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Medizin

Gilead-Studie: Erste Hinweise auf positive Ergebnisse mit Remdesivir bei US-Patienten

Dienstag, 21. April 2020

/Roger, stock.adobe.com

Chicago − Der antivirale Wirkstoff Remdesivir, einer der wichtigsten Hoffnungsträger in der Coronakrise, hat bei 125 COVID-19-Patienten an der Universitätsklinik von Chicago offenbar eine überwiegend positive Wirkung gezeigt, wie das auf Medizinnachrichten spezialisierte Internetportal Stat berichtet.

Die meisten der größtenteils schwer erkrankten Patienten konnten bereits nach 6 Behandlungstagen wieder entlassen werden. Fieber und respiratorische Symptome hatten sich rasch gebessert. Nur in sehr wenigen Fällen war eine 10-tägige Behandlung mit Remdesivir-Infusionen erforderlich. Obwohl insgesamt 113 Patienten als schwer erkrankt galten, starben nur 2 von ihnen.

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Diese Informationen stammen allerdings nicht aus einer offiziellen Publikation der Daten, sondern aus einer internen Videoaufzeichnung der Universitätsklinik. Studien­leiterin Kathleen Mullane bestätigte allerdings auf Nachfrage die Authentizität der Aufzeichnung.

Derzeit führt die Klinik als federführendes Studienzentrum mit Unterstützung des US-Pharmakonzerns Gilead, der Remdesivir ursprünglich zur Behandlung von Ebola entwickelt hatte, 2 Phase-III-Studien durch – eine mit 2.400 schwer erkrankten COVID-19-Patienten und eine mit 1.600 mittelschwer erkrankten COVID-19-Patienten. Beide Studien sind multizentrisch und multinational, auch deutsche Studienzentren sind beteiligt.

Verglichen wird eine 5-tägige und eine 10-tägige Infusionsbehandlung mit Remdesivir (bei den mittelschwer Erkrankten auch gegen den Standard-of-Care). In der Studie mit schwer erkrankten Patienten gibt es keinen Kontrollarm. Die Verbesserung der Patienten wird auf einer7-Punkte-Skala beurteilt, die vom Tod des Patienten über verschiedene Grade des Sauerstoffbedarfs und der Intubation bis hin zur Entlassung reicht.

In Tiermodellen hat Remdesivir bereits eine relativ breite antivirale Wirkung gezeigt, unter anderem auch gegen andere Coronaviren wie SARS-COV und MERS-COV. In einer kürzlich erschienenen Studie mit Rhesusaffen schwächte Remdesivir die Lungenschäden einer COVID-19-Erkrankung ab.

Auch die Auswertung einer kleinen Gruppe von Patienten, die im Rahmen von Härtefall­regelungen mit Remdesivir behandelt wurden, zeigte erste ermutigende Ergebnisse

Offizielle Ergebnisse werden in wenigen Tagen erwartet

Offizielle Ergebnisse der Gilead-Studie mit schwer erkrankten COVID-19-Patienten sollen noch in diesem Monat veröffentlicht werden. Bis dahin sei es zu früh und wissenschaft­lich nicht vertretbar, irgendwelche Schlüsse zu ziehen, heißt es in einer Stellungnahme des Universitätsklinikums.

Als einer der wichtigsten Kandidaten zur Behandlung von COVID-19 wird Remdesivir derzeit in mehreren großen Studien untersucht. Dazu gehören neben den beiden Studien von Gilead die von der WHO initiierte Studie Solidarity und die vom französischen Forschungsinstitut IINSERM koordinierte Studie Discovery. © nec/aerzteblatt.de

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Avatar #650150
0815doc
am Mittwoch, 22. April 2020, 15:18

Bin selbst Intensivmediziner...

... nein, man neigt in dem Fachgebiet nicht zur Hysterie. Aber die wissenschaftlichen Standards sollte man nicht vergessen - First do NOT harm!
Natürlich sollte man berichten, was für Studien laufen und was eventuell ein Ansatz wäre... aber es ist genau das - und nicht mehr: es ist eventuell ein Ansatz.

Die NEJM-Geschichte von Remdesivir wäre in normalen Zeiten mit einem müden lacheln zu den Akten gekommen...
Kaletra: Fehlschlag
Chloroquin: abwarten - schaut auch eher nach „schuss in den Ofen“ aus

Bei Remdesivir ist mir persönlich die Pharma zu sehr in die bisherigen „Veröffentlichungen“ involviert.
Und was ist eine Studie wert, bei der „In der Studie mit schwer erkrankten Patienten gibt es keinen Kontrollarm.“ zu lesen ist?

Avatar #648603
normalerdoktor
am Mittwoch, 22. April 2020, 07:13

@0815doc „Irgendwie seriöser...“

Vor COVID habe ich allerdings auch weniger – eigentlich keine – Videos im Fernsehen gesehen mit erkennbar erschöpften intensivmedizinischen Kolleg*innen (auch aus Deutschland!), die ja nun wahrlich nicht zu Hysterie neigen, jetzt aber davon berichten, dass Sie in ungewohnt hoher Zahl Patienten sterben sehen auch ohne Vorerkrankungen und die nicht wirklich alt sind.
Klar müssen seriöse Ergebnisse abgewartet werden. Trotzdem ist der Bedarf zu erfahren, was denn evt. gehen kann, hoch und ich finde auch berichtenswert.
Avatar #650150
0815doc
am Dienstag, 21. April 2020, 13:43

„Könnte eventuell...“

... wollen wir nicht die definitiven Resultate abwarten, bevor wir uns über einen Videochat unterhalten?
vor COVID schient es mir irgendwie seriöser...
LNS

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