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Ausland

Rückschlag in Singapur, Streit mit China wegen SARS-CoV-2

Montag, 20. April 2020

Ein Radfahrer fährt an Hochhäusern im Geschäftsviertel Marina Bay in Singapur vorbei /picture alliance / Olaf Schülke

Singapur – Das für seine Coronastrategie international beachtete Singapur hat im Kampf gegen das Virus einen Rückschlag erlitten. In dem südostasiatischen Stadtstaat wurde nach vorläufi­gen heutigen Angaben des Ge­sund­heits­mi­nis­teriums ein Sprung von 1.425 neuen Fällen verzeichnet – der bisher größte an einem Tag.

Damit liegt das 5,8 Millionen Einwohner zählende Singapur jetzt mit 8.014 bestätigten Fällen an der Spitze in Südostasien, vor Indonesien und den Philippinen. Elf Menschen starben bislang nach einer Infektion mit dem Erreger SARS-CoV-2, der die Lungen­krank­heit COVID-19 auslösen kann.

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Die meisten neuen Fälle in Singapur beträfen Bewohner von Unterkünften für ausländi­sche Arbeiter, erklärte das Ge­sund­heits­mi­nis­terium. Um die gesunden von den infizierten Arbeitern zu trennen, hat die Regierung eine Test-Kampagne gestartet. Etwa 200.000 Menschen, viele davon junge Bauarbeiter aus ganz Asien, teilen sich in der Stadt Schlaf­räume für 10 bis 20 Bewohner.

Während der Pandemie galt Singapur bisher als Beispiel, wie ein Land das Virus gut in den Griff bekommen kann: durch rigoroses Testen, Isolieren von Infizierten sowie Quaran­tä­ne für Menschen, die mit Infizierten in Kontakt waren. Ausgangsbeschränkungen wur­den dort erst relativ spät verhängt; der Lockdown gilt seit dem 7. April.

Weiter Streit mit China

Die chinesische Regierung hat unterdessen die zunehmende Kritik an ihrem Umgang mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 empört zurückgewiesen. Es sei falsch, Chi­nas „Transparenz bei der Prävention und Kontrolle der Epidemie“ infrage zu stellen, sagte Außenamtssprecher Geng Shuang heute in Peking. Er beklagte eine Geringschätzung „der enormen Anstrengungen und Opfer des chinesischen Volkes“ im Kampf gegen die Aus­brei­tung des Virus.

Gengs Aussagen bezogen sich auf die Forderung Australiens nach einer unabhängigen Untersuchung des weltweiten Umgangs mit der Corona-Pandemie. Außenministerin Marise Payne hatte gestern gesagt, es müsse neben dem Vorgehen Chinas auch die Rolle der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) hinterfragt werden.

China war in der Frage nach dem Ursprung des Coronavirus in den vergangenen Tagen zunehmend unter Druck geraten. Insbesondere die USA werfen Peking vor, zu spät über die Verbreitung des neuen Erregers informiert zu haben. Massive Kritik an Chinas Um­gang mit der Pandemie folgte aus Frankreich und Großbritannien. Die Bundesregierung rief Peking zu „vollkommener Offenheit" auf.

Die US-Regierung schließt nach eigenen Angaben nicht aus, dass das Virus nicht wie von den chinesischen Behörden angegeben von einem Wildtiermarkt in Wuhan auf den Men­schen überging, sondern aus einem außerhalb der Millionen-Metropole gelegenen Labor stammt. China wies die Vorwürfe zurück.

Facebook- und Google sollen helfen

US-Forscher wollen unterdessen mit Hilfe von Daten von Facebook- und Google-Nut­zern ein genaueres Bild der Verbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 zeichnen. Die Wissen­schaftler der Carnegie-Mellon-Universität im US-Bundesstaat Pennsylvania werten für eine Coronaviruskarte Ergebnisse von Umfragen unter Internetnutzern über mögliche eigene Krankheitssymptome aus.

Mit Millionen von Antworten und weiteren Daten könnten in Echtzeit Schätzungen über die Verbreitung des Coronavirus erstellt werden, erklärte die Universität. Eine solche Kar­te bilde die Realität genauer ab, als dies derzeit auf Grundlage von Coronavirus-Tester­geb­nisse allein möglich sei. Dies helfe Gesundheitsbehörden und Krankenhäusern bei der Planung.

Die Internetkonzerne Facebook und Google helfen den Forschern, indem sie Nutzer ihrer Plattformen um die Teilnahme an der Umfrage bitten. „Die Erhebung fragte Menschen, ob sie Symptome wie Fieber, Husten, Atemprobleme und einen Verlust des Geruchssinns haben, die mit COVID-19 in Verbindung stehen“, schrieb Facebook-Chef Mark Zuckerberg in einem Gastbeitrag für die Washington Post.

Da solche Symptome Vorboten für eine schwerere Erkrankung seien, könnten Kranken­häuser im Voraus notwendige Kapazitäten planen. Auch lasse sich absehen, wo der Aus­bruch sich verschlimmere und wo die Infektionskurve erfolgreich abgeflacht werde.

Während die Daten zunächst für die USA erhoben wurden, soll das Projekt jetzt weltweit ausgeweitet werden, wie Zuckerberg weiter schrieb. „Wir hoffen, dass dies Regierungen und Gesundheitsvertretern weltweit helfen kann, die ansonsten nicht über solche präzi­sen Daten verfügen würden, um in den kommenden Wochen und Monaten Entscheidun­gen zu fällen.“

Weltweit haben sich nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität bereits fast 2,5 Millio­nen Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert, mehr als 160.000 Menschen starben. Allerdings dürften die tatsächlichen Infektionszahlen deutlich höher liegen: Wegen fehlender Tests bleiben viele Fälle unerkannt. © dpa/afp/kna/aerzteblatt.de

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