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Politik

COVID-19: Nicht nachlässig werden

Donnerstag, 9. April 2020

/picture alliance, Markus Schreiber

Berlin – In mehreren Appellen haben sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bun­des­gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Bun­des­fa­mi­lien­mi­nis­terin Franziska Giffey (SPD) sowie viele Ministerpräsidenten an die Bevölkerung gewandt, die Schutzregelun­gen während der Osterfeiertage weiter zu befolgen.

„Wir müssen konsequent bleiben, durchhalten. Und wir können dann – das haben die letzten Tage allerdings auch gezeigt – das Land gegen das Virus verteidigen und diese schwere Prüfung, die in unterschiedlicher Form noch eine ganze Weile anhalten wird, dann auch bis zum Ende bestehen“, sagte Kanzlerin Merkel in Berlin.

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Zwar flache der Anstieg der Erkrankungszahlen ab, gleichzeitig wolle sie dennoch nicht, dass man einen großen Schritt bei den Lockerungen der Einschränkungen unternimmt, „der uns dann wieder völlig zurückwirft“. Es wäre das Schlimmste, wenn dann die ganz harten oder gar noch härtere Maßnahmen wieder eingeführt werden müssten. „Das fände ich das Allerschwierigste. Und deshalb wird es Geduld brauchen.“

Auch Spahn rief die Bürger dazu auf, die Kontaktbeschränkungen wegen der Coronakrise über die anstehenden Feiertage unbedingt einzuhalten. „Ostern wird eine Weggabelung sein“, sagte der CDU-Politiker in Berlin. „Bleiben wir auch übers Wochenende konsequent, wird die schrittweise Rückkehr zur Normalität wahrscheinlicher. Werden wir jetzt nach­lässig, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Verlängerung der Auflagen nötig wird.“

Lob an Familien

Familienministerin Giffey lobte, wie gut die Familien die derzeitige Situation meisterten. „Was da geschafft wurde ist ja ein guter Beitrag zu den Entwicklungen. Das was wir da geschafft haben, sollten wir an den Feiertagen nicht aufs Spiel setzen. Die Zeit mit dem Virus wird vorüber gehen.“

Nach Ansicht von Stressforscher Mada Adli bewältige die Bevölkerung gerade ein großes Präventionsprojekt. Er warb dafür, dass die Menschen „emotionalen Bedürfnisse“ anspre­chen sollten. Besonders schwierig sei die derzeitige „psychologische Krise“, weil die übli­chen Bewältigungsstrategien von Stress, wie beispielsweise Hobbies, Sport, Freunde treffen oder Kultur, nicht möglich seien.

Zur Bewältigung des Stresses müsse man bald über das Ende der Maßnahmen sprechen und damit Hoffnung geben. „Die Hoffnung ist die Währung für die Psyche“, so Adli auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit Spahn, Giffey und RKI-Präsident Lothar Wieler.

Erste Erfolge

Nach Aussagen von Spahn zeigten die Einschnitte in den Alltag Wirkung mit ersten Erfol­gen. So gebe es bei fast 110.000 Infizierten mehr als 50.000 Genesene. Auch wenn eine schrittweise Rückkehr zur Normalität angestrebt werde, sei man weit davon entfernt, dass alles so werde, wie es einmal war. Es müsse noch über Wochen und Monate etwa auf Festivals, Clubbesuche oder Volksfeste verzichtet werden.

In dem Zusammenhang warnte er auch vor dem Begriff einer „Exit“-Diskussion. Spahn sprach sich dafür aus, lieber in Schritten und Paketen von Maßnahmen vorzugehen und dann immer eine Zeit lang zu schauen, welche Folgen es auf Infektionsgeschehen und Behandlungskapazitäten habe.

Der Minister betonte, das Gesundheitswesen habe bei allen Problemen eine starke Basis, so dass Deutschland bisher „vergleichsweise gut durchgekommen“ sei. Derzeit seien rund 3.000 COVID-19-Patienten in Intensivbehandlung, dennoch seien mehr als 10.000 Inten­siv­betten frei. Möglich seien am Tag bis zu 100.000 Tests, nun auch zusehends in Pflege­einrichtungen. Sechs von sieben Corona-Patienten würden ambulant in Praxen behandelt, die den „ersten Schutzwall“ bildeten.

Außerdem sei es in der ambulanten wie stationären Versorgung gelungen, die Wege der Patienten aufzuteilen: So gebe es „dank des Engagements“ in vielen Arztpraxen und Kran­ken­häusern nun den Eingang für die Regelversorgung sowie den Eingang für Patien­ten mit COVID-19-Verdacht. Die Krise mache deutlich, wie leistungsstark das Gesund­heits­­­­system sei. „Applaus ist schon da, das ist gut. Ich weiß auch, dass es um finanzielle Fragen geht. Daran arbeiten wir“, so der Minister.

Um das Gesundheitswesen auch weiter am Laufen zu halten, müsse es auch weiter genü­gend Schutzausrüstung geben. Die Bundesregierung sieht einen riesigen Bedarf an Schutz­masken allein in diesem Jahr. So müssten eine Milliarde OP-Masken Deutschland erreichen sowie über 450 Millionen FFP-2-Masken. Um unabhängiger von China zu wer­den, sollen der Aufbau und der Ausbau der Produktion medizinischer Schutzausrüstungen in Deutschland vorangetrieben werden.

Dazu wurde im Corona-Kabinett heute in Berlin beschlossen, dass neben der Beschaffung im Ausland auch Anreize für den Aufbau einer inländischen Maskenproduktion aufgebaut werden soll. Im Wirtschaftsministerium wurde dazu ein Arbeitsstab eingerichtet. Wirt­schaftsminister Peter Altmaier (CDU) machte deutlich, eine ausreichende Zahl an Schutz­ausrüstung sei von entscheidender Bedeutung, wenn es darum gehe, das öffentliche Le­ben und die Wirtschaft wieder hochzufahren.

Spahn berichtete, nach einer ersten kleineren Ausschreibung seien mehr als 100 Angebo­te eingegangen, die zuschlagsfähig erschienen. Dabei gehe es um erste Lieferungen bis Mitte August. Verträge sollten eine Laufzeit bis Ende 2021 haben, um Planungssicherheit zu bieten. © bee/dpa/aerzteblatt.de

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meerwind7
am Donnerstag, 9. April 2020, 21:29

Nachvollziehbare Entscheidungen über Restriktionen zur Eindämmung des Covid-19-Ausbruchs?

Auf Seiten der politisch Verantwortlichen sind wenig Diskussionen über verschiedene Restriktionsmaßnahmen, deren Effektivität und deren Priorisierung wahrnehmbar, auch wenige zu den Zielen der derzeitigen Maßnahmen (Durchseuchung ohne Überlastung des Gesundheitssystems, möglichst enge Eindämmung der Krankheitsausbreitung bis zu Impfstoffen oder etwas anderes). Ich bekomme den Eindruck, hier greifen dieselben Kriterien wie bei vielen anderen politischen und gesetzlichen Vorgängen:
Entscheidend sind nicht wissenschaftliche Kriterien, sondern Meinungsumfragen und Urteile. Nachdem aktuelle Meinungsumfragen eine Öffnung der Schulen bevorzugen, könnte diese als erstes kommen. Eine Öffnung der Strände für Einheimische wurde gerade in MeckPomm durch gerichtliches Eilverfahren bewirkt, vielleicht folgen weitere Aktivitäten mit erkennbar geringem Ausbreitungsrisiko.
Stattdessen müsste jetzt eine große Tabelle erstellt werden, in der zu verschiedenen Restriktionen (z.B. geschlossenen Orten) jeweils eine Abschätzung gegeben wird,
# wie stark diese die Wahrscheinlichkeit der Virenverbreitung bei den entsprechenden Aktivitäten eindämmen, und
# wie effektiv verschiedene Möglichkeiten wären, die Virenausbreitung auch bei Durchführung derartiger Aktivitäten durch zweckdienliche Schutzvorkehrungen zu reduzieren,
# wie hoch der gegenwärtige Infiziertenanteil unter den Teilnehmern ist, und auch die von ihnen ausgehende Virenausbreitung unter Berücksichtigung der Krankheitsphase,
# wie stark die Teilnehmer solcher Aktivitäten längere Ausbreitungsketten verursachen, insbesondere nicht so gut erkennbare Ausbreitungsketten wegen überregionaler Verbreitung oder Übertragung bei kurzzeitigen „Zufallskontakten“ (z.B. Apres-Ski-Bars) und ob sie häufiger mit einem „Auslaufen“ der Virusübertragung einhergehen, bzw. korrespondierend dazu,
# ob etwaige Ausbreitungsketten gut erkannt und eingedämmt werden können (vgl. Karnevalsfeier in Heinsberg gegenüber Infektionen in Skiorten),
# wie gefährdet der übliche Teilnehmerkreis der Aktivitäten und die Menschen in den von ihnen ausgehenden Ausbreitungsketten ist. (Auflistung kann erweitert werden).
Die zugrunde liegenden Ansteckungswege, für die es je nach Aktivität oder Versammlungsort unterschiedliche Schwerpunkte geben wird (z.B. Tröpfchen, Aerosole, Geschirr, Berührung anderer Personen) kann man auch allgemeiner analysieren.
Z.B. kann eine an sich hohe Ansteckungsgefahr seuchenhygienisch besser zu bewältigen sein, wenn sich der Virus in einem begrenzten und kontrollierbaren Umkreis ausbreitet, im Vergleich zu einer Großveranstaltung mit anonymen Teilnehmern und Übertragungswegen. Eine Besonderheit ist vielleicht ein Veranstaltungsort mit hoher Übertragungsgefahr und internationalem, aber innerhalb einiger Tage mehrfach wiederkehrendem Publikum, wenn nach einer ersten Ansteckungsrunde die infizierten Personen denselben Ort wieder aufsuchen und dann weitere Ansteckungsrunden verursachen, aber bis zu einem stärkeren Ausbruch der Krankheit den Ort verlassen haben. Skifahrer werden Beispiele kennen.

Natürlich kann es sich vielfach nur um sachkundige Einschätzungen handeln. Dabei wären u.a. auch Aerodynamiker und Gebäudetechniker (v.a. Lüftungstechnik), Verhaltenspsychologen und Vertragsrechtlicher einzubeziehen.
Dass fehlende Lohnfortzahlung im Krankheitsfall die Ausbreitungsgefahr erhöht, wird v.a. im Kontext der USA diskutiert. Hinderliche vertragliche Regelungen gibt es aber auch bei vielen Verträgen in Deutschland, wenn z.B. Beförderungsleistungen im Zug oder Flugzeug, Hotelbuchungen oder Eintrittskarten bei Krankheit nicht storniert werden können, so dass die Leistung tendenziell auch von (bislang) leicht erkrankten in Anspruch genommen wird, statt dass sich diese zu Hause auskurieren oder wenigstens Kontakte meiden und die Fahrt ggf. ein paar Tage später antreten. Die hohen Kosten bei kurzfristigen Umbuchungen behindern häufig ein verantwortungsgerechtes Verhalten. Selbst nach Ausbruch der Krise bietet z.B. die Deutsche Bahn zuggebundene, nicht stornierbare Tickets an.
LNS

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