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Politik

Corona-Warn-App kommt in Deutschland erst im Mai

Freitag, 17. April 2020

/picture alliance

Berlin − Die geplante Smartphone-App zur Eindämmung des Coronavirus SARS-CoV-2 in Deutschland wird erst im Mai zur Verfügung stehen. Das hat Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn heute angekündigt. „Aus heutiger Sicht sind es eher vier Wochen als zwei Wochen, bis wir tatsächlich dann eine haben, die auch alle Anforderungen voll erfüllt“, sagte der CDU-Politiker.

Spahn betonte, die App müsse drei unterschiedliche Anforderungen erfüllen: Datensi­cher­heit, Datenschutz und den eigentlichen Zweck, nämlich die Ausbreitung der Epide­mie einzudämmen. „Es muss eine sichere App sein, weil es um sensible Daten geht, was Hacken, Zugriff von anderen und anderes angeht“, sagte der Minister. Er betonte am Freitagnachmittag bei einem Gespräch mit der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg, dass seitens des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium nie ein Datum für die Veröffentlichung gegeben hätte. Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) hatte Ende März ein Veröffentlichungsdatum der App nach Ostern angekündigt.

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Beim epidemiologischen Konzept müssten Fragen geklärt werden, etwa welcher Abstand zwischen den Personen und welche Kontaktzeit maßgeblich seien. „Diese Parameter wer­den mit den drei zuständigen Behörden BSI für die Datensicherheit, das RKI für die Epi­de­miologie und der Datenschutzbeauftragte für den Datenschutz bearbeitet“.

Eine Corona-Warn-App für Deutschland ist seit Wochen im Gespräch. Sie baut auf dem Konzept des europäischen Konsortiums PEPP-PT auf. Dabei soll Bluetooth-Funktechnik verwendet werden. Die App kann die Infektion zwar nicht unterbinden, aber die Betroffe­nen schnell informieren, wenn sie Kontakt zu Infizierten hatten. Die Nutzung soll frei­willig sein.

Spahn betonte, mit der App könne man viel genauer erfassen, wen man die vergangenen 14 Tage getroffen habe, als sich lediglich an die Kontakte zu erinnern. Sie helfe auch bei der Benachrichtigung der Betroffenen.

Einsatz in vielen Ländern

Apps zur Corona-Bekämpfung werden derzeit in mindestens zwölf europäischen Ländern vorbereitet oder sind bereits im Einsatz, etwa in Österreich oder in Norwegen. Die EU-Kommission hatte dazu am Donnerstag einen Werkzeugkasten für Contact-Tracing-Apps vorgeschlagen, damit die Apps in einer Art Roaming-Verfahren länderübergreifend verwendet werden können.

Dieses Ziel wird auch von Google und Apple verfolgt, die eine zweistufige Unterstützung von Corona-Warn-Apps ab Mai angekündigt hatten. In einer ersten Stufe wollen die beiden Tech-Giganten eine Programmierstelle veröffentlichen, die eine Erstellung einer App erleichtern soll. Später sollen die Funktionen in die Smartphone-Betriebssysteme Android und iOS eingebaut werden.

Obwohl das „Contact Tracing“ in Form einer weitgehend anonymisierten Verfolgung mög­licher Kontakte zu Infizierten auf freiwilliger Basis erfolgen soll, ist das Konzept unter Da­tenschützern und in der wissenschaftlichen Community nicht unumstritten.

„Herr Spahn spricht davon, dass die App den Anforderungen genügen sollen, die an eine solche Technologie gestellt werden“, sagte Kilian Holzapfel, Researcher des Physik-De­part­ments (TU München). Die Projektarbeit von PEPP-PT und dem dahinterstehenden Datenspeicherungsprozess sei intransparent und fragwürdig.

Der deutsche IT-Unternehmer Chris Boos aus dem Digitalrat der Bundesregierung, einer der Initiatoren des PEPP-PT-Projektes, sagte, man könne ein Werkzeug anbieten, das die Bemühungen zur Bewältigung der Pandemie unterstütze, während man auf einen Impfstoff warte. „Es kann es nicht allein schaffen, aber es kann ein wichtiger Baustein sein, und wir können es in einer die Privatsphäre wahrenden und über Grenzen hinweg funktionierenden Weise tun, die auch ethisch vertretbar ist.“ Es sagte den Kritikern des Konzeptes eine größere Offenheit zu und versprach, weitere technische Details zum Datenschutz- und Verschlüsselungskonzept zur Verfügung zu stellen.

Die SPD-Abgeordnete Birgit Sippel sieht bei dem Konzept des „Contact Tracings“ vor allem die Grundrechte auf Freizügigkeit bedroht. „Wenn etwa das Recht, das Haus zu verlassen, oder die U-Bahn zu nutzen, an die Nutzung einer App gekoppelt wird, dann können wir nicht mehr von Freiwilligkeit sprechen“, sagte die Abgeordnete, die im Jus­tizausschuss des EU-Parlaments federführend an Gesetzen zu elektronischen Beweis­mitteln und Privatsphäre in der Kommunikation arbeitet, dem Portal netzpolitik.org.

Der EU-Abgeordnete Patrick Breyer (Piratenpartei), der im EU-Parlament in der Fraktion der Grünen sitzt, befürchtet, dass die Tracing-Apps zu viele Warnmeldungen absetzen. „Die Apps werden wahrscheinlich Zehn- oder Hunderttausende von Personen benach­richtigen, die zur Arbeit oder zum Einkaufen unterwegs waren.

Es ist absehbar unmöglich für diese, sich testen zu lassen. Die Wirkung kann kaum mehr sein als weit verbreitete Besorgnis oder sogar Panik. Zudem ist menschlicher Kontakt nur eines der Infektionsrisiken.“

Der Grünen-Fraktionsvize im Bundestag, Konstantin von Notz, sagte, einer App, die Kontakte nachvollzieht, würde seine Fraktion „in normalen Zeiten sicherlich nicht zustimmen, aber wir sehen uns mit einer sehr ernsthaften Bedrohung konfrontiert“. Daher unterstützen die Grünen die App „als einen Baustein einer Strategie gegen die Pandemie, vorausgesetzt die Daten bleiben bei den Nutzern, die diese App freiwillig herunterladen“. © dpa/bee/aerzteblatt.de

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Avatar #771752
catch-the-day
am Freitag, 17. April 2020, 18:16

Da bleibt nur noch ...

... die Bluetooth-Funktion herauszulöten oder anders außer Gefecht zu setzen ...
LNS

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