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Medizin

SARS-CoV-2: Computertomografie nicht zum Screening geeignet

Freitag, 17. April 2020

/picture alliance, BSIP

St. Louis/Missouri − Wegen des aktuellen Mangels an Test-Kits für den Nachweis von SARS-CoV-2 setzen in den USA viele Kliniken auf die Computertomografie (CT) zur Diagnose von COVID-19. Die Untersuchung ist laut einer Einschätzung der American Roentgen Ray Society im American Journal of Roentgenology (2020; doi: 10.2214/AJR.20.23202) jedoch nicht in der Lage, eine Infektion sicher zu erkennen oder andere Erkrankungen auszuschließen.

Während Test-Kits für den Virusnachweis Mangelware sind, haben heute die meisten Kliniken Zugriff auf einen CT-Scanner. Die Untersuchung ist zwar nicht ganz billig, sie liefert allerdings innerhalb kurzer Zeit ein Ergebnis. Mehrere retrospektive Studien haben Anfang des Jahres gezeigt, dass im CT frühzeitig Veränderungen nachweisbar sein können, manch­mal noch bevor ein Rachenabstrich positiv ausfällt.

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Doch die Beweiskraft dieser Studien ist nach Einschätzung von Constantine Raptis von der Washington University in St. Louis und Mitarbeitern zweifelhaft. Die meisten Untersuchungen basieren auf Fallserien, in denen selektiv schwerer erkrankte Personen untersucht wurden, schreiben die US-Radiologen.

Eine der wenigen Studien, die auch asymptomatische Personen untersucht hat, kam denn auch zu einem anderen Ergebnis. Radiologen der Universität Tokio hatten 103 Passagiere des Kreuzfahrtschiffs „Diamond Princess“, bei denen eine Infektion durch einen positiven Abstrich bestätigt worden war, im CT untersucht.

Von den 78 asymptomatischen Passagieren wiesen 41 (53 %) Zeichen einer Lungen­entzündung auf. Hätten sich die Ärzte damals auf das CT verlassen, wäre die weitere Ausbreitung wohl nicht gestoppt worden, meint Raptis.

Auch von den 28 Patienten, die bereits Symptome zeigten, hatten nur 22 (79 %) Hinweise auf eine COVID-19 im CT. Eine Diagnostik, die sich allein auf ein CT verlässt, könnte deshalb auch symptomatische Infektionen nicht sicher erkennen (Radiology Cardiothoracic Imaging 2020; doi: 10.1148/ryct.2020200110).

Ein positiver CT-Befund kann nach Einschätzung der Radiologen auch nicht ausschließen, dass der Patient in Wirklichkeit an einer anderen Krankheit leidet. Die für COVID-19 beschriebenen Veränderungen, etwa die bilaterale Milchglastrübung in den unteren Abschnitten der Lunge, seien keineswegs spezifisch für die Erkrankung, schreibt Raptis. Sie könnten auch bei anderen Viruspneumonien auftreten.

Die häufigen CT-Untersuchungen sind nach Ansicht von Raptis auch deshalb bedenklich, weil sie die finanziellen Ressourcen der Klinik (auch durch einen erhöhten Bedarf an Schutzkleidung) strapazieren würden. Nicht zuletzt werde durch das Aufeinandertreffen von betroffenen und nicht betroffenen Patienten in der radiologischen Abteilung das Übertragungsrisiko für Patienten und Personal erhöht. © rme/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #732433
schollch
am Samstag, 18. April 2020, 13:48

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Wann kommt endlich die Mundschutzpflicht für alle? Dann kann es auch leichter zu Lockerungen im Alltag kommen. (s. China, Korea, Österreich, Jena).
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