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Politik

RKI sieht „gute Zwischenergebnisse“ im Kampf gegen SARS-CoV-2

Freitag, 17. April 2020

Lothar H. Wieler (links), Präsident des Robert-Koch-Instituts, und Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU). /picture alliance, John Macdougall

Berlin – Die Eindämmung der Coronakrise in Deutschland befindet sich dem Robert-Koch-Institut (RKI) zufolge auf einem guten Weg. „Die Bekämpfungsstrategie, die wir aufgebaut haben, zeigt Erfolge“, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler heute in Berlin bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU).

„Gute Zwischenergebnisse“ seien unter anderem der im Vergleich zur Vorwoche verlang­samte Anstieg der Fallzahlen und das Absinken der Reproduktionszahl auf 0,7. „Aktuell steckt somit nicht mehr jeder Infizierte mindestens eine andere Person an“, berichtete Wieler.

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Zugleich warnte der RKI-Präsident vor übertriebenem Optimismus. Es handle sich um eine Momentaufnahme. „Wir stehen immer noch am Anfang der Pandemie", betonte er. Deutschland habe eine „erste Welle ganz gut überstanden“. Das Virus aber sei nicht ver­schwunden und werde weiterhin zu Infektionen führen. Zudem sei die Reproduktions­zahl regional stark unterschiedlich.

Reproduktionszahl nicht überbewerten

Man dürfe die Reproduktionszahl auch nicht überbewerten, so Wieler weiter, sie sei nur eine von mehreren Kennzahlen. Auch die Fallzahl, die Kapazitäten des Gesundheits­sys­tems und die Inzidenz in bestimmten Bevölkerungsgruppen sei für die Beurteilung des Pandemiegeschehens von Bedeutung.

Die strikte Eindämmung von Krankheitsausbrüchen bleibe daher zentral. Es sei weiterhin dringend erforderlich, „Infektionsketten zu brechen“, sagte er. Ein weiteres positives Zwi­schenergebnis sei, dass die Behandlungskapazitäten ausreichten. „Bei der derzeitigen Dy­namik können wir keine Engpässe prognostizieren“, sagte Wieler.

Ausreichend Kapazitäten gibt es auch für die Durchführung von Tests auf SARS-CoV-2: „Wir können inzwischen 730.000 Tests pro Woche durchführen“, sagte Wieler. Die hohen Testkapazitäten ermöglichten es, den Einsatz auszubauen. So arbeitet das RKI derzeit mit den Gesundheitsämtern und den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) an einer Opti­mie­rung der Teststrategie: Unter anderem werde man „in Zukunft vermehrt in Alten- und Pflegeheimen testen können“, so der RKI-Präsident.

Einen weiteren wichtigen Schritt kündigte Wieler für Mai an. Ab dann soll es möglich sein, dass die medizinischen Labore die Ergebnisse der Tests aus SARS-CoV-2 mittels digitaler Schnittstelle „direkt und nahezu in Echtzeit“ an das RKI übermitteln.

Trotz aller Fortschritte bleibt die Zahl der Neuerkrankungen mit mehr als 3.000 über­mittelten Fällen pro Tag hoch. Bislang (17. April, 8 Uhr) sind dem RKI 133.830 COVID-19-Fälle gemeldet worden. Die Inzidenz liegt bei 161 Fällen pro 100.000 Einwohnern.

Zu beobachten sei auch, so Wieler, dass immer mehr Menschen, die in medizinischen Einrichtungen tätig seien, erkranken. Der Anteil habe sich gegenüber der Vorwoche um rund sechs Prozent erhöht und liege jetzt bei fünf Prozent der gesamten Meldezahlen.

Auch die Zahl der COVID-19-Todesfälle steigt zuletzt immer weiter an. „In dieser Woche hatten wir tatsächlich den bislang größten Anstieg, gestern wurden insgesamt 315 Todesfälle übermittelt“, berichtete Wieler. Damit liegt die Sterberate nun bei 2,9 Prozent.

Insgesamt sind mittlerweile 3.868 Menschen mit einer SARS-CoV-2-Infektion gestorben. „Deshalb“, so der RKI-Präsident, „müssen wir weiter dafür sorgen, dass die vulnerablen Gruppen geschützt werden, da dort die schwersten Krankheitsverläufe zu beobachten sind.“ © nec/dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #670085
Janine Höffer
am Samstag, 18. April 2020, 23:54

Todesfälle

Woran sind die Menschen verstorben?
Avatar #670085
Janine Höffer
am Samstag, 18. April 2020, 23:47

Nutzen und Risiko

Lieber Herr Wieler, lieber Herr Spahn,
herzlichen Dank für den Bericht.
Die Ergebnisse sind sehr beruhigend.

Wie würden Sie den Stellenwert einer weiteren Eindämmung des Virus in Deutschland bewerten in Bezug auf die damit verbundene Unterversorgung in anderen Bereichen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität?

Als Beispiel möchte ich die Verschiebung von Operationen bei chronischen Schmerzpatienten, Chemotherapien und Entzugsbehandlungen nennen. Ebenso die eingeschränkte Trauerarbeit und Abschied am Lebensende und die Zunahme an psychologischen Erkrankungen und häuslicher Gewalt bei Kindern und Erwachsenen. Laut Ärzteblatt wurde eine Unterversorgung von Menschen in Versorgungslücken beobachtet (z.B. obachlosen oder geflüchteten Menschen) beobachtet. Laut Kinderschutzbund sind mehr Kinder als sonst von der Tafel abhängig.
Laut BÄK ist auch die Versorgung chronisch Erkrankter betroffen, u.a. da sie den Besuch beim Hausarzt meiden/nur per Video beraten werden.

Meinen Sie nicht, dass wir unsere Behandlungsschwerpunkte in Deutschland bei Abwägung des Nutzens für die breite Bevölkerung nun wieder ändern könnten?

Insbesondere Minderjährige stehen in Deutschland unter besonderem Schutz. Ich würde in der aktuellen Lage gerne die Kinderrechte laut UNICEF stärken.

Welchen Beleg bräuchten Sie von mir, dass andere Erkrankungen und Todesursachen für die gesundheitsbezogene Lebensqualität in Deutschland relevanter sind als das neue Coronavirus?

Sollte sich die aktuelle Einschätzung in ein paar Monaten durch neue Erkenntnisse ändern, könnten wir doch dann erneut die Strategie anpassen, oder nicht?

Mit (neuen) Viren kann man nun mal nicht so leicht planen, oder ;-)?

Mit freundlichen Grüßen
Janine Höffer
LNS

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