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Ärzteschaft

COVID-19 kann eine Berufskrankheit sein

Mittwoch, 8. April 2020

/alex.pin, stock.adobe.com

Berlin – Eine SARS-CoV-2-Infektion ist im Regelfall kein Arbeitsunfall, auch nicht für Ärzte, Pflegekräfte und andere Gesundheitsberufler. Anders verhält sich bei der Frage nach einer Berufskrankheit. Das machte die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) auf Nachfrage des Deutschen Ärzteblattes deutlich.

Die DGUV wies darauf hin, dass die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) COVID-19 zur Pandemie erklärt habe. Damit stelle COVID-19 eine Allgemeingefahr dar. Von einer Allge­meingefahr sei auszugehen, wenn in einem bestimmten Gebiet alle Menschen mehr oder minder gleich bedroht seien.

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Erkranke ein Versicherter an einer Gefahr, von der er zur selben Zeit und mit gleicher Schwe­re auch außerhalb seiner versicherten Tätigkeit betroffen gewesen wäre, handle es sich nicht um einen Arbeitsunfall, so die DGUV.

Grund sei, dass sich die Betroffenheit zu­fällig ergebe und unabhängig von der versicher­ten Tätigkeit sei. Ärzte hätten daher bei COVID-19 auch keinen Durchgangsarztbericht zu erstatten.

Eine Berufskrankheit kann aber durchaus vorliegen. „Bei Versicherten, die im Gesund­heits­­dienst, in der Wohlfahrtspflege oder in einem Labo­ratorium tätig sind oder durch eine andere Tätigkeit der Infektionsgefahr in ähnlichem Maße besonders ausgesetzt wa­ren, kommt die Anerkennung als Berufskrankheit der Ziffer 3101 der Anlage 1 zur Berufs­krankheitenverordnung in Betracht“, hieß es von der DGUV.

Die Allgemeingefahr trete dabei wegen des erhöhten beruflichen Risikos in den Hinter­grund. Wenn Ärzte bei Angehörigen von Gesundheitsberufen bei positiver Testung, und entsprechenden Krankheitsanzeichen einen Infektionsweg über die berufliche Tätigkeit vermuteten, „bitten wir bei einem begründeten Verdacht um Erstattung der ärztlichen Berufskrankheitenanzeige (F6000)“, informiert die DGUV. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 8. April 2020, 23:32

Klassische juristische Haarspalterei!

Seit wann bestimmt die WHO die Definition eines Arbeitsunfalls in Deutschland?

Seit wann löscht die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) die Definition eines Arbeitsunfalls bei COVID-19-Erkrankung und SARS-CoV-2-Infektionen selbstherrlich und ohne nachprüfbare Rechtsgrundlage.

Seit wann ist von einer pandemischen Allge­meingefahr auszugehen, wenn nur, ausschließlich und speziell im BG-Bereich Gesundheitswesen und Wohlfahrtspflege Menschen und Mitarbeiter ganz besonders von Infektionsfällen bedroht sind, während die Allgemeinbevölkerung nur ein vergleichsweise geringes, allgemeines Infektionsrisiko aufweist.

Man spürt förmlich die klammheimliche Freude bei der DGUV-Feststellung: "Erkranke ein Versicherter an einer Gefahr, von der er zur selben Zeit und mit gleicher Schwe­re auch außerhalb seiner versicherten Tätigkeit betroffen gewesen wäre", mit der in der Tat die Fiktion verbunden ist, ausnahmslos jeder in Deutschland könne gleichermaßen das Risiko tragen, zu erkranken. Dem ist aber nicht so.

Es handelt sich doch wesentlich eher um einen Arbeitsunfall. Die Betroffenheit ergibt sich nicht zu­fällig, sondern durch die Abhängigkeit von der versicher­ten Tätigkeit.

Ärzte müssen daher bei bestehendem Anfangsverdacht auf eine Arbeitsunfall bedingte COVID-19-Erkrankung insbesondere bei mangelhaften oder schadhaften Schutzvorkehrungen einen Durchgangsarztbericht abhängig von der versicher­ten Tätigkeit erstellen. Der Durchgangsarztbericht muss dann pflichtgemäß von der DGUV geprüft und mit Rechtsmittel-Belehrung beschieden werden.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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