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Medizin

COVID-19: Ein Viertel aller Intensivpatienten in der Lombardei gestorben

Mittwoch, 8. April 2020

/picture alliance, Pressebildagentur ULMER

Mailand − Eine mechanische Beatmung kann einen Tod an COVID-19 nicht immer verhindern. In der Lombardei hat nach einem Bericht im Amerikanischen Ärzteblatt (2020; DOI: 10.1001/jama.2020.5394) jeder 4. Patient die Erkrankung trotz intensiv­medizinischer Behandlung nicht überlebt.

Der 1. Patient mit COVID-19 war am 20. Februar auf einer Intensivstation aufgenommen worden. Bis zum 18. März stieg die Zahl auf 1.593 an. Das waren 9 % von 17.713 bis zu diesem Datum dokumentierten Infektionen mit SARS-CoV-2. Wie Maurizio Cecconi von der Università Humanitas in Mailand und Mitarbeiter berichten, wurden 88 % der Patienten endotracheal intubiert und mechanisch beatmet. Die meisten übrigen Patienten kamen mit einer nicht-invasiven Sauerstoffgabe über eine Maske aus.

Der Anteil der beatmeten Patienten war damit höher als in anderen Ländern (Wuhan: 32 bis 62 %). Der hohe Schweregrad der Hypoxie (PaO2/FIO2-Quotient median 160) ließ den Intensivmedizinern jedoch keine andere Wahl. Die Patienten wurden mit einem positiven endexspiratorischen Druck (PEEP) von 14 cm H2O beatmet. Die inspiratorische Sauerstofffraktion lag bei 89 % der Patienten bei über 50 %.

Insgesamt 82 % der Patienten waren männlich. Das Durchschnittsalter betrug 63 Jahre. Die Intensivpatienten waren damit genauso alt wie die COVID-19-Patienten, die nicht auf einer Intensivstation behandelt werden mussten. Ein hohes Alter allein ist deshalb kein Risikofaktor für die Notwendigkeit einer intensivmedizinischen Behandlung. Als Erklärung kommt eher der hohe Anteil von Begleiterkrankungen in Frage, der bei 68 % lag.

Am häufigsten waren Bluthochdruck (49 %), gefolgt von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (21 %), hohen Cholesterinwerten (18 %) und Typ-2-Diabetes (17 %). Insgesamt 8 % der Patienten hatten eine Krebserkrankung, 4 % eine chronisch-obstruktive Lungen­erkrankung (COPD) und jeweils 3 % eine chronische Niereninsuffizienz oder eine chronische Lebererkrankung.

Bis zum 25. März waren 405 Patienten (26 %) gestorben. Weitere 920 Patienten (58 %) wurden noch auf der Intensivstation behandelt, so dass die Sterblichkeit noch ansteigen könnte. Die Sterblichkeit stieg mit dem Alter: Von den 71 bis 80 Jahre alten Patienten sind 40 % gestorben. In der Altersgruppe 81 bis 90 Jahre betrug die Sterblichkeit 52 %. Auch der einzige über 90 Jahre alte Patient starb an den Folgen von COVID-19. © rme/aerzteblatt.de

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