NewsAuslandWuhan korrigiert seine Zahlen: 1.290 Tote mehr als bisher gemeldet
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Wuhan korrigiert seine Zahlen: 1.290 Tote mehr als bisher gemeldet

Freitag, 17. April 2020

/David Pereiras, stock.adobe.com

Wuhan – Die chinesische Metropole Wuhan hat die Zahl ihrer Corona-Toten um rund 50 Prozent nach oben korrigiert. Wie die Behörden heute überraschend berichteten, sind in der zentralchinesischen Stadt, in der die Pandemie ihren Ausgang genommen hatte, wei­tere 1.290 Menschen in Zusammenhang mit der Lungenkrankheit COVID-19 gestor­ben. Damit erhöht sich die Gesamtzahl der Toten in Wuhan auf 3.896. Bislang waren nur 2.579 Tote berichtet worden.

Die landesweite Gesamtzahl von bisher 3.342 Toten in China wurde heute zunächst noch nicht offiziell korrigiert, dürfte sich damit aber auf mehr als 4.600 erhöhen. Die neuen An­­gaben bestätigen schon länger bestehende Vermutungen, dass in den offiziellen chine­sischen Statistiken viele Fälle nicht mitgerechnet worden waren.

Anzeige

Es wurden mehrere Gründe für die erhebliche Korrektur genannt. So seien Patienten an­fangs zuhause gestorben. Die Kapazitäten zur Aufnahme und Behandlung seien unzurei­chend gewesen, sagte ein namentlich nicht genannter Beamter des COVID-19-Krisen­zent­rums der Elf-Millionen-Stadt der Nachrichtenagentur Xinhua. „Ein paar medizinische Einrichtungen haben sich nicht rechtzeitig mit dem System zur Vorbeugung und Kontrolle verbunden.“

Auch seien Krankenhäuser überfordert und Ärzte und medizinisches Personal mit dem Ansturm der Infizierten viel zu beschäftigt gewesen. „Als Ergebnis kam es zu verspäteten, fehlenden und falschen Berichten“, erklärte der Beamte. Angaben über einige Verstorbene seien auch nicht vollständig gewesen.

Schließlich hätten die Behörden die vorliegenden Statistiken überarbeitet, um ein voll­ständiges Bild zu bekommen. Es gehe bei diesen Daten auch um die „Glaubwürdigkeit der Regierung“, sagte der Beamte in einem indirekten Hinweis auf die Skepsis, ob die offizi­elle Statistik auch das wahre Ausmaß des Ausbruch widerspiegelt.

China hat das Virus den Angaben zufolge weitgehend unter Kontrolle. Die nationale Ge­sundheitskommission berichtete heute über 26 neue Infektionen, darunter 15 „importier­te“ Fälle mit SARS-CoV-2 bei Reisenden und elf neue lokale Ansteckungen.

In China haben sich nach diesen Angaben bislang mehr als 82.000 Menschen infiziert, von denen rund 78.000 inzwischen genesen seien. Experten gehen allerdings von einer sehr hohen Dunkelziffer nicht erfasster Fälle aus.

Zuletzt hatte vor allem die US-Regierung den Druck auf China erhöht und Peking vorge­wor­fen, zu spät über die Verbreitung des neuen Erregers informiert zu haben. Massive Kritik am Umgang mit der Epidemie folgte aus Frankreich und Großbritannien, die das Krisenmanagement der chinesischen Regierung in Frage stellten.

Heute äußerte sich auch Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) ungewohnt deutlich zu Chinas Corona-Politik: Er bezeichnete die überraschend nach oben korrigierte Zahl der Corona-Toten in Wuhan als „besorgniserregend“ und drängte Peking zu mehr Transparenz.
„Es gibt Fragen, die müssen irgendwann beantwortet werden“, sagte Maas bei Bild Live. In den nächsten Wochen habe die chinesische Führung ausreichend Möglichkeiten, unter Beweis zu stellen, wie transparent sie tatsächlich mit dem Virus umgehen wolle, sagte Maas.

Zurückhaltender äußerte sich Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. China habe „viel gegen die Ausbreitung des Virus getan“, sagte der Sprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Jetzt gelte es, zusammenzuarbeiten. Doch die „Phase des Lehren ziehens, des Konsequenzen ziehens, die kommt auch“, betonte Seibert. © dpa/afp/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

22. Mai 2020
Berlin – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) will bald die Grundlage für mehr Tests auf das Coronavirus SARS-CoV-2 in Krankenhäusern und Pflegeheimen schaffen. „Mein Ziel ist es, noch im Mai
Spahn kündigt präventive Tests in Heimen und Kliniken an
22. Mai 2020
Berlin – Deutschland plant den „Aufbau einer dauerhaften nationalen Reserve an medizinischer Schutzausrüstung“. Das hat Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) bekannt gegeben. „Diese Reserve
Nationale Reserve an medizinischer Schutzausrüstung geplant
22. Mai 2020
Berlin − Die diesjährige Konferenz der Ge­sund­heits­mi­nis­ter der Länder (GMK) Mitte Juni fällt als persönliches Treffen der 16 Ressortchefs in Berlin aus. Die übliche GMK-Konferenz werde „nicht
Ge­sund­heits­minis­ter­kon­fe­renz wird verschoben
22. Mai 2020
Karlsruhe – Die Kontaktbeschränkungen und Abstandsregeln in der Coronakrise sind nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) in Karlsruhe auch psychisch kranken Menschen zuzumuten.
Coronakrise: Beschränkungen auch für psychisch Kranke zumutbar
22. Mai 2020
Berlin − Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, fordert als Konsequenz aus der Coronakrise, dass Besuchsmöglichkeiten mit Infektionsschutz Standard in
Pflegebeauftragter will durch Scheiben getrennte Besuchsräume
22. Mai 2020
Cupertino/Mountain View − Gesundheitsbehörden in 22 Ländern können ab sofort Corona-Warn-Apps veröffentlichen, die mit iPhones und Android-Telefonen zusammenspielen. Google und Apple machten
Apple und Google veröffentlichen Schnittstellen für Corona-Warn-Apps
22. Mai 2020
München − In Bayern sollen nach den Worten von Ministerpräsident Markus Söder künftig deutlich mehr Menschen auf eine Ansteckung mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 getestet werden. „Wir werden
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER