwar das gesamte 21. Jahrhundert über…
Avatar #749369
Ambush
am Freitag, 10. April 2020, 14:13

Vor allem Mädchen fallen unter das Raster

https://www.refinery29.com/de-de/2017/04/151067/mein-recht-auf-adhs

Aber insbesondere Mädchen und Frauen mit ADHS sind es, die dann Magersucht, Essstörungen insgesamt, Borderline, soziale Phobie, Depressionen als Folgeerkrankungen von ADHS entwickeln können (nicht müssen). Das Geschlechterverhältnis bei ADHS liegt natürlich bei 1 zu 1 und sämtliche Prävalenzstudien zu ADHS, die immer wieder dieses ungleiche Geschlechterverhältnis von 2 zu 1 bis 5 zu 1 erheben, ziehen die Methodik dieser Prävalenzstudien generell in Zweifel. Michael Moore zu den Umfragen zur Präsidentschaftswahl 2016, in quasi allen Wahlumfragen im Rust Belt führte Hillary Clinton vor Trump. Bei den Wahlen selbst gewann dann Trump in fast allen Staaten des Rust Belt. Michael Moore, der in Flint, Michigan aufgewachsen war und die Region biographisch und anekdotisch einschätzen konnte zuvor voller Angst zu diesen Umfragen: "I don't believe any of these Rust Belt polls.". Er hat damit (leider) Recht gehabt. Analog dazu: "I don't believe any of these ADHD prevalence studies."... Die tatsächliche Häufigkeit von ADHS liegt nicht nur bei um die 4%.
Avatar #763017
agite
am Donnerstag, 9. April 2020, 18:54

ADS statt AHDS

Diese Kinder fallen bei den üblichen Tests durch das Raster, erst recht bei Persistenz im Erwachsenenalter.
LNS

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