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Medizin

Infektions­krankheiten: Hundefutter kann multiresistente Bakterien enthalten

Dienstag, 21. April 2020

/Pixel-Shot, stock.adobe.com

Lissabon, Porto und Berlin − Haushunde können mit multiresistenten Keimen besiedelt sein, die sie möglicherweise über das Futter aufnehmen. Eine Übertragung auf den Hundehalter ist möglich, aber vermutlich selten.

Dies zeigen 3 Studien, die auf dem European Congress of Clinical Microbiology and Infectious Diseases (ECCMID 2020) vorgestellt werden sollten, der wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden musste.

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Hunde und andere Haustiere kommen wegen ihres engen Kontakts mit dem Menschen als Überträger von resistenten Krankheitskeimen infrage. Tatsächlich lassen sich in den Stuhlproben häufig resistente Keime nachweisen. Dass sich darunter auch potenziell gefährliche Erreger befinden, zeigen die Ergebnisse des von der portugiesischen Regierung finanzierten „Pet Risk Consortium Projects“.

Das Team um Juliana Menezes von der Universität Lissabon hat in 70 Haushalten Halter und Haustiere untersucht. Alle 106 Bewohner waren gesund. Von den Tieren litten 19 an Haut- oder Weichteilinfektionen (SSTI) und 16 an Harnwegsinfektionen (UTI). Die übrigen 49 Haustiere waren gesund.

Die Forscher suchten zunächst nach E. coli, einem normalen Darmbewohner. Bei den Menschen waren 95 Stuhlproben (89,6 %) positiv. Bei den Hunden wurde E. coli in 45 Stuhlproben (23 gesunde Tiere, 14 mit SSTI und 8 mit UTI) nachgewiesen. Bei den Katzen waren 21 (18 Gesunde und 3 mit UTI) positiv auf E. coli.

Im nächsten Schritt haben die Forscher gezielt nach einer Resistenz auf das Reserve­antibiotikum Colistin gesucht. Insgesamt 5 der 161 Isolate (3 %) waren positiv. 3 positive Proben stammen von gesunden Menschen und 2 von Hunden mit SSTI.

Die molekulare Analyse wies bei 3 E. coli-Isolaten das mcr-1-Gen nach. 2 stammten von gesunden Menschen und eines von einem Hund mit SSTI aus einem anderen Haushalt. Bei beiden verbleibenden Isolaten konnte die genetische Ursache der Colistin-Resistenz noch nicht ermittelt werden. Die Tests auf mcr-1 bis mcr-5 waren negativ. Die Testergebnisse für mcr-6 bis mcr-9 stehen noch aus.

Das erste „mobilized colistin resistance“-Gen mcr-1 war im November 2015 bei einen Schwein in China entdeckt worden. Dass es inzwischen bei Hunden und ihren Haltern nachweisbar ist, dürfte viele Experten überraschen und wegen der Gefahr von Colistin-resistenten Infektionen auch erschrecken.

Eine mögliche Quelle ist das bei Hundebesitzern derzeit beliebte Rohfleisch (das tiefgefroren in Konserven angeboten wird). Ein Team um Ana Raquel Freitas von der Universität Porto hat 46 kommerziell erhältliche Hundefutter-Produkte untersucht. Darunter waren 22 Nassfutter, 15 Trockenfutter und 9 tiefgefrorene Rohfutter für Hunde.

In 19 der 46 Proben (41 %) wurden insgesamt 163 Enterokokken-Arten nachgewiesen. Darunter waren 8 von 15 (53 %) Trockenfutter-, 2 von 22 (9 %) Nassfutter- und 9 von 9 Rohfutterprodukte (100 %).

Alle 9 rohgefrorenen Fleischproben enthielten Enterokokken (E. faecium und E. faecalis), die gegen mehrere Antibiotika resistent waren (auf Ampicillin, Ciprofloxacin, Erythromycin, Tetracyclin, Streptomycin und/oder Chloramphenicol).

7 von 9 Rohfleisch-Produkten enthielten Enterokokken, die gegen Linezolid, einem Antibiotikum der letzten Linie, resistent waren, und 6 von 9 enthielten Enterokokken, die gegen Gentamicin oder Quinupristin-Dalfopristin resistent waren. Resistenzen gegen klinisch relevante Antibiotika wie Linezolid, Ampicillin oder Ciprofloxacin wurden nur in rohgefrorenen Proben gefunden.

Von den Rohfleisch-Produkten geht nach Ansicht von Freitasa am ehesten eine Gefahr für die Halter aus. Ob sich die Halter tatsächlich infizieren, wird derzeit von einem Team um Carolin Hackmann vom Institut für Hygiene und Umweltmedizin an der Berliner Charité untersucht.

Die Studie untersucht nasale und rektale Abstriche von Halter und Haustier. Wenn beide mit demselben Bakterium besiedelt sind, wird das gesamte Genom des Erregers entschlüsselt. Bei einer weitgehenden Übereinstimmung kann davon ausgegangen werden, dass das Haustier den Halter (oder umgekehrt) infiziert hat.

Bisher wurden 1.500 Teilnehmer untersucht, von denen 296 1 bis 5 Haustiere besaßen, die anderen hatten keine Haustiere. Von den Haltern waren 38 % mit einem multiresistenten Bakterium besiedelt. Der Anteil war damit etwas höher als in der Gesamtgruppe, von denen 33 % mit einem multiresistenten Bakterium besiedelt waren.

Genauere Analysen wurden bei 77 Hunden und 71 Katzen von 112 Haltern durchgeführt. Bei 23 Hunden und 1 Katze wurden dieselben Bakterien-Spezies wie bei den Haltern gefunden. In 2 Fällen waren die Genome der Bakterien, die von Halter und Hund isoliert wurden, genetisch weitgehend identisch.

Die Übertragungsrate betrug damit 1,8 %. Hackmann geht aufgrund der bisherigen Ergebnisse nicht von einem signifikanten Übertragungsrisiko von den Haustieren auf die Halter aus, ausschließen lässt sich das im Einzelfall aber wohl nicht. © rme/aerzteblatt.de

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