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Medizin

COVID-19: Adipositas erhöht Risiko auf Hospitalisierung

Montag, 20. April 2020

/dpa

New York − Eine Adipositas gehört neben Herz-Kreislauf-Störungen und einem Diabetes zu den Risikofaktoren für einen schweren Verlauf einer COVID-19-Erkrankung. Dies geht aus einer Fallserie in medRxiv (2020; doi: 10.1101/2020.04.08.20057794) hervor.

Mehr als 1/3 aller US-Amerikaner ist mit einem Body-Mass-Index von mehr als 30 kg/m2 fettleibig. Die Adipositas erhöht die Anfälligkeit für eine Reihe von Erkrankungen, und schwere Verläufe einer COVID-19 machen hier offenbar keine Ausnahme.

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Unter den 4.103 Patienten, die an einer der 4 Kliniken und 260 ambulanten Zentren des NYU Langone Medical Center behandelt wurden, waren 1.101 adipös. Der Anteil von 26,8 % liegt damit unter dem Landesdurchschnitt, was damit zusammenhängen könnte, dass die der Universität New York (NYU) angeschlossene Einrichtung eher besser gestellte Einwohner der Metropole behandelt.

Etwa die Hälfte der Patienten, bei denen COVID-19 diagnostiziert wurde, mussten stationär aufgenommen werden. Diese Personen waren älter (durchschnittlich 62 versus 41 Jahre), häufiger männlich (62,6 versus 39,0 %), sie hatten häufiger chronische Vorerkrankungen (71,9 versus 29,9 %) und sie waren häufiger adipös (39,8 versus 14,4 %) als Patienten mit COVID-19, die nicht stationär aufgenommen wurden.

In einer Regressionsanalyse von Forschern der Grossman School of Medicine der NYU gehörte die Adipositas nach dem Alter zu den größten Risikofaktoren für eine Hospi­talisierung. Das Team um Leora Horwitz ermittelt für ein Alter von über 75 Jahren eine Odds Ratio von 66,8. Auch die 65- bis 74-Jährigen hatten mit einer Odds Ratio von 10,9 ein deutlich erhöhtes Risiko auf eine Hospitalisierung. Es folgten in der Reihenfolge ein BMI von über 40 kg/m2 (Odds Ratio 6,2) und ein BMI von 30 bis 40 kg/m2 (Odds Ratio 4,3).

Die Adipositas gefährdete die Patienten damit in etwa so stark wie eine Herzinsuffizienz (Odds Ratio 4,3), aber deutlich mehr als Lungenerkrankungen (Odds Ratio 1,3) oder Krebserkrankungen (Odds Ratio 1,2). Auffallend war, dass neben einem Diabetes mellitus (Odds Ratio 2,8) auch eine chronische Nierenerkrankung (Odds Ratio 3,1) einen schweren Verlauf begünstigte.

Eine Adipositas erhöhte auch das Risiko auf einen lebensgefährlichen Verlauf von COVID-19, die eine intensivmedizinische Behandlung (mit oder ohne Beatmung) notwendig machte oder eine Hospizbetreuung und/oder den Tod zur Folge hatte. Die Odds Ratio betrug bei einem BMI von 30 bis 40 kg/m2 1,38 und bei einem BMI über 40 kg/m2 1,73.

Warum es bei adipösen Patienten häufiger zu einem schweren Verlauf von COVID-19 kommt, ist unklar. Horwitz vermutet, dass die Entzündungsreaktionen, die mit einer (viszeralen) Adipositas verbunden sind, eine Rolle spielen.

Zu den Prädiktoren für einen lebensgefährlichen Verlauf gehörten – unabhängig von einer Adipositas – eine niedrige Sauerstoffsättigung des Blutes von unter 88 % (Odds Ratio 6,99), ein D-Dimer von über 2500 ng/ml (Odds Ratio 6,9), ein Ferritin über 2.500 ng/ml (Odds Ratio 6,9) und ein C-reaktives Protein von über 200 mg/l (Odds Ratio 5,8) bei der Aufnahme. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Samstag, 9. Mai 2020, 00:48

Nach den im DÄ veröffentlichten Zahlen

ist die Adipositas sogar der einzige wirklich wesentliche Faktor für die Entwicklung eines SARS. 30% der Menschen mit SARS sind adipös! Andere Risiken verteilen sich annähernd gleich auf CoViD-19 Patienten mit oder ohne SARS
Avatar #635521
PERK
am Freitag, 8. Mai 2020, 16:01

Adipositas und Belastung des Kreislaufs

Zwar ist der genaue Zusammenhang zwischen Adipositas und schweren Verläufen nicht vollständig geklärt, aber pathophysiolgisch erscheint es gut nachvollziehbar, dass eine mit Mikrovasculitiden (das Angiotensin-Converting-Enzyme befindet sich auf Gefäßendothelien und stellt gleichzeitig die Eintrittspforte dar) einhergehende Erkrankungen a) zu Diffusionsstörungen in der Lunge (vor allem für O2, nicht so für CO2 wegen sehr unterschiedlicher Diffusionskoeffizienten), damit b) zu PO2 Sättigungsabfall und damit c) zu einer gesteigerten Gegenregulation durch Steigerung des Herzzeitvolumens kommt (wie auch bei anderen Situationen mit pO2-Abfall). Allerdings hält diese Situation nicht Stunden, sondern Tage an. Bei merklicher Adipositas muss das Herz ohnehin eine höhere Leistung erbringen, was letztlich auch in einen höheren Druck und damit eine erhöhte Nachlast führt. Das wiederum reduziert das Sauerstoffangebot für das Herz. Bei zusätzlicher Belastung durch eine O2-Diffusionsstörung wirkten diese Faktoren kumulativ.
Avatar #767798
Cryonix
am Montag, 20. April 2020, 13:52

Adipositas

wurde auch bereits in der Studie über das erste Patientenkollektivs mit 50 stationär behandelten Patienten aus dem Kreis Heinsberg als eigenständiger Risikofaktor benannt.

Dreher M, Kersten A, Bickenbach J, Balfanz P, Hartmann B, Cornelissen C, Daher A, Stöhr R, Kleines M, Lemmen SW, Brokmann JC, Müller T, Müller-Wieland D, Marx G, Marx N: The characteristics of 50 hospitalized COVID-19 patients with and without ARDS. Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 271–8. DOI: 10.3238/arztebl.2020.0271

https://www.aerzteblatt.de/archiv/213454/Charakteristik-von-50-hospitalisierten-COVID-19-Patienten-mit-und-ohne-ARDS
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