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Medizin

Neurologen melden Zweifel an chinesischer Akupunktur-Studie zu Migräne an

Dienstag, 28. April 2020

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Berlin – Zweifel an den aufsehenerregenden Ergebnissen einer Akupunktur-Studie mit knapp 150 Patienten, die Ende März im British Medical Journal erschienen ist, hat die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN).

Die randomisierte kontrollierte Studie (DOI 10.1136/bmj.m697) wurde in 7 Krankenhäusern in China zwischen 2016 und 2018 durchgeführt. Eingeschlossen wurden knapp 150 Patienten mit mittelschwerer, episodischer Migräne ohne Aura, die zuvor nicht mit Akupunktur behandelt worden waren und einer typischen Migräne-Population entsprachen – das heißt, über 80 % waren weiblich, das mittlere Alter betrug 36,5 Jahre.

Verglichen wurden Standardbehandlung versus Akupunktur versus Scheinakupunktur. Bei der Letzteren wurden die Patienten nur scheinbar akupunktiert, die Hautschicht wurde nicht durchstochen, allerdings fühlte es sich für die Behandelten so an. Außerdem wurden bei der Scheinakupunktur keine etablierten Akupunkturpunkte angesteuert.

„Es handelte sich hier um eine besonders ausgefeilte Methode der Scheinakupunktur, die Patienten konnten nicht zwischen den Verfahren unterscheiden“, erläuterte der Presse­sprecher der DGN, Hans-Christoph Diener. Die Standardbehandlung der Kontrollgruppe bestand aus einer Lebensstilberatung und beinhaltete keine medikamentöse Therapie.

Es kam zu einem Rückgang von 3,9 Migränetagen unter Akupunktur (im Vergleich zu Baseline 5,8 Migränetagen), 2,2 Tagen unter Scheinakupunktur (im Vergleich zu 6,3) und 1,4 Tagen (im Vergleich zu 5,8) unter Standardbehandlung in den Wochen 17 bis 20, was einen signifikanten Nutzen der Akupunkturverfahren belegt.

Sekundär haben die chinesischen Wissenschaftler erhoben, wie hoch der Anteil der Patienten war, die eine 50 prozentige Reduktion der Migränetage oder -anfälle in den Wochen 17 bis 20 erreichten. Im Akupunkturarm waren das 82,5 %, im Scheinaku­punkturarm 45,8 % und in der Vergleichsgruppe 17,9 %.

„Diese hohen Zahlen machen stutzig, auch weil sich das Ergebnis mit keiner bisherigen Studie deckt. In der großen Cochrane-Analyse zur Akupunktur bei Migräne aus dem Jahr 2016 gibt es beispielsweise keine einzige Arbeit, in der mehr als die Hälfte der Patienten eine 50 prozentige Responderrate aufweisen.

Hinzu kommt, dass die bisher publizierten großen randomisierten kontrollierten Studien, die Akupunktur und Scheinakupunktur miteinander verglichen hatten, keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Verfahren feststellen konnten. Hier lag hingegen ein signifikant unterschiedlicher Behandlungseffekt vor – und das, obwohl die Verblindung bestens funktioniert hat, ein möglicher Placeboeffekt also in beiden Gruppen gleichermaßen zum Tragen gekommen sein muss“, erklärte Diener.

Die DGN sieht keinen Grund, wegen der neuen Daten bestehende Therapiestandards zu ändern. „Dafür bräuchte es ohnehin eine große randomisierte Studie im europäischen Setting“, hieß es aus der Fachgesellschaft. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #606142
DerekOtt
am Donnerstag, 30. April 2020, 09:25

Die Crux mit der Patientenauswahl

Herr Dr. Eckhoff zieht mit seiner Auswahl geeigneter Patienten sicherlich den therapeutisch größten Nutzen aus dem ganzen Spektrum von Suszeptibilität bis Suggestivität. Zudem ist dieser Ansatz sehr robust gegen kognitive Dissonanz bei ausbleibendem Erfolg, da er sich ausschließlich mit der Patientenauswahl wegerklären lässt. Allerdings lässt sich auch Rosenkranzbeten oder hochdosierte Ahoj-Brause wirksam gegen Migräne einsetzen, wenn ich postuliere, dass nur suszeptible Patienten auszuwählen sind und diese wiederum Erfolge zeigen - es ist methodologisch unfehlbar, da ein einziger Zirkelschluss.
Genau hier liegt die Kraft der verblindeten randomisierten Studien, in der sich physiologische und psychologische Varianz anzunehmenderweise ausgleichen, wenn die Stichproben groß genug sind. Sofern eine Methode tatsächlich eine intrinsische Wirkung hat, sollte eigentlich ein messbarer Effekt übrigbleiben. Wenn hingegen die zufällige Auswahl der Patienten jeglichen Behandlungserfolg vermasselt, liegt die Schönheit, d.h. der Nutzen der Therapie, wohl ausschließlich im Auge des Betrachters.
Der leicht rebellisch-gegenkulturelle Stolz, dass der eigene kinesiologische Behandlungsansatz keiner wissenschaftlichern ("schulmedizinischen") Überprüfung standhält, bedarf wohl keines weiteren Kommentars.
Avatar #79783
Practicus
am Mittwoch, 29. April 2020, 15:19

Bei Migräne

hilft (manchmal) Akupunktur - und zwar unabhängig davon, ob und wo gestochen wird. Eine odizielle "Magier-Ausbildung" ist dafür nicht erforderlich. Einfach irgendwo im Kopfbereich und etwas entfernt davon ein paar Nadeln setzen - fertig (selbst erfolgreich ausprobiert!).
Ansonsten sind (nicht nur chinesische) Akupunkturstudien wissenschaftlicher Müll!
Ohne Verblindung auf der Behandlerseite und ohne therapienaive Patienten kommt nur Schrott raus, der dann von der chinesischen Regierung gepusht überall erscheinen darf.
Liebe DÄ-Redaktion: Verschont die Leser von Pseudowissenschaft
Avatar #770820
chariat@aol.com
am Mittwoch, 29. April 2020, 13:59

Akupunktur hilft gegen Migräne

Jeder der Akupunktur schwerpunktmäßig anwendet weiß aus der klinischen Erfahrung dass die Studienergebnisse der Realität entsprechen. Sehr wahrscheinlich haben die Zweifler kaum selbst eine Akupunkturbehandlung bei Migräne angewendet oder/und verfügen nur über Grundkenntnisse dieser Behandlungsmethode.
Avatar #704484
Dr. Eckhoff
am Mittwoch, 29. April 2020, 12:39

Dr. Paul-Ulrich Eckhoff, Arzt für Orthopädie

Ob der Kommentar vom Neid geprägt wurde?. Da gibt es ein Leiden ( Migräne ) gegen das die Schulmedizin kaum ein gutes Mittel kennt. Da gibt es eine Therapieform, die Erfolge zeitigen kann. Da könnte man doch glatt vor Neide erblassen ( und den nächsten Migräneanfall bekommen.) Habe in meiner aktiven Zeit Migränepatienten mit Akupunktur behandelt und gute Erfolge erzielt. Es kommt hierbei auf die Auswahl der Patienten an. Es gibt nämlich Patienten, die auf Akupunktur überhaupt nicht reagieren. Und die vermasseln dann jede Erfolgsstatistik. Nimmt man nur Patienten, die auf Akupunktur ansprechen, dann wird es schön. Also zuerst die Patientenauswahl, dann nach den Regeln der Akupunkturphysiologie die Punktwahl durchführen, dann stechen. Dann wird es gut und schön. Aber Akupunktur bei jedem Patienten nach Kochbuch führt zum Mißerfolg. Nutzt die Möglichkeiten der AKupunktur, und prüft welche MEthode der Patient braucht. Zum Wohle unserer Patienten. Nachsatz: Die Auswahl der geeigneten Therapieform für den individuellen Patienten habe ich kinesiologisch durchgeführt. Aber da sind wir schon wieder bei einem Verfahren, das mit den Regeln der Schulmedizin nicht erklärt werden kann.
LNS

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