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Medizin

EIDD-2801: Oraler Wirkstoff für das nächste Coronavirus

Mittwoch, 8. April 2020

/Geza Farkas, stock.adobe.com

Nashville/Tennessee − Die derzeitige Pandemie hat ihren Höhepunkt noch nicht erreicht, da stellen US-Forscher in Science Translational Medicine (2020; doi: 10.1126/scitranslmed.abb5883) bereits einen vielversprechenden Wirkstoff für das nächste Coronavirus vor. Das oral verfügbare EIDD-2801 hat Mäuse vor einer Infektion mit SARS-CoV oder MERS-CoV geschützt und bei frühzeitiger Therapie eine Erkrankung kuriert. In Zellkulturen war es auch gegen SARS-CoV-2 wirksam.

Die effektiven Wirkstoffe gegen das HI-Virus und das Hepatitis C-Virus zeigen, dass es möglich ist, Virusinfektionen gezielt zu bekämpfen. Auch gegen MERS, SARS und COVID-19 könnte es erfolgreiche Behandlungen geben. Die Hoffnungen ruhen derzeit auf Remdesivir, das gezielt in die Replikation eingreift. Remdesivir oder genauer seine aktive Form GS-441524 interagiert mit der RNA-abhängigen RNA-Polymerase, die die RNA-Viren zur Vermehrung ihres Erbguts benötigen.

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Einen vergleichbaren, aber wohl nicht identischen Wirkungsmechanismus hat beta-D-N4-Hydroxy-Cytidin (NHC, EIDD-1931). EIDD-1931 wird beim Kopiervorgang als Baustein in die RNA eingebaut. Dies hat allerdings nicht wie bei Remdesivir einen vorzeitigen Abbruch der RNA-Kette zur Folge. Es kommt vielmehr bei weiteren Kopiervorgängen zu Fehlern, deren Zahl rasch zunimmt und bald den Bau von funktionsfähigen Coronaviren verhindert.

EIDD-1931 wurde am Emory Institute for Drug Development (EIDD) in Atlanta schon vor dem Beginn der derzeitigen SARS-CoV-2-Pandemie entwickelt. Es wird vermutlich als Prodrug EIDD-2801 zum Einsatz kommen, das oral verfügbar ist.

Der Anreiz für die Entwicklung von EIDD-2801 war die Erkenntnis, dass es in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten mit hoher Wahrscheinlichkeit zu weiteren Pandemien durch Coronaviren kommen wird. Denn bei Fledermäusen gibt es eine Reihe von Coronaviren, die das Potenzial haben, Säugetiere zu infizieren, zu denen nicht nur der Mensch gehört. Dem „swine acute diarrhoea syndrome“ (SADS), das ebenfalls von einem Coronavirus ausgelöst wird, sind 2016 in China 25.000 Ferkel zum Opfer gefallen.

Bis zu einer Zoonose, die auf den Menschen übergreift, ist es nur ein kurzer Schritt, weshalb es schon vor COVID-19 sinnvoll war, nach möglichen Gegenmitteln zu suchen. Dass EIDD-1931 oder besser sein Prodrug EIDD-2801 ein aussichtsreicher Kandidat für die Abwehr von Coronaviren ist, konnte ein Team um Mark Denison vom Vanderbilt University Medical Center bereits im November im Journal of Virology (2019; 93: e01348-19) in Laborexperimenten zeigen. EIDD-1931 blockierte dort die Replikation mehrerer bekannter Coronaviren. EIDD-1931 blieb auch dann aktiv, wenn die Viren eine Resistenz gegen Remdesivir entwickelt hatten.

Inzwischen haben die Forscher EIDD-1931 an Mäusen untersucht, die mit SARS-CoV und MERS-CoV infiziert wurden. Die Tiere wurden sowohl vor der Infektion als auch nach Ausbruch von Symptomen behandelt. Die beste Wirkung wurde bei einer prophylaktischen Gabe erzielt. Die Behandlung verhinderte, dass es bei den Mäusen zu einem Gewichtsverlust und zu Blutungen in die Lungen kam.

EIDD-1931 war auch therapeutisch wirksam. Das Mittel musste dafür allerdings relativ frühzeitig innerhalb der ersten 24 Stunden gegeben werden. Die Erkrankung entfaltet sich bei Mäusen jedoch schneller als beim Menschen, so dass EIDD-1931 länger wirksam sein könnte. Eine rasche Entwicklung von Resistenzen ist wegen des Wirkungsmechanismus nicht zu erwarten, hoffen die Forscher.

Sie haben EIDD-1931 auch bei SARS-CoV-2 untersucht. Die Erfahrungen sind jedoch bisher auf in-vitro-Experimente beschränkt. Dennoch ist der rasche Beginn einer klinischen Studie geplant. Mit Ergebnissen dürfte jedoch erst in einigen Monaten zu rechnen sein. Für die aktuelle Pandemie könnte das Mittel deshalb zu spät kommen. Denison ist allerdings relativ sicher, dass SARS-CoV-2 nicht das letzte Coronavirus ist, das eine Epidemie auslösen wird. © rme/aerzteblatt.de

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