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Medizin

Remdesivir schützt Rhesusaffen vor SARS-CoV-2

Montag, 20. April 2020

/Joel bubble, ben stock.adobe.com

Hamilton/Montana − Das Nukleosidanalogon Remdesivir, das von Experten als der derzeit aussichtsreichste Wirkstoff gegen SARS-CoV-2 eingestuft wird, hat in einer experimentellen Studie vielversprechende Ergebnisse erzielt. Laut dem Bericht in bioRXiv (2020; DOI: 10.1101/2020.04.15.043166) wurden die Lungenschäden einer COVID-19-Erkrankung bei Makaken deutlich abgeschwächt. Das Virus blieb aber in Abstrichen weiter nachweisbar.

Remdesivir gehört zu den direkt wirksamen Virustatika. Das Nukleosidanalogon wird nach seiner Aktivierung von der RNA-Polymerase als falscher Baustein akzeptiert. Doch die von dem Enzym hergestellten Kopien sind zerbrechlich. Die Virusgene zerfallen. Die Replikation des Virus in den infizierten Zellen wird gestört.

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Remdesivir wurde ursprünglich zur Behandlung von Ebola- und verwandten Viren entwickelt. Da die RNA-Polymerase auch von anderen RNA-Viren, darunter den Coronaviren, verwendet wird, kommt es als Wirkstoff gegen COVID-19 infrage. In Zellkulturen hat Remdesivir die Replikation von SARS-CoV-2 effektiv unterdrückt.

Da sich Remdesivir bei Ebolapatienten als sicher erwiesen hat, konnte nach dem Beginn der Epidemie mit klinischen Studien begonnen werden. Auf der Plattform clinicaltrials.gov sind derzeit 13 klinische Studien gelistet, in denen Remdesivir in China, den USA und Europa an COVID-19-Patienten erprobt wird. Mit ersten Ergebnissen ist in den nächsten Tagen bis Wochen zu rechnen.

Tierexperimentelle Studien bieten den Vorteil, dass die Ausbreitung des Virus im Körper genau untersucht werden kann. Ein Team um Emmie de Wit von der US-National Institutes of Health hat Remdesivir in den letzten Wochen an Rhesusaffen getestet. 12 Makaken wurden in einem Hochsicherheitslabor in Hamilton im US-Staat Montana absichtlich mit SARS-CoV-2 infiziert. Die Inokulation erfolgte intranasal, oral und intratracheal.

Frühere Experimente mit anderen Coronaviren hatten gezeigt, dass die Tiere innerhalb eines Tages erkranken. Die Hälfte der Tiere wurde deshalb bereits 12 Stunden nach der Inokulation mit Remdesivir behandelt. Die Tiere erhielten über 6 Tage täglich eine intravenöse Bolusinfusion. Die andere Hälfte der Tiere erhielt eine wirkstofffreie Injektion. Die Tiere wurden (unter einer Kurznarkose) regelmäßig klinisch untersucht und geröntgt. Am Tag 7 wurden sie getötet, um die Ausbreitung der Viren im Körper genauer untersuchen zu können.

Wie die Forscher berichten, erkrankte nach der Behandlung mit Remdesivir nur eines der 6 Tiere mit einer leichten Dyspnoe, während bei allen Tieren der Kontrollgruppe Tachypnoe und Dyspnoe beobachtet wurden. In den Röntgenuntersuchungen hatten die mit Remdesivir behandelten Tiere eine signifikant geringere Lungenlappenbeteiligung und eine geringere Lungeninfiltration.

In der ersten Bronchiallavage wurden 12 Stunden nach Behandlungsbeginn um den Faktor 100 verminderte Virustiter nachgewiesen. Am 3. Tag waren keine infektiösen Viren mehr in der Bronchialflüssigkeit nachweisbar, während in der Kontrollgruppe noch 4 von 6 Tieren mit der Infektion kämpften. In den Abstrichen von Nase, Rachen und Rektum blieben dagegen im Verlauf der Erkrankung infektiöse Virustiter nachweisbar.

Nach der Tötung der Tiere war in der Therapiegruppe in 10 von 36 Gewebeproben aus der Lunge keine Virus-RNA mehr nachweisbar gegenüber nur 3 von 36 Proben in der Kontrollgruppe. Die Menge der Virus-RNA war bei den behandelten Tieren signifikant niedriger. Das Virus selber konnte in keinem der behandelten Tiere isoliert werden gegenüber 5 von 6 Tieren der Kontrollgruppe.

Nach der Behandlung mit Remdesivir waren in den Lungen nur bei 1 von 6 Tieren noch Läsionen einer Pneumonie erkennbar. 3 Tiere wiesen mikroskopische interstitielle Veränderungen auf, die häufig in der subpluralen Region lokalisiert waren. In der Kontrollgruppe wurde bei 5 von 6 Tieren in der Histologie eine multifokale, leichte bis mittelschwere interstitielle Pneumonie diagnostiziert. Virale Antigene wurden bei allen Tieren unabhängig von der Behandlung nachgewiesen.

Die Forscher haben das Viruserbgut im Verlauf der Behandlung mehrfach auf Mutationen hin untersucht. Hinweise auf eine Resistenz der Viren gegen Remdesivir wurden nicht gefunden.

Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass Remdesivir eine effektive Behandlung von COVID-19 ermöglichen könnte. Die Behandlung sollte jedoch so früh wie möglich begonnen werden, um einen maximalen Behandlungseffekt zu erzielen.

Eine wichtige Beobachtung könnte sein, dass die Viren auch nach dem Abklingen der Erkrankungen noch in den Abstrichen nachweisbar waren. Dies könnte bedeuten, dass die Patienten auch über das Ende der Erkrankung hinaus isoliert werden müssten. Es bleibt aber abzuwarten, wie die Ergebnisse der klinischen Studie ausfallen, die in Kürze vorliegen sollten. © rme/aerzteblatt.de

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