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Coronakrise: Hilfreiche Tools für den medizinischen Alltag

Mittwoch, 15. April 2020

/BillionPhotos.com, stock.adobe.com

Berlin – Über Apps lassen sich Patienten künftig stärker aktiv einbeziehen, wenn es um die Ausgestaltung der Versorgung oder auch um Wissensgenerierung für Forschungsfra­gen vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie geht. Aber auch für Ärzte und weiteres medizi­nisches Fachpersonal gibt es digitale Werkzeuge, die den Durchblick in der Infor­ma­tionsflut erleichtern oder den Informationsaustausch fördern. Einige Beispiele.

CovApp zur Entscheidungshilfe

Die „CovApp“ der Charité – Universitätsmedizin Berlin und Data4Life soll Menschen eine Entscheidungshilfe anbieten, ob sie eine COVID-19-Untersuchungsstelle aufsuchen sollen. Für diejenigen, die den Fragebogen der CovApp durchlaufen haben, kann die App das Arztgespräch vor Ort unterstützen und dazu beitragen, die Wartezeit zu verkürzen.

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Die Lösung ist als Open-Source-Software verfügbar, sodass Softwareingenieure weltweit die App weiterentwickeln können. Da der zugrunde liegende Quellcode öffentlich bereitsteht, können andere medizinische Einrichtungen die Web-Anwendung in HTML, JavaScript und CSS nutzen.

Darüber hinaus kann ein QR-Code generiert werden, über den sich die Ergebnisse des Fragebogens in die Patientenmanagementsysteme übermitteln und damit die Abläufe vor Ort noch effizienter gestalten lassen.

COVID-19-Symptom-Tracker für die Forschung

Das Universitätsklinikum Freiburg hat ebenfalls eine Fragebogen-App vorgestellt. Die App „COVID-19 Symptom-Tracker“ soll den Ärzten wichtige Hinweise zum besseren Ver­ständnis der Erkrankung geben und die Diagnostik unterstützen.

Nach Erfassung von anonymen Daten der Nutzer und deren Vorerkrankungen wird über tägliche Fragebögen deren Gesundheitszustand dokumentiert. Ergeben sich daraus Hin­weise, die stark für eine COVID-19-Erkrankung sprechen, erhalten die Betreffenden einen entsprechenden Hinweis.

Zwar ersetzt die App nicht den Arztkontakt und kann eine Infektion nicht mit letzter Si­cherheit bestätigen oder ausschließen. Mit den anonymisierten Daten können die For­scher aber den Verlauf, die Häufigkeit und die zeitliche Abfolge bestimmter Beschwerden sowie Hinweise auf Risikofaktoren auswerten.

„Die App ermöglicht eine neue Dimension bei der Datenerfassung. Sie kann damit wich­tige Hinweise auf den Verlauf von COVID-19 liefern und möglicherweise sogar helfen, Er­krankungen frühzeitig zu erkennen und somit die Ausbreitung zu verhindern“, sagte Fre­de­rik Wenz, Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Freiburg.

Neben häufig geschilderten Symptomen wie Husten und Fieber treten auch Durchfall, Atemnot, Kopfschmerzen und andere Beschwerden als Anzeichen einer Infektion mit dem Coronavirus auf.

Die App ist für iOS verfügbar, eine Android-Version soll in Kürze folgen. Sämtliche Daten werden anonymisiert und verschlüsselt auf einem Server in Deutschland abgelegt. Teil­nehmen können Personen ab 18 Jahren.

Bei unklaren Krankheitssymptomen oder nach Kontakt zu Corona-positiv getesteten Pa­tienten kann die App heruntergeladen werden. Nach einem Basisfragebogen, der etwa fünf Minuten in Anspruch nimmt, erfragt die App täglich die aktuellen Symptome. Der Aufwand liegt bei etwa drei Minuten am Tag.

#M4MvsCOVID: Hilfen von Ärzten für Ärzte aus der Praxis

#M4MvsCOVID ist ein Zusammenschluss von engagierten Medizinern aus der Notfall-, Akut und Intensivmedizin, die sich der Idee der Free Open Access Medical Education (#FOAMed) verschrieben haben und in der Coronakrise gegenseitig unterstützen wollen.

Ihr Ziel ist es, medizinische Inhalte sowie die Empfehlungen nationaler und internatio­na­ler Fachgesellschaften zu COVID-19 auf dem aktuellsten Stand zu diskutieren und praxis­nah für andere Ärzte aufzubereiten. Seit kurzem ist die interaktive Webseite „Mediziner für Mediziner gegen COVID“ freigeschaltet.

Medizinisches Fachpersonal – Ärzte, Pflegekräfte, Rettungsdienstpersonal und sonstige Behandler – soll dort eine fokussierte erste Hilfestellung im Umgang mit teils hoch kom­plexen Krankheitsbildern erhalten.

Weil im klinischen Alltag und unter den teilweise hochgradig belastenden Umständen oft keine Zeit dafür bleibe, die täglich erscheinenden Empfehlungen zu sichten und einzu­ord­nen, soll praxisnahes Erfahrungswissen zum Umgang mit COVID-19 breit zur Verfü­gung gestellt werden, heißt es auf der Webseite.

Wenn keine ausreichend genaue Evidenz durch Studien vorhanden ist, wird versucht, eine Hilfestellung, etwa durch Einzelmeinungen von Experten, zu geben. Die Informationen gliedern sich in die Bereiche Präklinik, Notaufnahme, Normalstation, Intensivstation, Beatmung und Hygiene.

Graph-Technologie für COVID-19-Forscher

Das Anfang März gestartete Projekt „COVID*Graph“ entwickelt einen Knowledge Graph, um Forschenden einen schnellen Zugriff auf aktuelle wissenschaftliche Daten zu ermög­lichen.

Ziel sei es, möglichst schnell Erkenntnisse über Verbreitung und Krankheitsverlauf des Co­ronavirus zu gewinnen und so die Entwicklung eines Impfstoffs zu beschleunigen, teil­te das Unternehmen Neo4j mit, das die Graph-Datenbank zur Verfügung stellt. Das Pro­jekt wird unter anderem vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD) und der Universität Freiburg unterstützt.

Knowledge Graphen sind semantische Wissensdatenbanken, in denen eine große Anzahl heterogener Daten aus unterschiedlichen Quellen gespeichert, verknüpft und abgefragt werden kann. Das intuitive Modell aus Knoten und Kanten ermöglicht es, gesammeltes Wissen anschaulich abzubilden, Zusammenhänge aufzudecken und Muster zu erkennen. Das Verknüpfen großer Datensätze und deren Auswertung sollen Ansätze für weitere For­schungsarbeiten liefern.

Wissenschaftliche Publikationen und Forschungsarbeiten werden in einem zentralen „COVID-19 Wissens-Hub“ auf Basis der Graph-Datenbank gebündelt. Verknüpft werden dabei öffentlich zugängliche Datenquellen zum Coronavirus, relevante Patentschriften sowie Datensätze aus Genom- und molekularbiologische Datenbanken.

„In den letzten Monaten wurde sehr viel und sehr schnell über das Coronavirus publiziert. Allein die COVID-19 Open Research Datenbank (CORD-19) zählt 44.000 wissenschaftliche Artikel.

Für die medizinische Forschung ist es schwer den Überblick zu behalten – vor allem da bislang keine Zeit war, die Arbeiten in gewohnter Weise zu validieren“, erklärt Alexander Jarasch, Leiter Bioinformatik und Datenmanagement vom DZD und Mitinitiator von COVID*Graph. „Mit unserem Projekt wollen wir Forschern und Wissenschaftlern hel­fen, schnell und unkompliziert einen Weg durch die Unmenge an Informationen zu fin­den.“

In der Datenanalytik sind Graph-Datenbanken etwa in der medizinischen Forschung und bei der Medikamentenentwicklung weit verbreitet. Im Kampf gegen COVID-19 kann Graph-Analytik beispielsweise eingesetzt werden, um Kontaktpersonen von infizierten Menschen zu erfassen (Clustern). Über Kürzester-Pfad-Algorithmen lassen sich beispiels­weise Infektionswege über mehrere Kontaktpunkte hinweg zurückzuverfolgen.

Neo4j hat daher alle COVID-19 relevanten Graph-Projekte in sein „Graphs4Good”-Pro­gramm aufgenommen. Anwender, die Graph-Technologie im Kampf gegen das Corona­virus einsetzen, erhalten kostenfrei Zugriff auf die Enterprise-Version der Datenbank. Darüber hinaus unterstützt das Unternehmen bei der Vermittlung von Mentoren, dem Teilen von Datensätzen und dem Austausch innerhalb der Community. © KBr/aerzteblatt.de

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