NewsÄrzteschaftMehrfachnutzung von Schutzmasken nun auch in Praxen möglich
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Mehrfachnutzung von Schutzmasken nun auch in Praxen möglich

Mittwoch, 15. April 2020

/Philippe Ramakers, stock.adobe.com

Berlin – Atemschutzmasken dürfen unter bestimmten Bedingungen mehrfach auch für verschiedene Patienten weiterverwendet werden. Das Robert-Koch-Institut (RKI) habe gestern sein Papier zum res­sour­cen­scho­nenden Einsatz von Mund-Nasen-Schutz und FFP-Masken entsprechend ak­tu­ali­siert, teil­te die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) mit.

Damit bestehe jetzt auch für das Personal in Arztpraxen die Möglichkeit, eine Schutzmas­ke mehrmals zu tragen, wenn es an ausreichendem Schutzmaterial fehle, führte die KBV aus. Im ursprünglichen RKI-Papier vom 13. März habe das RKI zwar bei Lieferengpässen und Knappheit der Atemschutzartikel die Wiederverwendung von Mund-Nasen-Schutz (MNS) und FFP-Masken unter definierten Bedingungen ermöglicht.

Anzeige

Allerdings hätten diese Maßnahmen nur eine patientenbezogene Weiterverwendung wäh­­rend einer Schicht durch dasselbe Personal vorgesehen. Damit seien die Empfehlun­gen vor allem für stationäre Einrichtungen und kaum für das ambulante Versorgungs­sett­ing relevant gewesen, schreibt die KBV.

„Dieser Patientenbezug wurde in dem aktualisierten Dokument aufgegeben, sodass eine Weiterverwendung durch dasselbe Personal während einer Schicht auch patientenüber­greifend erfolgen kann“, fasst die KBV zusammen. Das ermögliche es nun auch dem Per­sonal in Arztpraxen, Atemschutzmasken bei Kontakt mit verschiedenen Patienten inner­­halb einer Schicht weiterzuwenden und so bei Knappheit an MNS oder FFP2/3-Mas­ken die Mangelsituation gegebenenfalls etwas zu entschärfen.

Konkrete Hinweis wichtig

Das RKI hat seine Empfehlung zum ressourcenschonenden Einsatz von Mund-Nasen-Schutz und FFP-Masken auf Anfrage des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) er­stellt. Dies erfolgte in Abstimmung mit dem Ad-Hoc-Arbeitskreis zum SARS-CoV-2 des Ausschusses für Biologische Arbeitsstoffe und in Zusammenarbeit mit dem Bundesmi­nisterium für Arbeit und Soziales.

Das RKI-Papier enthält eine Reihe von Hinweise, was bei der Wiederverwendung zu be­achten ist. So ist die Maske so abzusetzen, dass eine Kontamination vor allem der Innen­seite der Maske beziehungsweise des Gesichts verhindert wird, zum Beispiel durch eine vorherige Handschuhdesinfektion. Die Maske sollte außerdem trocken an der Luft und nicht in geschlossenen Behältern zwischengelagert werden.

Die Wiederverwendung von FFP-Masken und von MNS erfordere eine sichere Handha­bung, schreibt das RKI. „Bei Nichteinhaltung steigt das Infektionsrisiko für Beschäftigte. Bitte beachten Sie, dass die folgend beschriebenen Maßnahmen zur Wiederverwendung daher nur auf ausgerufene Notfallsituationen.“

RKI-Empfehlung bei Lieferengpässen von MNS und FFP-Masken

  • Der Einsatz von MNS bei operativen Eingriffen erfolgt unverändert.
  • Ebenfalls unbenommen ist der sofortige Wechsel des MNS bzw. der FFP-Masken bei (vermuteter) Kontamination bzw. Durchfeuchtung.
  • Bei MNS und FFP-Masken erfolgt die patientenbezogene oder patientenübergrei­fen­­de Wiederverwendung während einer Schicht nur durch dieselbe Person.
  • Weiterverwendung (patientenbezogene oder patientenübergreifende) der MNS und FFP-Masken während einer Schicht nur durch dieselbe Person.
  • Bei FFP-Atemschutzmasken erfolgt KEINE Wiederverwendung bzw. Weiterverwen­dung nach Tätigkeiten an infektiösen Patienten mit ausgeprägter Exposition zu Ae­ro­solen, z.B. Bronchoskopie.
  • Die Außenseite der gebrauchten Maske ist potentiell erregerhaltig und beim erneu­ten Aufsetzen muss eine Kontamination des Trägers insbesondere im Gesicht (Nase, Mund, Augen) vermieden werden. Daher ist der Träger in die besonderen Maßnah­men zur Wiederverwendung gebrauchter Masken zu unterweisen.

Bei der Wiederverwendung ist zu beachten, dass

  • das Absetzen der Maske/des MNS so zu erfolgen hat, dass hierdurch eine Kontami­nation der Maske/des MNS (vor allem der Innenseite) bzw. eine Kontamination des Gesichtes verhindert wird, z.B. durch eine vorherige Handschuhdesinfektion oder ein entsprechendes Handschuhmanagement (z.B. Mehrfachhandschuhe).
  • nach dem Absetzen der Maske/des MNS sollte diese trocken an der Luft aufbewahrt (nicht in geschlossenen Behältern!) und zwischengelagert werden, sodass Kontami­nationen der Innenseite der Maske/des MNS aber auch Verschleppungen auf ande­re Oberflächen vermieden werden.
  • ein abgegrenzter Bereich festzulegen ist, um eine sichere, für Publikumsverkehr nicht zugängliche Ablagemöglichkeit für die Maske/des MNS zu schaffen, so dass diese wiederverwendet werden kann.
  • die Handschuhe nach der Aufbewahrung der Masken fachgerecht zu entsorgen und die Hände zu desinfizieren sind.
  • die gebrauchte Maske/der gebrauchte MNS eindeutig einer Person zuzuordnen ist, um ein Tragen durch andere Personen auszuschließen (z.B. Markieren der Masken am Halteband).
  • benutzte Einweg-FFP Masken/MNS nicht mit Desinfektionsmittel zu reinigen oder zu desinfizieren sind, da dies die Funktionalität der Maske negativ beeinflussen kann.
  • beim erneuten Anziehen des MNS/der Maske darauf zu achten ist, dass eine Ver­schleppung der Erreger von der kontaminierten Außenfläche auf die Innenfläche verhindert wird. Das Berühren der Innenseite des Filtervlieses ist daher zu ver­mei­den.
  • beim erneuten Aufsetzen hygienisch einwandfreie, unbenutzte Handschuhe zu tra­gen sind und die Handschuhe vor erneutem Patientenkontakt zu entsorgen sind.
  • Masken/MNS, deren Innenfläche durch Fehler bei der Handhabung möglicherweise kontaminiert wurden, nicht verwendet werden dürfen.
  • der Ort, an dem die Zwischenlagerung erfolgte, unmittelbar nach Entnahme der Maske/des MNS sachgerecht zu desinfizieren ist.
  • Der Einsatz von wiederverwendbaren Atemschutzmasken mit austauschbaren Partikelfiltern ist eine weitere Alternative zum Ressourcenschutz.
© may/EB/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #805968
hawieso
am Montag, 11. Mai 2020, 18:55

Desinfektion von FFP2 Masken

Ich arbeite nicht im Gesundheitswesen und habe eine Frage zur Desinfektion von FFP2 Masken im Privatbereich. Da eine FFP2 Maske in der Apotheke bis zu 10 Euro kostet, hatte ich die Idee, mir 10 Masken zu kaufen und je eine pro Tag zum Einkauf zu verwenden. Diese Maske wird danach mit der Außenschicht nach oben für 1 Tag in die Sonne gelegt. Sauerstoff, UV-Strahlung und Wärme sollten die Maske vordesinfizieren und danach wird sie für 9 Tage offen an einem sicheren Ort aufbewahrt, ohne dass jemand sie berühren kann. Danach sollte sie meiner Meinung nach keine infektiösen Viren mehr enthalten und am Tag 11 könnte ich Maske 1 wieder verwenden. Gibt es gegen dieses Vorgehen medizinische Einwände oder ist das eine gute Idee? Für Kommentare von Fachleuten wäre ich dankbar.
LNS

Nachrichten zum Thema

27. Mai 2020
Exeter − Menschen mit dem Genotyp E4 im Gen für das Apolipoprotein E, das mit einem deutlich erhöhten Risiko auf einen Morbus Alzheimer verbunden ist, haben nach Analyse der UK Biobank im
COVID-19: Alzheimer-Gene könnten Risiko auf einen schweren Verlauf erhöhen
26. Mai 2020
Berlin − Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Regierungschefs der Bundesländer werden offenbar vorerst nicht mehr in großer Runde über die Coronakrise beraten. Solche Gespräche würden im
Coronakrise: Keine gemeinsamen Absprachen mehr von Merkel und Länderchefs
26. Mai 2020
Saarbrücken − Im Saarland gelten ab sofort einheitliche Lockerungen in Pflege-, Reha- und Behinderteneinrichtungen. Dazu zählen unter anderem Besuche von Friseur und Fußpflege oder auch von
Saarland lockert Besuchsregelung in Heimen
26. Mai 2020
Köln − Der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), Klaus Cichutek, rechnet mit einem bezahlbaren Impfstoff gegen SARS-CoV-2. Er erwarte, dass die Hersteller einen Impfstoff „nahe am
Paul-Ehrlich-Institut erwartet bezahlbaren Coronaimpfstoff
26. Mai 2020
Magdeburg – Altenpflegekräfte in Sachsen-Anhalt sollen in diesem Jahr eine Prämie von bis zu 1.500 Euro bekommen. Das Land werde den vom Bund geplanten Bonus entsprechend aufstocken, sagte
Sachsen-Anhalt will Pflegebonus für Altenpflegekräfte aufstocken
26. Mai 2020
München − Alle Mitarbeiter, Patienten und Bewohner in Bayerns Kliniken, Pflege- und Altenheimen werden künftig regelmäßig auf Coronainfektionen getestet. Das hat das Kabinett heute in München
Bayern beschließt Reihentests für Sozialberufe und Schutzreserve
26. Mai 2020
Berlin − Die Bundesregierung bereitet ein Ende der weltweiten Reisewarnung für Touristen ab dem 15. Juni für 31 europäische Staaten vor, wenn die Entwicklung der Coronapandemie es zulässt. Neben
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER