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Charité-Serie geht in die dritte Staffel

Dienstag, 14. April 2020

Philipp Hochmair als österreichisch-deutscher Gerichtsmediziner Otto Prokop (1921-2009) sitzt bei den Drehabreiten zur dritten Staffel der ARD-Serie „Charité“ in einem Hörsaal der Universität für Chemie und Technologie. /picture alliance, Michael Heitmann

Prag − Experten der Berliner Charité wie der Virologe Christian Drosten sind in der Coro­nakrise viel gefragt. Doch die Geschichte des ältesten Krankenhauses Berlins ist nicht weniger faszinierend als seine Gegenwart. Das haben auch die Fernsehmacher der ARD längst entdeckt. Vor kurzem wurden die Dreharbeiten für die bereits dritte Staffel der Serie „Charité“ in Prag beendet, nun beginnen Schnitt und Postproduktion.

Nach der Kaiserzeit und dem Zweiten Weltkrieg dreht sich diesmal alles um eine schick­sal­hafte Nacht vom 12. auf den 13. August 1961 begannen DDR-Truppen mit dem Bau einer Mauer durch Berlin. Und die Charité mit ihrem heutigen Campus Mitte grenzte un­mittelbar an die neue unmenschliche Barriere.

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Die Schauspielerin Nina Gummich findet es spannend zu erzählen, wie sich die politi­schen Umstände auf das Leben im Inneren des Krankenhauses ausgewirkt haben. „Da gibt es plötzlich Ärzte, die nicht mehr da sind, die noch schnell das Land verlassen haben“, er­zählte die 28-Jährige in einer Drehpause. „Oder man kam nicht mehr an Medikamente heran, weil die Zufuhr gesperrt wurde.“

Gummich spielt in der dritten Staffel die Hauptrolle der jungen Ärztin Ella, die mit einem ungeheuren Forschungsdrang an das Universitätsklinikum kommt. Deren Mutter ist an Krebs gestorben, als sie noch klein war. Ella hat sich zum Ziel gesetzt, die Früherkenn­ung bösartiger Tumore voranzubringen. Doch sie muss hart darum kämpfen, Blutproben für ihre Forschung zu bekommen.

„Ella hat da einen sehr großen Dickkopf“, sagt Gummich, die sich sorgfältig auf die Rolle vorbereitet hat. Denn die Handgriffe bei der Untersuchung eines Patienten müssen sitzen und so aussehen, als ob man das tagtäglich macht. „Es ist aufregend, eine Ärztin zu spie­len, weil ich sonst damit gar nichts zu tun habe − und auch nicht unbedingt gerne zum Arzt gehe“, sagt die Schauspielerin.

Es geht um starke Frauen. Und eine solche war zweifellos die Kinderärztin Ingeborg Ra­po­port (1912-2017), gespielt von Nina Kunzendorf. Schlagzeilen machte Rapoport im Mai 2015 mit ihrer nachträglichen Promotion im Alter von 102 Jahren. Denn die National­­so­zialisten hatten ihr allein wegen ihrer jüdischen Vorfahren die Doktorwürde verweigert. Damals gelang ihr die Flucht in die USA. Nach dem Krieg ging sie in die DDR und revo­lutionierte dort die Behandlung von frühgeborenen Säuglingen.

Das sei damals wegweisend gewesen, sagt der Vorstandsvorsitzende der echten Charité in Berlin, Heyo Kroemer. Generell habe die Medizin in der DDR sehr unter der materiellen Knappheit gelitten. Doch das Engagement der Leute sei „absolut herausragend“ gewesen.

Ost-West-Konflikte innerhalb des Klinikverbunds, zu dem längst auch der einstige West-Berliner Campus Benjamin Franklin gehört, spüre er heute nicht mehr so. „Es ist jetzt eine neue Generation da, die nicht mehr mit dieser Konflikt-Situation aufgewachsen ist“, sagt der Pharmakologe.

Für den Abschluss der Dreharbeiten hat sich die Filmcrew eine besonders aufwendige Szene aufgehoben. Der Schauspieler Philipp Hochmair steht vor einem prall gefüllten Hörsaal. In einem viele Minuten langen Monolog schwärmt er als Professor Otto Prokop von seiner neuesten Erfindung − dem Vaterschaftstest.

„Vaterlose Kinder sind eine Zeitbombe, denken Sie an Ödipus, Willy Brandt, Jesus Christ­us“, proklamiert der Professor. Regisseurin Christine Hartmann studiert mit den Kompar­sen präzise ein, wann diese verklemmt zu lachen haben. Denn ein Hörsaal-Publikum von heute reagiert ganz anders als eines vor 60 Jahren. © dpa/aerzteblatt.de

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