NewsPolitikBundestagsdebatte zu Entscheidungen über Leben und Tod gefordert
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Bundestagsdebatte zu Entscheidungen über Leben und Tod gefordert

Freitag, 17. April 2020

Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung Jürgen Dusel /Jürgen Dusel

Berlin − Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Jürgen Dusel, fordert eine Bundestagsdebatte über die Frage, nach welchen Kriterien im Notfall entschieden wer­den soll, welche Patienten mit COVID-19 behandelt werden und welche nicht.

„Das Thema ist so wichtig, dass sich der Bundestag damit beschäftigen muss“, sagte Dusel den Zeitungen der Funke Mediengruppe heute. Ärzte bräuchten Richtlinien. „Wir können solche Entscheidungen nicht an die Wissenschaft delegieren.“ Zu vergleichbaren ethischen Fragen, etwa zur Sterbehilfe oder zur Pränataldiagnostik, habe es ebenfalls Bundestagsdebatten gegeben.

Anzeige

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) hatte Ende März Empfehlungen veröffentlicht für Entscheidungskriterien in Triage-Situationen. Er habe die Sorge, dass dieses Papier in Notsituationen falsch ausgelegt werden könnte, erklärte Dusel dazu.

„Viele Behinderungen gehen einher mit Vorerkrankungen. Das darf nicht heißen, dass deshalb nicht behandelt wird.“ Es müsse klar werden, dass der Zustand des Patienten vor der Akuterkrankung der Maßstab sein müsse, wenn es wirklich dazu komme, dass Er­folgsaussichten einer Therapie gegeneinander abgewogen werden müssen. „Dieses Pa­pier braucht dringend eine Klarstellung“, so der Bundesbeauftragte.

Laut DIVI-Papier soll als Kriterium die klinische Erfolgsaussicht gelten, also die Wahr­scheinlichkeit, ob der Patient die Intensivbehandlung überleben wird. Es gelte der Gleich­heitsgrundsatz, hieß es.

DIVI-Präsident Uwe Janssens erklärte bei der Veröffentlichung der Handreichung: „So ist es nicht zulässig, nach dem kalendarischen Alter oder nach sozialen Kriterien zu ent­schei­den." In Deutschland werde keinem 80-Jährigen von vornherein die Behandlungs­möglichkeit verweigert.

Eine Intensivtherapie sei dann nicht angezeigt, wenn der Sterbeprozess unaufhaltsam begonnen habe, wenn die Therapie aussichtslos sei oder wenn das Überleben nur bei dauerhaftem Aufenthalt auf der Intensivstation gesichert werden könne. © kna/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #810440
Heli Lange
am Donnerstag, 23. April 2020, 01:27

Leben und leben lassen

Ich dachte bisher Gott wäre der Herrscher über Leben und Tod.
Etwas mehr Demut vor dem Schöpfer des Lebens erscheint mir angebracht.
Avatar #79783
Practicus
am Freitag, 17. April 2020, 23:00

Entmündigung?

Die Entscheidung, eine Intensivbehandlung zu beginnen, obliegt nur 2 Personen: Dem Patienten, so er entscheidungsfähig ist oder eine entsprechende Willensverfügung vorgenommen hat, und dem Arzt, auf dessen Gewissen in allen anderen Fällen die Entscheidung lastet. Jede Vorschrift, die über eine allgemeine Richtschnur hinusgeht, greift in unzulässiger Weise in diese rein ärztlihe Verantwotung ein!
Zum Nachdenken: Die Bundeswehr-Dienstanweisung, die eben die Triage auf dem Schlachtfeld (!) als "Heeresdienstvorschrift" mit Befehlscharakter vorschrieb, wurde von den Spruchkammern als hinreichendes Argument für die nachträgliche Verweigerung des Wehrdienstes anerkannt!
Avatar #33021
medicusarnulf
am Freitag, 17. April 2020, 19:51

Bundestag mit Intensivmedizin-Kompetenz ?!

Woher nimmt sich Herr Dusel die Kompetenz und Expertise uns Ärzten eine Empfehlung des DIVI (!) in Sachen Intensivmedizin (!) interpretieren zu wollen und Richtlinien dazu festzulegen?!
Dr.med. Arnulf Göbel
(Anästhesist & Intensivemediziner)
LNS

Nachrichten zum Thema

5. Juni 2020
Berlin – Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Kritik zurückgewiesen, dass die Pflege im neuen Konjunkturprogramm, in dem das Wort Pflege nicht auftaucht, zu kurz kommt. Das Thema sei am
Merkel: Pflege kommt nicht zu kurz
5. Juni 2020
Berlin – Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat die in der Rechtsverordnung des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) vorgesehenen Veränderungen am Coronarettungsschirm begrüßt. Die
Rettungsschirm: Krankenhäuser drängen auf Umsetzung der Kompromissregelungen
5. Juni 2020
Berlin – Anwender der künftigen Corona-Warn-App können auch über eine Telefonhotline ihren Infektionsstatus in der App aktualisieren, wenn sie positiv getestet wurden. Die Hotline sei einer von zwei
Corona-Warn-App: Positiv Getestete können sich über Hotline melden
5. Juni 2020
Berlin – Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert-Koch-Institut (RKI) 507 Neuinfektionen mit SARS-CoV-2 binnen eines Tages gemeldet. Damit haben sich seit Beginn der Coronakrise 183.271
RKI meldet 507 Neuinfektionen in Deutschland
5. Juni 2020
Berlin – Die Linke im Bundestag hat sich erneut – wie schon wiederholt auch die Grünen – dafür ausgesprochen, den Einsatz der geplanten Corona-Warn-App per Gesetz zu regeln. „Die Einführung einer
Linke rufen erneut nach Gesetz für Corona-Warn-App
5. Juni 2020
Berlin – Bun­des­fa­mi­lien­mi­nis­terin Franziska Giffey (SPD) würde es befürworten, wenn nach den Sommerferien Kitas und Schulen in den Normalbetrieb zurückkehren. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek
Schulbetrieb unter Vorsichtsmaßnahmen
5. Juni 2020
Berlin – Der Hartmannbund (HB) hat angesichts einer vorübergehenden „Fokussierung auf das Thema Corona“ angemahnt, verstärkt auch wieder anderen Baustellen des Gesundheitssystems in den Blick zu
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER