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Medizin

Studie: Häufige Infektionen könnten Krebserkrankung ankündigen

Dienstag, 5. Mai 2020

/picture-waterfall, stock.adobe.com

Kyoto − Krebspatienten leiden in den Jahren vor der Diagnose häufiger als andere Menschen unter schweren Infektionskrankheiten. Dies kam in einer Fall-Kontroll-Studie in Cancer Immunology Research (2020; doi: 10.1158/2326-6066.CIR-19-0510) heraus.

Zu den Aufgaben des Immunsystems zählt nicht nur die Abwehr von Krankheitserregern. Die Abwehrzellen können auch Krebszellen aufspüren und vernichten. Eine Abwehr­schwäche könnte deshalb gleichzeitig das Risiko von Krebs- und Infektionskrankheiten begünstigen. Tumore können auch das Immunsystem austricksen (Stichwort: Checkpoint-Inhibitoren), so dass es mit dem Beginn einer Krebserkrankung auch zu einer Abwehrschwäche kommt. Das könnte wieder die Anfälligkeit für Infektionen erhöhen.

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Japanische Forscher haben die Zusammenhänge jetzt in einer Fall-Kontroll-Studie untersucht. Shinako Inaida, Universität Kyoto, und Shigeo Matsuno, Universität Tokio, analysierten, wie häufig 2.354 Erwachsene, bei denen zwischen Juli 2010 und Juni 2011 eine Krebserkrankung diagnostiziert wurde, in den 6 Jahren zuvor an 4 häufigen Infektionen (Influenza, Gastroenteritis, Hepatitis und Pneumonie) erkrankt waren. Die Daten verglichen sie dann mit 48.395 Erwachsenen gleichen Alters und Geschlechts, die nicht an Krebs litten.

Im letzten Jahr vor der Krebsdiagnose erkrankten die Patienten zu 55 % häufiger an einer Infektion (Odds Ratio 1,55; 95-%-Konfidenzintervall 1,40 bis 1,70) als die Patienten aus der Kontrollgruppe. Am deutlichsten war die Assoziation zur Hepatitis (Odds Ratio 3,38; 2,12 bis 5,37) und zu Lungenentzündungen (Odds Ratio 2,36; 1,79 bis 3,13). Aber auch für die Gastroenteritis (Odds Ratio 1,60; 1,41 bis 1,82) und – einzig im letzten Jahr vor der Krebsdiagnose – für die Influenza war ein signifikanter Zusammenhang nachweisbar (Odds Ratio 1,29; 1,14 bis 1,46).

Der mögliche Einfluss der einzelnen Infektionen war bei den verschiedenen Krebser­krank­ungen unterschiedlich. Keimzelltumore (etwa Seminome) traten vor allem nach einer Influenza häufiger auf. Lungenentzündungen scheinen dagegen eher das Risiko auf Magenkrebs zu erhöhen.

Bei Hepatitis-Infektionen gab es eine enge Verbindung zu Leukämien/Lymphomen, Knochen- oder Knochenmarkkrebs. Interessanterweise gab es keine Verbindung zu dem Organ, das von der Infektion betroffen war. Patienten mit Hepatitis erkrankten also nicht auffällig häufiger an Leberkrebs und eine Lungenentzündung kündigte keinen Lungenkrebs an.

Wie immer bei epidemiologischen Studien lässt sich eine Kausalität nicht eindeutig herstellen. Die mit der zeitlichen Nähe zur Krebserkrankung zunehmende Häufigkeit spricht jedoch dafür, dass die nicht diagnostizierte Krebserkrankung die Anfälligkeit auf Infektionen erhöht haben könnte. Eine Häufung von Infektionen bei einem Patienten sollte nach Ansicht von Inaida und Matsuno deshalb bei Hausärzten die Wachsamkeit erhöhen und Vorsorgeuntersuchungen bei den Patienten veranlassen. © rme/aerzteblatt.de

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