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Ausland

Trump-Berater bestätigt Bericht zu später Reaktion der USA auf Corona-Pandemie

Montag, 13. April 2020

Corona-Notlazarett in New York Citys Central Park. /picture alliance, AP Photo

Washington – Der Berater von US-Präsident Donald Trump in der Corona-Pandemie, der Virologe Anthony Fauci, hat einen Bericht bestätigt, wonach die USA zu spät auf die Krise reagierten. Es hätten Leben gerettet werden können, wenn öffentliche Einrichtungen früher geschlossen worden wären, sagte Fauci dem Sender CNN.

Die New York Times hatte zuvor geschrieben, Trump habe zu spät reagiert, weil er sich zum einen auf sein Bauchgefühl verlassen und zum anderen den Staatsbediensteten miss­traut habe. Fauci, der bereits sechs US-Präsidenten in Folge beriet, sagte CNN, es habe anfangs großen Widerstand gegeben, das öffentliche Leben herunterzufahren. Den Präsidenten nannte er dabei aber nicht namentlich.

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Trump selbst verurteilte den Zeitungsartikel als „Fake News“. Der Bericht sei „ein Fake, genau wie die 'Zeitung' selbst“, erklärte der Präsident auf Twitter. Er verwies auf den von ihm früh verhängten Reisebann gegen China – lange bevor andere Länder dies getan hätten. Dennoch sei er dafür kritisiert worden. Zudem postete Trump ein Interview mit Fauci, in dem dieser sagte, die USA hätten „zu Beginn der Krise keine korrekten Informa­tionen erhalten“.

In den USA sind bereits mehr als 22.000 Menschen an den Folgen einer Infektion mit SARS-CoV-2 gestorben. Die Zahl der Infizierten stieg nach Angaben der Johns Hopkins University auf mehr als 557.000. Damit verzeichnen die USA die höchste Corona-Todes- und Infektionsrate weltweit.

Dennoch gab es Zeichen für eine leichte Entspannung in der Krise so sank etwa die Zahl der Todesopfer am zweiten Tag in Folge: Die Johns-Hopkins-Universität in Baltimore ver­zeichnete gestern Abend 1.514 neue Todesfälle binnen 24 Stunden. Am Samstag hatte die Universität noch 1.920 Corona-Tote gezählt, am Freitag 2.108.

Kein Lichtschalter

Fauci äußerte die vorsichtige Hoffnung, dass die USA möglicherweise im Mai damit be­ginnen könnten, ihre massiven Abschottungsmaßnahmen etwas zu lockern. Die Lage wer­de Ende April beurteilt, und dann würden entsprechende Entscheidungen getroffen, sagte er CNN. Sollte die Lage aber keine Lockerungen zulassen, würden die Ausgangs­restriktionen unverändert fortgesetzt.

Nach den Worten des Virologen lässt sich die Epidemie in den USA keinesfalls wie mit „einem Lichtschalter“ einfach wieder ausknipsen. Er rechne damit, dass die Regionen zu unterschiedlichen Zeitpunkten bereit sein werden, zum normalen Alltag zurückzukehren.

Trump hatte zwischenzeitlich die Hoffnung geäußert, schon an Ostern eine Rückkehr zur Normalität einleiten zu können, um die Wirtschaftsaktivität wieder anzukurbeln. Nun will sich der US-Präsident von einem Expertenteam über die Lockerung der Einschränkungen beraten lassen. Morgen will er den „Rat zur Öffnung unseres Landes“, wie er ihn nannte, vorstellen. Dem Gremium sollen demnach „großartige Ärzte und Geschäftsleute“ sowie parteiübergreifende Experten angehören. Er stehe vor der „größten Entscheidung“ seines Lebens, sagte Trump dazu.

Die Entscheidungen über die Ausgangsbeschränkungen liegen in den USA allerdings überwiegend in den Händen der Bundesstaaten sowie der kommunalen Behörden. Auf Bitten Trumps werden südkoreanische Firmen erstmals die USA mit Coronavirus-Tests beliefern.

Sondereinheit in Ecuador holt fast 800 Leichen aus Häusern

Polizei und Militär in Ecuador haben in den vergangenen drei Wochen fast 800 Leichen aus Häusern in der besonders von der Coronavirus-Pandemie betroffenen Stadt Guayaquil geholt. 771 Leichen seien von einer Spezialeinheit aus den Häusern gebracht worden, schrieb Jorge Wated, Chef der Sondereinheit, am Sonntag im Onlinedienst Twitter.

Aus der Hafenstadt im Süden Ecuadors wurden nach offiziellen Angaben 4.000 der 7.500 Infektionsfälle des Landes gemeldet. Krankenhäuser und Bestattungsdienste sind von dem Virusausbruch überfordert. Weitere 631 Leichen seien von der Sondereinheit aus Krankenhäusern fortgebracht worden, deren Leichenhallen voll seien, erklärte Wated weiter. Er nannte keine Todesursache für die mehr als 1.400 Todesfälle.

Anfang April hatte Wated jedoch gesagt, Experten schätzten, dass „allein in der Provinz Guayas zwischen 2.500 und 3.500 Todesfälle in Verbindung mit COVID-19 auftreten werden“. Offiziellen Angaben zufolge starben bislang 333 Menschen in Ecuador an der durch das neuartige Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit.

Die Spezialeinheit hatte vor drei Wochen ihre Arbeit aufgenommen, nachdem die Lei­chen­hallen überfüllt waren. Dies hatte zu Verzögerungen bei den Bestattungen geführt. Bewohner von Guayaquil hatten in Onlinediensten Videos von auf der Straße zurückge­lassenen Leichen und Hilferufe von Familien veröffentlicht, die ihre Toten begraben woll­ten. Mittlerweile haben die Behörden 600 Leichen bestattet. Die Angehörigen, die bei der Beerdigung nicht anwesend seien dürfen, können sich online informieren, wo die Toten begraben sind.

Die Regierung verhängte eine tägliche 15-stündige Ausgangssperre, um die Virusausbrei­tung einzudämmen. Präsident Lenín Moreno gab auf Twitter bekannt, dass er angesichts der durch die Pandemie ausgelösten Wirtschaftskrise und dem Verfall der internationalen Ölpreise, beschlossen habe, sein Gehalt und das anderer Regierungsmitglieder um die Hälfte zu kürzen. Wirtschaftsminister Richard Martínez warnte, dass die Wirtschaft um vier Prozent des Bruttoinlandsproduktes einbrechen könnte.

Spanier kehren zur Arbeit zurück

In Spanien, wo Ostermontag kein Feiertag ist, steht die erste Lockerung der strikten Aus­gehbeschränkungen für die fast 47 Millionen Einwohner an. Seit zwei Wochen durfte nur noch zur Arbeit, wer in unverzichtbaren Branchen tätig ist.

Ab heute dürfen die meisten Spanier nun an ihre Arbeitsplätze zurückkehren – die stren­ge Ausgehsperre, die noch bis mindestens Mitternacht am 25. April gilt, bleibt aber an­sonsten bestehen. Privat dürfen die Menschen seit Mitte März nur noch zum Einkaufen und in Sonderfällen vor die Tür.

„Die Pandemie wird kontrolliert. Die Daten werden in den kommenden Wochen dank des wirtschaftlichen Winterschlafes noch besser sein“, sagte Ministerpräsident Pedro Sánchez mit Blick auf die zweiwöchige Zwangspause der Arbeitnehmer.

Die positive Tendenz im Kampf gegen das Virus hielt derweil auch über Ostern an. Binnen 24 Stunden wurden knapp 4.200 neue Fälle registriert, eine Zunahme um knapp 2,6 Prozent auf insgesamt 166.000.

Einen Hoffnungsschimmer gab es auch aus Italien. Dort wurden gestern 431 Corona-Tote binnen 24 Stunden registriert. So niedrig war der Anstieg seit längerem nicht gewesen. Insgesamt starben in dem Land seit Februar 19.899 Menschen im Zusammenhang mit der COVID-19-Krankheit, wie der Zivilschutz mitteilte. Die Gesamtzahl der Infizierten stieg moderat auf 156.363 Fälle (plus gut 4000).

Von einem „düsteren Tag“ sprach der britische Ge­sund­heits­mi­nis­ter Matt Hancock. Die Corona-Todeszahlen hatten am Wochenende die 10.000er-Marke übersprungen. Experten rechnen mit einer hohen Dunkelziffer, da vor allem viele Opfer in Seniorenheimen noch nicht erfasst sind. Viele Experten fürchten, dass das Gesundheitssystem der Krise nicht standhalten werde und Großbritannien schon bald das am schlimmsten von der Pande­mie betroffene Land in Europa sein könnte.

Aber zumindest der an COVID-19 erkrankte Premierminister Boris Johnson hat seine schwere Erkrankung überstanden. Er konnte das Krankenhaus verlassen und soll sich nun auf dem Landsitz Chequers erholen. Der 55-Jährige lobte die Mitarbeiter des St. Thomas'
Hospitals in höchsten Tönen: „Ich verdanke ihnen mein Leben.“ Es wird erwartet, dass er erst in einigen Wochen die Regierungsgeschäfte übernehmen kann. Johnson ist über den Berg, sein Land noch nicht.

China meldet mehr als 100 Corona-Neuinfektionen

China hat heute die höchste Zahl an Coronavirus-Neuinfektionen seit über einem Monat gemeldet. Insgesamt seien binnen 24 Stunden 108 Menschen mit Coronasymptomen registriert worden, teilte die nationale Gesundheitskommission mit. Bereits gestern hatte die Zahl der neuen „importierten“ Fälle bei 97 gelegen. Bei den meisten Fällen handelt es sich demnach um Reisende, die aus dem Ausland in ihre Heimat zurückgekehrt waren.

In China hatte die Virus-Pandemie Ende des vergangenen Jahres seinen Ausgang genom­m­en. Inzwischen haben die Behörden den ersten Ausbruch nach eigenen Angaben unter Kontrolle, doch wächst die Sorge vor einer zweiten Welle von Infektionen, die aus dem Ausland eingeschleppt werden. © afp/aerzteblatt.de

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