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Medizin

Weniger Todesfälle an Prostatakrebs in Europa (außer in Polen)

Montag, 20. April 2020

/Sebastian Kaulitzki, stockadobecom

Mailand − In der Europäischen Union werden in diesem Jahr etwa 78.000 Männer an einem Prostatakrebs sterben, der damit nach Lungen- und Darmkrebs die dritthäufigste Krebs­todesursache bei Männern bleibt. Nach den in den Annals of Oncology (2020; doi: 10.1016/j.annonc.2020.02.009) vorgestellten Zahlen gehen die Todesfälle in Westeuropa zurück, während sie in Osteuropa ansteigen.

Ein Team um Carlo La Vecchia von der Universität Mailand wertet jährlich die von der Welt­gesund­heits­organi­sation veröffentlichten Zahlen zu den Krebstodesursachen in der Europäischen Union (inklusive Großbritannien) aus, die auf den Angaben in den Todesbescheinigungen beruhen. In jedem Jahr wird eine Krebserkrankung genauer betrachtet. Dieses Mal ist es das Prostatakarzinom, das bei Männern für etwa jeden 10. Krebstodesfall verantwortlich ist.

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Die altersspezifische Sterberate (ASR) am Prostatakrebs ist innerhalb von Europa recht unterschiedlich. Unter den 5 bevölkerungsreichsten Ländern ist sie mit 5,8 auf 100.000 Einwohnern in Italien am niedrigsten. Es folgen Spanien mit (7,2/100.000) und Frankreich mit (7,3/100.000). In Deutschland und Großbritannien liegt die ASR bei 11 von 100.000 Männern. Am höchsten ist die ASR mit 14,7/100.000 Männer in Polen. Damit sterben in Polen altersbereinigt doppelt so viele Männer am Prostatakrebs wie in Italien.

Polen ist das einzige der 5 Länder, in denen die ASR in den letzten Jahren weiter angestiegen ist und zwar um 17,9 % seit 2010/14. In den anderen 4 Ländern kam es zu einem Rückgang. Am stärksten fiel er in Frankreich (minus 26,6 %) aus, vor Italien (minus 24,4 %), Spanien (minus 21,6 %), Großbritannien (minus 9,0 %) und Deutschland (minus 7,4 %).

Die wahrscheinlichste Erklärung für die Zunahme in Polen ist der begrenzte Zugang zu effektiven Therapien. Operation oder Radiotherapie können den Tumor zwar nicht immer heilen. Sie können das Krebswachstum jedoch so weit verlangsamen, dass viele ältere Männer an anderen Krankheiten sterben.

Auch die therapeutischen Optionen im fortgeschrittenen Stadium des Prostatakarzinoms könnten die Sterblichkeit senken, auch wenn sie den Krebs nicht mehr heilen können. Standard ist hier der Androgenentzug, der heute in der Regel medikamentös erfolgt.

In den letzten 10 Jahren sind mit Abirateron und Enzalutamid 2 weitere Wirkstoffe eingeführt worden, die laut La Vecchia zusammen mit einer verbesserten Hormon- und Chemotherapie die Überlebenszeiten um bis zu 5 Jahre verlängert haben.

Bei vielen Patienten könnte dadurch ein Tod am Prostatakrebs vermieden werden. Für diese Annahme spricht, dass die ASR vor allem in der Altersgruppe der 65- bis 84-Jährigen gesunken ist (um fast 14 %). Bei den jüngeren Patienten (minus 11 %) und den Hochbetagten (minus 5,8 %) war der Rückgang deutlich geringer.

In vielen osteuropäischen Ländern, für die Polen in der Studie exemplarisch ist, stehen die neuen therapeutischen Optionen beim Prostatakarzinom offenbar nicht im gleichem Umfang zur Verfügung wie in Westeuropa, vermutet La Vecchia. Dies gilt eventuell auch für andere Krebsarten und könnte erklären, warum die ASR für alle Krebsarten in Polen insgesamt um 28 % (bei Männern) und 21 % (bei Frauen) über dem europäischen Durchschnitt liegt (nach Angaben in der Pressemitteilung).

Der Gesamttrend bei der Krebssterblichkeit ist jedoch günstig. In diesem Jahr werden in der Europäischen Union vermutlich 798.700 Männer und 630.100 Frauen an Krebs sterben. Das sind zwar 65.000 mehr als im Jahr 2015, doch die ASR ist von 137,5 auf 130,1 pro 100.000 Einwohner zurückgegangen.

Die Hälfte des Rückgangs in der Krebssterberate ist auf die sinkende Zahl von Rauchern zurückzuführen, dem wichtigsten Risikofaktor für Lungenkrebs. Da die Zahl der Raucherinnen seit den 1970er Jahren angestiegen ist, ist Lungenkrebs bei Frauen noch vor dem Mammakarzinom zur häufigsten Krebstodesursache geworden, wobei die Zahl der Todesfälle am Mammakarzinom infolge Früherkennung und besserer Behandlung seit den 1990er Jahren stark zurückgegangen ist.

Ein deutlicher Rückgang ist auch beim Magenkrebs (weniger H. pylori-Erkrankungen) und dem Darmkrebs (verbesserte Therapie und Früherkennung) zu verzeichnen. Die Sterblichkeit am Pankreaskarzinom, für das es keine effektive Früherkennung gibt, so dass es für eine kurative Operation in der Regel zu spät ist, hat bei Frauen weiter zugenommen (plus 1,2 %). Bei Männern ist die ASR leicht zurückgegangen (minus 1,9 %). © rme/aerzteblatt.de

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