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Medizin

Autoantikörper im Gehirn könnte epileptische Anfälle auslösen

Montag, 4. Mai 2020

Nervenzelle eines Patienten mit ihren Fortsätzen − Die hellen Punkte markieren die Synapsen, über die sie mit anderen Nervenzellen kommuniziert. Die Anti-Drebrin-Autoantikörper sind gelb gefärbt /AG Becker, Uni Bonn

Bonn – Wissenschaftler vom Universitätsklinikum Bonn haben einen Autoantikörper identifiziert, der vermutlich bei manchen Patienten für eine sogenannte limbischen Enzephalitis – eine Hirnentzündung im Bereich des Hippokampus – verantwortlich ist. Diese wiederum kann sich unter anderem durch epileptische Anfälle äußern. Die Arbeit ist in den Annals of Neurology erschienen (DOI 10.1002/ana.25720).

Die Wissenschaftler um Albert Becker fanden einen Autoantikörper gegen das Protein „Drebrin“ in der Rückenmarksflüssigkeit von Epilepsiepatienten, die unter einer akuten Entzündung des Hippocampus litten. Drebrin wirkt an den Synapsen zwischen den Neuronen. Wenn der Autoantikörper auf ein Drebrin-Molekül trifft, blockiert er es und stört dadurch die Informationsweiterleitung zwischen Nervenzellen. Gleichzeitig alarmiert er das Immunsystem, das dadurch aktiviert wird, in einen Entzündungs-Modus schaltet und zugleich weitere Autoantikörper produziert.

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„Allerdings befindet sich Drebrin im Inneren der Synapsen, der Autoantikörper dagegen im Gewebswasser. Normalerweise sollten die beiden daher nie in Kontakt miteinander geraten“, erläutert Julika Pitsch, die eine Nachwuchsarbeitsgruppe in der Abteilung von Becker leitet.

Der Autoantikörper nutzt aber laut den Forschern einen Umweg ins Innere der Zelle: die Wiederaufnahme von synaptischen Vesikeln. „Diesen Weg scheint der Autoantikörper zu nutzen, um sich wie mit einem trojanischen Pferd in die Zelle zu schmuggeln“, erklärt Susanne Schoch McGovern aus der Arbeitsgruppe.

In vitro konnten die Wissenschaftler zeigen, was dann geschieht: Kurz nach Zugabe des Autoantikörpers beginnen die Neuronen in der Petrischale rasche Salven elektrischer Impulse zu erzeugen.

„Wir wissen, dass diese Form der elektrischen Erregung gewissermaßen ansteckend ist“, erläutert Becker. „In Nervenzellen, die miteinander zu einem Netzwerk verschaltet sind, beginnen dann plötzlich alle beteiligten Nervenzellen wild zu feuern.“ Folge kann ein epileptischer Anfall sein. © hil/aerzteblatt.de

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