NewsAuslandErste Flüchtlingskinder von griechischen Inseln angekommen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Erste Flüchtlingskinder von griechischen Inseln angekommen

Montag, 20. April 2020

/picture alliance, Angelos Tzortzinis

Athen/Hannover − Am Samstagvormittag sind 47 Kinder und Jugendliche aus überfüllten griechischen Flüchtlingslagern auf den Ägäis-Inseln Samos, Chios und Lesbos am Flug­hafen Hannover angekommen.

Einige der Kinder sollen dauerhaft in Kommunen in Niedersachsen bleiben. Etwa 20 von ihnen haben in Deutschland Verwandte und werden dorthin gebracht. Auch andere Bun­desländer hatten die Aufnahme von Kindern angeboten.

Anzeige

„Nordrhein-Westfalen ist auf die Aufnahme auch mehrerer Hundert vorbereitet und steht als Aufnahmeland für die zweite Evakuierung bereit“, sagte Integrationsminister Joachim Stamp (FDP). „Wir müssen jetzt weitermachen, um das Elend auf den griechischen Inseln so schnell wie möglich zu beenden.“

Der deutsche Repräsentant des Uno-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, Frank Remus, sagte mit Blick auf die 47 Minderjährigen: „Die Zahl ist klein und es kann in der Tat nur ein Anfang sein, wenn es darum geht, die völlig überfüllten und unzumutbaren Camps auf den griechischen Inseln zu entlasten.“

Es dürfe nicht vergessen werden, dass sie nun in einer fremden Welt eingetroffen seien, ohne gewohnte Umgebung und vertraute Menschen. „Wann sie auch in Deutschland ankommen, hängt von hilfreichen Händen und offenen Herzen ab.“

Deutschland plant, insgesamt 350 bis 500 unbegleitete Minderjährige von den griechi­schen Inseln aufzunehmen − bevorzugt Kinder im Alter unter 14 Jahren, kranke Kinder und Mädchen. Allerdings sind die meisten Minderjährigen, die ohne Mutter und Vater in die Europäische Union kommen, Jungen: Unter den 47 vorgestern gelandeten Flücht­lingen − 42 Kinder und 5 Jugendliche − sind nur vier Mädchen.

Die Bundesregierung erwartet, dass auch andere EU-Staaten, die ihre Zusage zur Aufnah­me aufgrund der Corona-Pandemie erst später erfüllen wollen, zu ihren Verpflichtungen stehen. Insgesamt sollen nach Angaben der Europäischen Kommission rund 1.600 kranke Kinder und unbegleitete Minderjährige umgesiedelt werden.

Außer Deutschland haben noch neun weitere EU-Staaten und die Schweiz erklärt, mit­zu­machen: Luxemburg, Belgien, Bulgarien, Frankreich, Kroatien, Finnland, Irland, Portugal und Litauen. Bisher trafen vor einigen Tagen erst zwölf Minderjährige in Luxemburg ein.

Nach der Ankunft der ersten Flüchtlingskinder fordern SPD und Grüne weitere Umsied­lungen. „Länder und Kommunen sind bereit zur Aufnahme − wir können also helfen, also sollten wir das über das bisher verabredete Maß gemeinsam mit unseren europäischen Partnern auch tun“, sagte der migrationspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Lars Castellucci, der Welt am Sonntag.

Die flüchtlingspolitische Sprecherin der Grünen, Luise Amtsberg, verlangte, Deutschland solle ein großzügiges Aufnahmeprogramm auf den Weg bringen, das auch Familien, Alleinstehende mit Kindern, Schwangere sowie Alte und Kranke berücksichtige.

Der stellvertretende Unionsfraktionschef Thorsten Frei (CDU) betonte, man stehe zu dem Koalitionsbeschluss zur Aufnahme der Minderjährigen, wolle aber nicht darüber hinaus­gehen. Er wies darauf hin, dass Unterbringung und Betreuung pro Minderjährigem zwi­schen 50.000 und 70.000 Euro pro Jahr kosteten.

Man könne mit dem Geld „auch viel Hilfe vor Ort leisten, ohne Anreize für die Migration zu schaffen“, sagte Frei der Welt am Sonntag. Bei der Aufnahme müsse es um die „abso­luten Härtefälle“ gehen. © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

22. Mai 2020
Neu Delhi/Dhaka – Mehr als 90 Menschen sind bei dem Zyklon „Amphan“ in Indien und Bangladesch gestorben. Rund zehn Millionen Menschen sind nach Angaben der Vereinten Nationen von einem der stärksten
Millionenschwere Hilfen nach Zyklon in Indien und Bangladesch angekündigt
19. Mai 2020
Mainz – Flüchtlingsunterkünfte und Asylbewerberheime könnten wegen der hohen Personendichte zu Brennpunkten für Infektionen mit SARS-CoV-2 in Deutschland werden. Das berichtete der SWR heute in Mainz
Studie zeigt hohes Infektionsrisiko in Flüchtlingsunterkünften
18. Mai 2020
St. Augustin – In einem Flüchtlingsheim in St. Augustin bei Bonn haben sich nach aktuellen Testergebnissen 130 Menschen mit SARS-CoV-2 infiziert. Die restlichen rund 170 Bewohner hätten sich nicht
130 Infizierte im Flüchtlingsheim in St. Augustin
15. Mai 2020
Berlin − Mit schwerwiegenden humanitären Folgen der Coronapandemie hat sich der Bundestag heute in seinem ersten Tagungsordnungspunkt beschäftigt. „Das Coronavirus ist eben nicht nur eine
Bundestag debattiert über humanitäre Folgen der Coronakrise
15. Mai 2020
Cox's Bazar − Nach dem Auftreten eines ersten Falls von SARS-Cov-2 im weltgrößten Flüchtlingslager in Cox's Bazar in Bangladesch haben die Behörden einen Teil des Lagers komplett abgeriegelt.
Teil von Rohingya-Flüchtlingslager wegen Corona abgeriegelt
15. Mai 2020
Aden − Die Hilfsorganisation Save the Children warnt vor einer dramatischen Entwicklung der Gesundheitssituation in der südjemenitischen Hafenstadt Aden. Mehrere Krankenhäuser in der Stadt
Save the Children: Kliniken im Süden Jemens schließen in Coronakrise
13. Mai 2020
New York – Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen Unicef fordert erheblich mehr Mittel für den Kampf gegen COVID-19. Vorgestern erhöhte es seinen im März veröffentlichten Nothilfeaufruf von 651
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER