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Medizin

Zöliakie erhöht das Sterberisiko

Donnerstag, 9. April 2020

/M.Dörr & M.Frommherz, stock.adobe.com

Stockholm − Menschen mit einer Zöliakie haben weiterhin ein erhöhtes Risiko, vorzeitig zu sterben, obwohl die Erkrankung heute früher diagnostiziert wird und der Zugang zu glutenfreien Lebensmitteln sich verbessert hat. Dies geht aus einer bevölkerungs­basierten Studie im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA. 2020; 323: 1277-1285) hervor.

Die Zöliakie ist eine immunvermittelte Enteropathie, bei der es zu einer chronischen Entzündung und Atrophie der Dünndarmschleimhaut kommt, die die Resorption von Nährstoffen einschränkt. Die Erkrankung geht mit einem erhöhten Risiko auf Lymphome, osteoporotische Frakturen, einem Typ-1-Diabetes und anderen chronischen Erkrank­ungen einher. Ob diese Komorbidität und die damit erhöhte Mortalität durch den Verzicht auf Gluten verhindert werden kann, ist nicht bekannt.

Ein Team um Jonas Ludvigsson vom Karolinska Institut in Stockholm hat hierzu die Daten von ESPRESSO mit den schwedischen Sterberegistern abgeglichen. ESPRESSO („Epidemiology Strengthened by histoPathology Reports in Sweden“) sammelt die histologischen Diagnosen, die an allen 28 pathologischen Instituten des Landes gestellt werden. In den Jahren 1969 bis 2017 wurde bei 49.829 Schweden nach der Untersu­chung von Darmbiopsien die Diagnose einer Zöliakie gestellt. Von ihnen sind in einer Nachbeobachtungszeit von median 12,5 Jahren 6.596 (13,2 %) gestorben.

Die Mortalität lag mit 9,7 Todesfällen pro 1.000 Personen-Jahren höher als in einer Vergleichsgruppe von 246.426 Schweden gleichen Alters und Geschlechts. Dort kam es zu 8,6 Todesfällen auf 1.000 Personen-Jahre. Ludvigsson ermittelt für die Differenz eine Hazard Ratio von 1,21, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,17 bis 1,25 statistisch signifikant war.

Das Mortalitätsrisiko war in allen Altersgruppen erhöht und in der Altersgruppe von 18 bis 39 Jahren am höchsten (Hazard Ratio 1,69; 1,47 bis 1,94). Ludvigsson erklärt dies mit der längeren Zeit, die jüngere Patienten gegenüber älteren den Folgen der Erkrankung ausgesetzt sind.

Das Sterberisiko war zudem im ersten Jahr der Erkrankung am höchsten. Ludvigsson führt dies auf die erhöhte Krankheitsaktivität in der Zeit vor der Diagnose zurück.

Patienten starben häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Hazard Ratio 1,08; 1,02 bis 1,13), Krebs (Hazard Ratio 1,29; 1,22 bis 1,36) und an Atemwegserkrankungen (Hazard Ratio 1,21; 1,08 bis 1,37).

Das erhöhte Sterberisiko an Atemwegserkrankungen könnte laut Ludvigsson auf eine vermehrte Anfälligkeit gegenüber schweren Infektionen zurückzuführen sein. Den Patienten wird deshalb heute zu einer Pneumokokkenimpfung geraten.

Eine Analyse der jüngsten Diagnosen aus den Jahren 2010 bis 2017 lieferte keine Hinweise auf einen Rückgang des Sterberisikos. Die Hazard Ratio von 1,35 (1,21 bis 1,51) war sogar noch höher als in früheren Jahren. Dies könnte zwar auf das erhöhte Anfangsrisiko zurückzuführen sein. Dass kein Trend zu einem Rückgang des Mortalitätsrisikos erkennbar ist, obwohl die Diagnose heute früher gestellt wird, zeigt laut Ludvigsson an, dass Menschen mit Zöliakie ein erhöhtes Grundrisiko haben, das sich nach der Abheilung der Schleimhaut nicht verändert. © rme/aerzteblatt.de

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